Reutlingen Nach dem Projekt die Luft schätzen gelernt Ballone im Naturphänomene-Unterricht

Reutlingen / ANNE LEIPOLD 10.03.2012
Sie heißen "ISS 2", "Boby fly" und sind bunt wie "Smarties". Die Sechstklässler des BZN-Gymnasiums feiern das Ende ihres Heißluftballonprojekts.

"Bitte kräftig aufblasen", ist Ewald Walkers Rat an seine Schüler. Zwei liegen rücklings auf dem BZN-Rasenspielfeld mit je einem Föhn in der Hand. So pusten sie heiße Luft in die Ballonhülle, die von einem Alurand offen gehalten wird. Drei weitere Schüler berühren mit ihren Händen die Hülle und halten sie leicht fest. Wenn diese angenehm warm wird, ist der Ballon bereit für den Start. "Vier, drei, zwei, eins" zählen sie aufgeregt dem Start entgegen und lassen den Ballon los.

Mit staunenden Mündern sehen sie dem Ballon nach, wie er steil in die Luft steigt und quer über den Platz fährt. Durcheinander rufend eilen sie ihrem Werk hinterher, um es wieder einzufangen. 32 farbenfrohe Ballone werden an diesem Nachmittag gen Himmel steigen. So manch einer wird dabei zum Farbtupfer in den kahlen Ästen der in der Nähe stehenden Bäume.

Naturphänomene heißt der naturwissenschaftliche Unterricht, dem diese bunten Ballone entstammen. Dies ist der praktische Zugang zu naturwissenschaftlicher Denk- und Arbeitsweise. Erfahren und Erleben steht hierbei im Vordergrund, wie Walker erklärt. Die Schüler lernen nicht nur in der Theorie, dass heiße Luft aufsteigt, sondern erfahren es praktisch an der brennenden Kerze, erleben die Heißluftspirale an der Weihnachtspyramide und schließlich anhand des Baus eines Miniatur-Heißluftballons in Gruppenarbeit. Die Krönung ist nun das Ballonfest. "Hier sieht man, wie sich die Theorie realisiert", sagt Siegward Lingenheil, stellvertretender Schulleiter des BZN-Gymnasiums. Aber nicht nur, dass die Schüler ihre eigenen Heißluftballone steigen lassen. Ein großes Original von Günter Krohmer steht ebenfalls auf dem Rasen und zieht die Schüler magisch an. Schnell wird das Smartphone ausgepackt, fotografiert und gefilmt. Staunend halten sie digital fest, wie die heiße Luft in die Hülle gelassen wird und eine riesige Flamme aufflackert. Später wird der große Ballon abheben. Die beiden Sechstklässler Friederike und Mert dürfen zusammen mit Lingenheil hoch in die Luft steigen, das Highlight des Ballonfests. Bis dahin aber stehen die kleinen leuchtend blau-grün-rosa-gelb-rot-farbenen Heißluftballone aus zartem Seidenpapier im Mittelpunkt.

Mit Anleitung sei der Zusammenbau ganz einfach gewesen, erklären Louis, Jannik, Timo und Tim aus der 6a. Ab und zu habe das Papier zwar kleine Löcher bekommen, aber mit den Papierresten konnten sie ihn gut flicken. Stolz sind sie, als ihre "ISS 2" sich in die Lüfte hebt und davonfährt. "Oh, schaut mal wie der zieht!", "Ich will, dass er ganz hoch fliegt und auf das Dach des BZN geht", schallen die Rufe über das Rasenspielfeld.

Den Ballon nicht zu früh los zu lassen raten Paul, Kevin und Fabian. Gerade eben nämlich hat die "Boby fly" einen Fehlstart hingelegt. Nun sind die Jungs mit ihrem "James Bond 007" an der Reihe. Ihr zweiter Ballon, denn beim ersten Versuch haben sie ihn falsch zusammengeklebt, gestehen sie. Etwas Wichtiges hat Fabian bei diesem Projekt für sich gelernt: "Ich weiß die Luft jetzt zu schätzen", verrät er.

Ein wichtiges Ereignis steht nun noch auf der Tagesordung: Für Krohmers soziales Projekt "Patchwork-Balloon" überreichen ihm die Sechstklässler einen Scheck über 888 Euro. Diesen haben Annika, Carolina, Marlene und Friederike eigens für diesen Anlass gestaltet. Schließlich wurde es Ernst: Die Fahrt für Friedericke und Mert im großen Heißluftballon beginnt.

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