Pfullingen / Von Evelyn Rupprecht  Uhr

Die Augustsonne lässt es an diesem Sonntagnachmittag ordentlich krachen, die Temperatur rückt stetig näher an die 30-Grad-Marke. Im Schönbergbad stehen die Kinder Schlange an den Sprungbrettern und am Eisstand. Andernorts in Pfullingen geht es da schon deutlich ruhiger zu – und vor allem kühler.

Entspannt sitzt Rosemarie Wörner am Empfangstischchen im Stadtgeschichtlichen Museum und unterhält sich mit Erich Losch, der lässig an einer Vitrine lehnt. Acht Besucher haben die beiden Ehrenamtlichen bei ihrem Aufsichtsdienst in den ersten beiden Öffnungsstunden gezählt. Das sind nicht besonders viele, aber angesichts des prächtigen Wetters ist es erstaunlich, dass überhaupt Menschen den Weg ins Schlössle finden, um in die Historie einzutauchen.

„Meist sind es ältere Leute. So wie wir beiden, nur ein bisschen jünger“, sagt Losch, der 81 Lenze zählt, seit 40 Jahren im Geschichtsverein ist und fast genauso lange schon als Aufsicht in den Pfullinger Museen arbeitet. Verglichen mit ihm ist Rosemarie Wörner, mit der er heute Dienst tut, noch ein Neuling.

Vor fünf Jahren, als sie aus dem Schuldienst ausgeschieden ist, „da wollte ich einfach etwas machen, das mit Geschichte zu tun hat“, sagt sie. Und so ist sie in der Pfullinger Museumslandschaft gelandet, in der sie zuverlässig und höchst engagiert mitarbeitet.

Dass sich die Besucher an diesem hitzigen Sonnen-Sonntag nicht gerade im Schlössle drängen, stört Wörner und Losch nicht. „Dafür sind die, die kommen, umso interessierter“, weiß der Rentner. „Heute war sogar schon ein gelernter Mühlenbauer aus Mössingen hier, der sich unsere Sonderausstellung anschauen wollte“, berichtet Losch. „Vergessene Berufe – Handwerkskunst, Erfindergeist, Forscherdrang“ ist der Titel der Schau, in der es um Seiler und Schuhmacher, Messerschmiede, Leinenweber, Kesselflicker, Gerber, Turmuhrenbauer, Glasmaler, Bürstenmacher, Buchbinder, Wasserwiesenmeister und eben auch um die Müller geht. Und zu Letzteren hat sich der Mössinger Mühlenbauer schon ganz besonders tief eingelesen in die Texte im Stadtmuseum. Gesellschaft bekommen Wörner und Losch an diesem Nachmittag aber auch noch von einem Ehepaar aus Neidlingen.

Unterwegs in den Museen

„Wir waren kürzlich hier wandern und haben beschlossen, nochmal nach Pfullingen zu kommen, um uns die Museen anzusehen“, sagt die Frau, die’s zuerst ins benachbarte Trachtenmuseum in der Baumann’schen Mühle gezogen hat – „und dort hat man uns dann ans Herz gelegt, auch noch im Schlössle vorbeizuschauen“. Eine Visite, die die Neidlinger nicht bereuen. Auch, weil das Aufsichtspersonal kundig und vor allem freundlich ist.

In den Pfullinger Museen ehrenamtlich Dienst zu tun, macht Rosemarie Wörner und Erich Losch sichtlich Freude. „Auch wenn, wie kürzlich in der Villa Laiblin, mal gar niemand vorbeischaut“, sagen die beiden, die wie die anderen Geschichtsvereins-Mitglieder zwei Mal pro Jahr dran sind mit ihren Aufsichtsdiensten.

„Vor allem bei Regen kommen richtig viele Besucher“, erzählt Wörner. „Und am Tag des Museums und dem Landesdenkmaltag, da läuft’s hier fast über“, ergänzt Losch und spricht von 2000 bis 3000 Interessierten, die pro Saison den Weg ins Schlössle finden – Sonderführungen miteingerechnet. Die Zahlen sind allerdings durchaus noch ausbaufähig. Weshalb der Geschichtsverein für das Stadtgeschichtliche Museum eine Neukonzeption erstellt hat, mit der er das Schlössle zeitgemäßer gestalten möchte.

Ein bisschen überaltert ist derweil nicht nur das Inventar, auch der Verein selbst ist es. „Wir haben Nachwuchsprobleme. Viele von uns, die als Aufsichten arbeiten, sind schon um die 80 und hören nach und nach auf“, berichten Wörner und Losch. „Wir kommen jetzt gerade noch so hin damit, uns die Dienste aufzuteilen. Aber wir brauchen dringend neue Leute“, sagen die beiden mit Nachdruck – und mit Blick darauf, dass sie ja selbst nicht mehr die jüngsten sind.