Pfullingen Mundart: Prof. Werner Mezgers Ode an den schwäbischen Dialekt

"Oh-ah-gnähm". Werner Mezger weiß: "Wer schwäbische Nasale beherrscht, lernt leichter Französisch." Foto: Jürgen Herdin
"Oh-ah-gnähm". Werner Mezger weiß: "Wer schwäbische Nasale beherrscht, lernt leichter Französisch." Foto: Jürgen Herdin
Pfullingen / JÜRGEN HERDIN 22.06.2013
In die höheren Weihen der schwäbischen Mundart - aus volkskundlicher Sicht - führte auf höchst amüsante Weise Prof. Werner Mezger in den Hallen ein. Als Folie nahm er dabei seine eigene Sozialisation.

Ja, es gibt sogar einen Förderverein "Schwäbischer Dialekt e.V.". Auf den verwies am Donnerstag stolz dessen Vorsitzender, Landtagsdirektor Hubert Wicker. Bedarf es denn wirklich solch einer Interessenvereinigung? Herrscht doch vielerorts die weit verbreitete Auffassung - und ambitioniert-selbstbewusste Mutmaßung zugleich -, dass es auf diesem Globus, so ein prominentes Gscheidle, auf absehbare Zeit eh nurmehr zwei Weltsprachen geben werde: "Das Englische - zur allgemeinen Verständigung - und das Schwäbische als Sprache des Fortschritts."

Weshalb aber diese von Alt-Ministerpräsident Lothar Späth derart geadelte Mundart sehr wohl einer gut organisierter Lobby bedarf, führte auf Einladung der Stadt der Germanist, Historiker und Volkskundler Prof. Werner Mezger in den voll besetzten Pfullinger Hallen dem Publikum vor Augen.

Denn es gibt immer wieder Ausfransungen an den Rändern, bedingt durch den Umstand, dass Dialekt im - zumal akademischen Raum - als Idiom der Unterschichten diffamiert und gleichermaßen diskreditiert wird. Wer nun also spricht statt schwätzt, habe mithin bessere Karten, so jedenfalls das "on dit", das seit einem guten Jahrhundert unbewiesen im Raum steht - aber sehr wohl mit einem urschwäbischen Minderwertigkeitskomplex zu tun haben müsse.

Hartnäckig hält sich in elitären Kreisen weiterhin die Annahme, dass Dialekt eben "der restringierte Code der Unterschichten sei - und womöglich auch noch gekoppelt sei mit mangelnder Intelligenz", so Werner Mezger, der bei skurrilen Begebenheiten vieles davon am eigenen Leibe hatte erfahren müssen. Vor allem aber, als Mezger, der junge Mann aus Rottweil, sein Studium an der Universität Tübingen begann. "Dort habe ich in den ersten Semestern meinen Dialekt als eine Art Gebrechen verstanden", gibt er unumwunden zu. Und es habe in den Proseminaren viele Schwaben gegeben, die sich ihres Dialekts geradezu "chamäleonhaft entledigt haben", so Mezgers Rückblick auf die "Möchtegern-Hannoveraner aus Kleinengstingen".

Doch nur keine falsche Scham beim Schwätzen. Nach der musikalischen Begrüßung durch den Männergesangverein Eintracht führte Bürgermeister Rudolf Heß aus, dass es gelte, Schwäbisch nicht nur nicht-schwäbischen Mitbürgern, sondern vor allem auch der Jugend nahe zu bringen. "Wird nicht mehr schwäbisch gesprochen, ist der sprachliche Generationenvertrag gebrochen!", rief Heß dem Publikum zu. Oder, wie Werner Mezger es formulierte: Sprachliche Selbstentfremdung tut nicht gut!".

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