Reutlingen Mode verändert den Blick auf die Welt

Handgefertigte Unikate, individuelle Kollektionen, innovatives Design, Kreationen mit klangvollen Namen und modische Visionen beherrschen die Szenerie in den Gebäuden 6 und 9.
Handgefertigte Unikate, individuelle Kollektionen, innovatives Design, Kreationen mit klangvollen Namen und modische Visionen beherrschen die Szenerie in den Gebäuden 6 und 9. © Foto: Jürgen Spieß
Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 02.07.2016
Ein kreatives Feuerwerk aus Mode und Design: Junge Designer der Hochschul-Fakultäten Textil und Design präsentierten ihre Abschlussarbeiten.

Die Hochschule hat sich schwer in Schale geworfen: äußerlich unbewegt wie eh und je, herrscht im Inneren ein Spektakel aus leuchtenden Farben, bizarren Formen und neuen Eindrücken. Handgefertigte Unikate, individuelle Kollektionen, innovatives Design, Kreationen mit klangvollen Namen und modische Visionen beherrschen am Mittwoch die Szenerie in den Gebäuden 6 und 9.

„Wir haben rund ums Textil einiges zu bieten“, begrüßt Michael Goretzky, Dekan der Fakultät Textil & Design das erwartungsfrohe Publikum. Und in der Tat haben sich die insgesamt 30 Studierenden aus den Bereichen Textil- und Modedesign mächtig ins Zeug gelegt. Mit der Kombination von originellen Mustern, Farben, Materialien und Formen schaffen sie sensible und teilweise außergewöhnliche Ideen, die einem ständigen Entwicklungsprozess unterworfen sind. Neue Ansätze der Gestaltung und Ausarbeitung in den Bereichen Mode, Textildesign und Künstlerische Konzeption werden gezeigt, „die sich aktuellen Trends und Themen widmen, aber auch einen Bogen von der Geschichte in die Moderne spannen“, erläutert Michael Goretzky.

Die Abschlusspräsentationen sind zweifellos das krönende Ende der Studienzeit, denn sie offenbaren überaus kreative Schöpfungen, die allesamt unter einem eigenen Motto stehen und individuell umgesetzt werden. Denn: Jede „Kleidung hat wichtigere Aufgaben, als uns zu wärmen. Sie verändert unseren Blick auf die Welt und den Blick der Welt auf uns“, lautet ein Zitat der Schriftstellerin Virginia Woolf, das Annika Bolsinger, Masterstudentin für künstlerische Konzeption, verwendet, um an ihre Modekollektion „FeminiStyle“ anzuknüpfen. Da Mode auch immer ein Spiegel der Gesellschaft und der Gegenwart sei, möchte sie das aktuelle Bild von Weiblichkeit „durch die Gestaltung von Mode und textilen Prints beleuchten“.

Eine andere Kollektion, die sich mit den Themen Freiheit, Gerechtigkeit und Individualität beschäftigt, nimmt Bezug auf eine der epischsten Liebesgeschichten unserer Zeit: Bonnie and Clyde. Die Motorradkollektion von Alessa Sill paart die Thematik der Flucht mit dem Flair der 1930er Jahre und verbindet „rohe und derbe Materialien wie Leder, Jeans und Waxed Cotton mit Fischgrät und Tweed“. Im Gebäude 6 werden modische und künstlerische Visionen aus den Bereichen Textildesign, künstlerische Konzeption und Modedesign präsentiert, die so klangvolle Namen wie „Kräuterlamm“, „Mother Nature“, „Inverted Reality“, „paradise lost“ und „Das Labyrinth der Einsamkeiten“ tragen: Jede der hier gezeigten Modekollektionen zeigt eine ganz eigene Geschichte“, betont Studiendekanin Änna Piel, die an der Hochschule den Schwerpunkt Modedesign leitet.

So auch die Kollektion „Stigma“ von Daniela Harsch, die in ihren hochwertigen Kleidungsstücken aus Seide, Wolle und Leder den Stellenwert von Religion im Vergleich zu früheren Zeiten thematisiert. Die Verbindung von Modernität und Einflüssen vergangener, religionsbestimmter Zeiten zeigt sich in weiten, voluminösen Formen in Kombination mit schmalen, körpernahen Schnitten und geradlinigen Strukturen. Auch im Bereich Design geht es darum, Grenzen aufzubrechen und Neues zu schaffen. Die Ausdrucksmittel richten sich nach den Projekten und umfassen neben Malerei und Zeichnung das Arbeiten mit Medien wie Film, Computer, Fotografie und Installation.

Auch hier zeigen die Abschlussarbeiten der Absolventen neue Wege der künstlerischen Gestaltung auf, in der Fragestellungen und Entwicklungen unserer Zeit und Gesellschaft gut abzulesen sind.

Modenschau

Die Modenshow „Haute Cueture“ zur Ausstellung „Mode – Material – Kunst“ geht am Samstag; 16. Juli, 19 Uhr in der Stuttgarter Carl-Benz-Arena über die Bühne.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel