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Nach teils heftiger Kritik, hat die Stadt Reutlingen die Schließung des Skate-Parks nun offiziell bestätigt. Seit der Öffnung am 6. Mai sollen sich dort größere Gruppen getroffen haben, Abstandsregeln wurden nicht eingehalten und es wurde gemeinsam auf Falschen getrunken.

Skate-Anlage im Bürgerpark von Jugendlichen geradezu überrannt

Die Freude über die ersten Lockerungen der Corona-Verordnung hat bei vielen Jugendlichen für Unvernunft gesorgt. Während die Eltern auf den meisten Spielplätzen im Stadtgebiet dafür sorgen, dass die Abstands- und Anzahlregeln möglichst eingehalten werden, war die Skate-Anlage im Reutlinger Bürgerpark gleich nach der Öffnung von Jugendlichen geradezu überrannt worden.

Probleme gab es bereits zu Beginn der coronabedingten Schließungen: An die aufgeklebten Hinweisschilder, dass die Anlage gesperrt sei, hielten sich damals schon die Wenigsten. Die Stadt reagierte: Mit einem Bauzaun wurde die komplette Anlage abgesperrt, was zugleich auch die Nutzung einiger der beliebten Holzliegen in der Nähe der Skate-Anlage unmöglich machte.
Groß war nun die Freude nach der Wiedereröffnung der Anlage. Allerdings: viel zu viele Skatewillige tummelten sich rund um die Anlage, von der Einhaltung des Abstandsgebotes war nichts zu sehen.

Grünen-Gemeinderat Karsten Amann: „Bürgerpark das „Reutlinger Ischgl?“

Das rief schnell Kritik hervor, etwa von Grünen-Gemeinderat Karsten Amann. Ob der Bürgerpark das „Reutlinger Ischgl“ werden könnte, schrieb der Stadtrat unter einen Beitrag in den sozialen Medien. „Am Skaterpark geht die Party weiter. Ich habe mir die Situation am Wochenende und heute Nachmittag angeschaut und bin entsetzt“, schrieb Amann weiter. „Hunderte von Leuten, kein Abstand, null Mundschutz“, kritisierte Amann und sah „Regelverstöße ohne Ende“. Im Gemeinderatsausschuss sprach Amann die aus seiner Sicht „inakzeptable Situation“ im Bürgerpark an. Die Stadtverwaltung hat inzwischen die Konsequenzen gezogen und will die Skate-Anlage sowie die nahegelegene Calisthenicsfläche wieder sperren. Polizei und Ordnungsamt sahen sich außerstande, die Durchsetzung der Abstandsregeln im Bürgerpark langfristig durchzusetzen.

Frage nach der Vorbildfunktion der Stadt

In den sozialen Medien erhielt Karsten Amann für seine Kritik überwiegend zustimmende Kommentare, insgesamt waren es nach wenigen Tagen mehr als 130 – die Geschehnisse im Bürgerpark finden also viel Aufmerksamkeit. Viele Personen stützten die Beobachtungen des Stadtrates und sahen im Bürgerpark etwa auch „Getränke, Pizzas und Umarmungen kreisen“. Kritik gab es aber auch – etwa an der Vorbildfunktion der Stadt: So wurde an das traditionelle Schiedweckenessen erinnert, welches kurz vor dem bereits bekannten Verbot von öffentlichen Veranstaltungen in der Stadthalle stattgefunden hat. Auch wurde der Verstärkte Einsatz von Sozialarbeitern im Bürgerpark gefordert, um die Jugendlichen besser erreichen zu können. Die Befürchtung einer Kommentatorin, „wenn die Lockerungen zurückgenommen werden, ist der Aufschrei groß“ dürfte sich in jedem Fall bewahrheiten.

Kritik an Kinderbetreuung

Unterdessen hat Karsten Amann auf Facebook bereits die nächste Diskussion aufgegriffen: Den wachsenden Unmut der Eltern über die vom Land angekündigte Wiederaufnahme der Kinderbetreuung. Demnach sei eine „reduzierte Regelbetreuung“ ab dem 18. Mai vorgesehen – allerdings bei „größtmöglicher Entscheidungsfreiheit“ der Träger. „Kultusministerin Susanne Eisenmann hat damit Erwartungen geschürt, die sie jetzt nicht erfüllt“, schreibt Amann. Eine entsprechende Rechtsverordnung als Leitlinie für die Kommunen würde noch ausstehen. Amann: „Sowohl Eltern als auch Träger bleiben im Ungewissen.“

Die „Hauptlast bei den Kindern“

Dies sieht auch der Gesamtelternbeirat der Reutlinger Kindergärten und Kindertagesstätten (GERK) so. Der Fahrplan des Kultusministeriums sei demnach eine „nett formulierte Illusion“. Kritisiert wird von den Elternvertretern zugleich, dass selbst organisierte Betreuungsgruppen – anders wie in Bayern – im Südwesten weiterhin verboten bleiben. Tagesmütter dürften ebenfalls nur eine Notbetreuung anbieten. Das Fazit der Elternvertreter fällt entsprechend deutlich aus: „Es ändert sich also nichts.“ Die Eltern wünschten sich stattdessen eine „offene und ehrliche Kommunikation“ statt der offensichtlichen „Beruhigungspille“ aus dem Ministerium. Kinder würden, so die GERK-Vertreter, damit weiter die Hauptlast des Infektionsschutzes der Bevölkerung tragen. „Und mit ihnen die Eltern.“