Honau / Jürgen Spieß  Uhr

Boulevard-Theater pur: Das von zehn Laienschauspielern aufgeführte schwäbische Lustspiel „D’r Pappadeckel“ von Maria Herth wurde von den Honauer „Zwiebelbäuch“ amüsant in Szene gesetzt. Bei der komplett ausverkauften Premiere im evangelischen Gemeindehaus Honau gab es am Donnerstag viel zu lachen.

Das war selbst nach über 40 Jahren ein Novum für die Honauer Zwiebelbäuche: Die Karten für alle neun Vorstellungen der diesjährigen Theateraufführung waren bereits kurz nach dem Vorverkaufsstart Anfang November vergriffen. Da der Saal im evangelischen Gemeindehaus immerhin 145 Besucher fasst, bedeutet das: Mehr als 1300 Zuschauer werden bis zur letzten Vorstellung am 28. Januar „D’r Pappadeckel“ gesehen haben.

Tatsächlich erfüllt der seit Oktober letzten Jahres einstudierte Dreiakter die hoch gesteckten Erwartungen. Er breitet eine temporeiche Handlung aus, überzeugt durch charmant-direktes Lokalkolorit und schwäbischen Wortwitz und hält über die gesamte Spieldauer von fast drei Stunden die Spannung.

Worum geht es? Die beiden Saufkumpane Paul Holzschuh (Jürgen Reiff) und Karl  Schäfer (Thomas Biffart) werden beim nächtlichen Zuschnellfahren erwischt und bekommen gleich beide für einen Monat den Führerschein (Pappadeckel) entzogen. Daraus entspinnt sich ein Geflecht aus Lügen und Geheimniskrämereien, denn der Fehltritt muss selbstverständlich vor den Ehefrauen Rosa (Bettina Werner) und Anna (Carmen Henker) verheimlicht werden. Doch Pauls und Rosas gewitzte Tochter Dorle kommt den beiden Freunden auf die Schliche und versucht nun ihrerseits, Kapital aus dem Wissen zu schlagen: Sie verspricht, den Ehefrauen nichts zu verraten und handelt dafür den lange verweigerten Führerschein für sich heraus.

Sofort wird der Fahrlehrer Peter Pfanner (David Epple) engagiert und auch Rosa und Anna schließen sich spontan dem lustigen Trockenfahrkurs an. Jeder scheint also das zu kriegen, was er will, selbst der Polizist Rudi Stechele (Thomas Epple) lässt sich überreden und schickt sich an, von einer Anzeige abzusehen. Wäre da nicht die resolute und naseweise Nachbarin Martha Zirngiebel (Carmen Epple), die den Laden mit ihrer nervigen Art derart aufmischt, dass das Lügengebäude einzustürzen droht. So wird sie unter Mithilfe des Polizisten in einen Hennenstall eingesperrt, was die Situation vollends eskalieren lässt, zumal auch Oma Amelie (Carmen Vogelweyd) und ihr neuer Lover, der Automechaniker August (Jürgen Eidt), aufgrund des Chaos auf ihre gemeinsame Italienreise nach „Ravioli“ (Rimini) verzichten müssen.

Das Geheimnis dieser turbulenten Komödie? Sie funktioniert auf verschiedenen Ebenen, ist zum Brüllen komisch und jeder kann sich mit den Problemen im Stück identifizieren. Obwohl Klischees häufig bemüht werden und Figuren wie die überkandidelte Nachbarin Martha Zirngiebel oder Anna, die Ehefrau von Karl, gnadenlos überzeichnet sind, driftet das Stück nie in harmlose Unterhaltung ab. Bis zum Happy End, wenn sich die Verwicklungen und Verwirrungen in Wohlgefallen aufgelöst haben, bietet der Dreiakter alles, was man von einem heimatlichen Lustspiel erwartet: herrlich überdrehte Charakterrollen, ein wortreiches Hin und Her mit witzigen Dialogen und ausreichend Bezug zur schwäbischen Region. Vor allem die frotzelnden Seitenhiebe auf die Nachbargemeinde Holzelfingen sorgen wiederholt für Lacher unter den Eingeweihten.

Das Stück unter der Regie von Otto Niederer, der seit zwölf Jahren als Spielleiter fungiert, führt exemplarisch vor, wie der Spagat gelingen kann, Jüngere und Ältere gleichermaßen zu amüsieren. Zum Brüllen komisch muss es sein und jeder sollte sich mit den Problemen im Stück identifizieren können. „D’r Pappadeckel“ tritt zweifellos den Beweis an, dass Komödienstadel mehr sein kann als pures Lachtheater.

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Besucher fasst das Gemeindehaus, das bedeutet: Mehr als 1300 Zuschauer werden bis zur letzten Vorstellung am 28. Januar „D’r Pappadeckel“ gesehen haben.