Reutlingen Mitten aus dem Leben gegriffen

Noch bis 14. April sind die Fotografien von Andreas Tschunkert im Lobbyrestaurant zu sehen.
Noch bis 14. April sind die Fotografien von Andreas Tschunkert im Lobbyrestaurant zu sehen. © Foto: Norbert Leister
Reutlingen / NORBERT LEISTER 17.02.2015
Die Fotos von Andreas Tschunkert erzählen Geschichten. Zu sehen sind die Schnappschüsse des gebürtigen Esslingers noch bis Mitte April im Lobbyrestaurant "Unter den Leuten" in der Rommelsbacher Straße.

Ein älterer Mann sitzt versunken in sich selbst, versunken in seine Gedanken vor einem Café. Er scheint zufrieden zu sein. Vielleicht denkt er über sich und sein Leben nach? Vielleicht genießt er aber auch einfach die Atmosphäre, den Kaffee, freut sich auf seine Enkel, die ihn gleich besuchen kommen? Wer weiß das so genau?

Genau das sind die Fotos von Andreas Tschunkert, der 1964 geboren wurde, in Esslingen aufwuchs, seit 15 Jahren in Reutlingen lebt: Die Bilder, die nun im Lobbyrestaurant "Unter den Leuten (UdL)" im Rahmen des Kulturprogramms "Fläsch" ausgestellt werden, sind Schnappschüsse, ein Sekundenbruchteil einer Szene, die sich irgendwo auf der Welt abspielte - in Italien, Frankreich, Vietnam.

"Die meisten Aufnahmen habe ich im Urlaub gemacht", so Tschunkert, der seit zehn Jahren Mitglied im Reutlinger Photoclub ist. Seine Motive fand er meist im Vorbeigehen, sie bilden Menschen ab, die irgendeiner Tätigkeit nachgehen. Zeitung lesen. Irgendwo versunken am Straßenrand sitzen.

Was der Fotokünstler überhaupt nicht macht: Stunden- oder gar wochenlang auf den einen, einzigartigen Moment warten, wie das etwa Tierfotografen oftmals tun. Tschunkert sieht eine Szene, erkennt sie innerhalb eines Sekundenbruchteils als bemerkenswert und hält sie mit der Kamera fest. Deshalb heißt die Ausstellung in den Räumlichkeiten von UdL auch "Mitten im Leben" - weil die Fotos eben auch genau das abbilden, einen winzigen Moment des Lebens der abgebildeten Personen. Und dabei erzählen sie doch "ganz eigene Geschichten, die Betrachter können sich in jede einzelne Szene vertiefen", betonte Ingrid Liebler, die während der Vernissage im Lobbyrestaurant einiges zu den Fotos zu sagen hatte.

Ob hinter den ausgestellten Fotografien eine Art Philosophie stecke? "Da ist auf jeden Fall nichts Künstliches oder Konstruiertes, die Bilder sind voll aus dem Leben gegriffen", so Liebler. Dabei sei in den abgebildeten Szenen "eine positive Grundstimmung enthalten, die Fotos wirken ansprechend". Und sie verzieren nun die kommenden Wochen, bis zum 14. April, noch die Räumlichkeiten in UdL. Im Übrigen können die Fotografien käuflich erworben werden, der Erlös kommt dem Lobbyrestaurant zugute, betonte Ingrid Liebler.

"Unter den Leuten" könne das Geld im Übrigen gut gebrauchen, wie Vorstandsmitglied Günter Klinger bei der Vernissage betonte: "Wir sind stolz, den Betrieb ganz ohne Personalkosten organisieren zu können." Doch ganz ohne Spenden funktioniere es denn doch nicht.

Mit insgesamt 25 aktiven ehrenamtlichen Mitarbeitern hat das Restaurant für den kleinen Geldbeutel jeden Werktag geöffnet, dabei leisten die Freiwilligen annähernd 5000 Arbeitsstunden pro Jahr. "Wenn man das in Geld umrechnen würde, käme dabei eine stattliche Summe zusammen", so Günter Klinger. Bei 25 bis 40 Mahlzeiten am Tag werden pro Jahr etwa 6000 Essen pro Jahr ausgegeben.