Oberbürgermeister Thomas Keck hat bereits in seiner Neujahrsansprache durchblicken lassen, dass man über das Thema sprechen müsse. Und auch ein interfraktioneller Antrag liegt seit geraumer Zeit vor. Die Diskussion über eine autofreie Altstadt soll jetzt in die Gänge kommen. Die Stadtverwaltung lädt deshalb am 11. Februar zu einer ersten Informationsveranstaltung in den Spitalhof ein. Ziel sei es, „relevante Akteure und die interessierte Öffentlichkeit über das Thema zu informieren“. Eine Vorgehensweise, die bei den Stadträten im Bau-, Verwaltungs- und Umweltausschuss auf wenig Gegenliebe stieß. „Eine Info-Veranstaltung ist nicht das, was wir wollten“, sagte Gabriele Janz (Grüne). „Wir wollten zunächst ein Beteiligungsverfahren.“ Ein Standpunkt, der auch von anderen Fraktionen unterstützt wurde. „Uns wäre eine Beteiligung anderer Art lieber gewesen“, sagte auch Gabriele Gaiser (CDU).

Wütende Reaktionen

Dass eine autofreie Altstadt irgendwann in der Zukunft umgesetzt wird, dies scheint keine Frage mehr zu sein. Denn Grüne, SPD, FWV, Linke und WiR haben sich bereits dem interfraktionellen Antrag angeschlossen. Dass es nach dem Einwurf von OB Keck beim Bürgerempfang wütende Reaktionen aus der Bevölkerung gab, das berichteten gleich mehrere Stadträte. Ziemlich viel Empörung von Einzelhandel, Gastronomie und Anwohnern habe es gegeben. Helmut Treutlein (SPD) sieht das ganze als Entwicklungsprozess. Jürgen Fuchs (FWV) erkennt zwar an, dass es sich um ein ganz sensibles Thema handle. „Aber die Zeit ist reif dafür, eine autofreie Innenstadt in Schritten umzusetzen“. Allein was sich in der Metzgerstraße abends abspiele, sei so nicht mehr hinzunehmen. „Da wird mit den teuersten Autos einfach durchgerast.“ Wichtig sei jedoch, das Konzept nicht von heute auf morgen, sondern sukzessive umzusetzen. Jürgen Straub (WiR) verwies darauf, dass seine Fraktion bereits vor drei Jahren einen entsprechenden Antrag gestellt habe. Als überaus einschneidend bezeichnete Gabriele Gaiser (CDU) das Thema für Reutlingen. Sie warnte jedoch davor, Fachleute von außen bei der Informationsveranstaltung als Referenten zu laden. Es ginge nicht darum, was in anderen Städten umgesetzt wurde, sondern man wolle „das Beste für Reutlingen erreichen“. Ein Austausch zwischen Fachleuten, Anwohnern, Einzelhändlern und Gastronomen sei deshalb das Wichtigste. Regine Vohrer (FDP) fordert, dass der Austausch aller Beteiligter ergebnisoffen sein müsse. „Es muss uns schon klar sein, dass wir Existenzen belasten und gefährden.“

Forderung nach Umgestaltung

Eine Aussage, die Holger Bergmann (Grüne) konterte: „Aus der Grünen-Fraktionen wohnen zwei Leute in der Altstadt. Und die freuen sich auf eine autofreie Altstadt.“ Für Edeltraut Stiedl (SPD) steht eines fest: „Es werden an dem Abend nicht alle zufrieden nach Hause gehen.“ Dies sei aber auch gar nicht das Ziel. Der Gemeinderat müsse sich eben für die eine oder andere Mobilität entscheiden.

Der interfraktionelle Antrag verlangt die Umgestaltung der Altstadt in eine autofreie Zone im Laufe der nächsten zehn Jahr. Hierfür solle die Verwaltung ein Konzept ausarbeiten. Das anvisierte Gebiet umfasst die historische Altstadt im Osten einschließlich der Metzgerstraße, im Norden bis zur Karlstraße/Eberhardstraße und im Süden bis zur Lederstraße.

Es gehe darum, die Aufenthalts- und Lebensqualität in der Altstadt zu verbessern, heißt es in der Antragsbegründung. Eine lebendige und attraktive Altstadt steigere die Sicherheit im öffentlichen Raum, stärke den Einzelhandel und belebe die Gastronomie durch eine längere Verweildauer. „Daneben ist dies ein wirksamer Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität.“

Am Rande der Altstadt sollen Parkplätze, auch Quartiersparkplätze, angelegt werden, zeitgleich in der Altstadt die Parkplätze zurückgebaut werden. Nur noch der Anwohnerverkehr soll zugelassen werden, die autofreien Straßen und Plätze sollen stufenweise ausgedehnt werden.

Infoveranstaltung im Spitalhof


Am Dienstag, 11. Februar, von 19 bis 21 Uhr lädt die Stadt zu einer ersten Informationsveranstaltung zum Thema „Autofreie Altstadt“ ein. Dabei soll es um einen Meinungsaustausch gehen.