Pfullingen Mühlen, Wasser, Fallensteller

Bei der Buchvorstellung: Waltraud Pustal (rechts), Zeitzeuge Frieder Volk und Walburg Speidel (Biosphärengebiet).
Bei der Buchvorstellung: Waltraud Pustal (rechts), Zeitzeuge Frieder Volk und Walburg Speidel (Biosphärengebiet). © Foto: Jürgen Herdin
Pfullingen / J+rgen Herdin 26.05.2018

Übervoll war die Stadtbücherei am Donnerstag, als Professor Waltraud Pustal den „19. Beitrag zur Pfullinger Geschichte“ vorstellte. Die Vorsitzende des Geschichtsvereins legte mit der „Historischen Wasserwirtschaft der Echaz in Pfullingen“ ein spannendes und informatives Grundlagenwerk über den Fluss vor.

Zahlreiche, zum Teil hochbetagte  Zeitzeugen, trugen zum Gelingen einer Publikation bei, mit der die „Beiträge“  Neuland betraten: Das Buch hat nun ein handliches Format und auf 220 Seiten gibt es viele farbige Abbildungen, Fotos und auch Gemälde heimischer Künstler zu sehen.

Finanziell unterstützt hat diese in der Region einzigartige Veröffentlichung das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Für die historischen Fotos sorgte der Fotograf Steffen Burgemeister, der sich dafür tief in das Familien­archiv begab.

Wässerwiesen, Mühlen, Brunnen, Natur, Landschaft, Stadt, Kultur, Geschichte, Kunst: Die Echaz entwickelte sich in den vergangenen 700 Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor, war für viele Menschen die Lebensgrundlage, sorgte für Reichtum und Wohlstand, zum Beispiel durch die Textilindustrie seit dem 19. Jahrhundert. Streuobstwiesen mit unzähligen Zwetschgenbäumen, Getreideanbau, saftige Wiesen, die sehr viel Heu für die Nutztiere lieferten: Das alles funktionierte nur mit einem streng reglementierten Plan zur möglichst „gerechten Verteilung des kostbaren Nasses“, weiß der Zeitzeuge Frieder Volk.  So sollte gewährleistet werden, dass jeder Grundbesitzer zu festgelegter Zeit seinen Anteil am Wasser hatte. Die Zeiten lagen rund um die Uhr und wurden vom Wässerungsmeister festgelegt, der von der Stadt für dieses Amt bestellt war. „So kam es auch vor, dass, wenn man an der Reihe war, das Wasser zu bekommen, man mitten in der Nacht die Stellfalle schließen musste, weil dann der Nachbar mit seinem Grundstück an der Reihe war“. So erinnert sich Frieder Volk an seine Kindheit und Jugend.

Wie überhaupt die Echaz mehrfach als Segen für Pfullingen gepriesen wurde: „Das ganze Tal gleicht einem Obstwald“, schrieb ein Chronist im Jahr 1824. Die 25 Kilometer zwischen der Quelle bei Honau bis zum Neckar bei Kirchentellinsfurt waren damals übrigens noch keine passende Maßeinheit. Pustal zitierte einen frühen Chronisten: „Die Länge des Tals beträgt fünf Stunden, seine Breite ist unterschiedlich“.

Zuvor betonte eingangs Fleur Hummel, die Leiterin der Stadtbücherei Pfullingens: „Nach der Lektüre dieses Buchs werden wir die Echaz mit anderen Augen sehen“. Und Bürgermeister Michael Schrenk: „Hier finden wir Geschichte zum Greifen und zum Begreifen“. Walburg Speidel vom Biosphärengebiet blickte in die überfüllte Galerie und bekannte: „Ich bin überwältigt von dieser Resonanz“. Besonders der Nachmittag mit den Zeitzeugen, die maßgeblich zum Gelingen der Publikation beigetragen haben, werde ihr in guter Erinnerung bleiben.

Die Autorin Waltraud Pustal fasste die Intention des Projekts zusammen: „Das Buch will den Schleier des schleichenden Vergessens einst alltäglicher Nutzungen der Landbewirtschaftung der Wässerwiesen heben und die erstaunlichsten und unterhaltsamsten Geschichten aus den Gedächtnissen der Archive und der Zeitzeugen zutage fördern“.

Landschaftsplanerin mit historischer Ader

Mühlen, Brunnen, Industrie, Landwirtschaft, Erholungsraum Echaz: Die Verfasserin Waltraud Pustal, Vorsitzende des Geschichtsvereins und  von Beruf Landschaftsplanerin, legt großen Wert auf eine „nachhaltige Geschichtsbehandlung“ und kündigte an, bald schon besonders auf die Jugend zuzugehen, um deren Interesse an historischen Themen zu wecken.

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