Eningen Miteinander reden, essen, spielen, feiern

Begegnungsfest: Mit farbigen Händen für ein friedliches Miteinander.
Begegnungsfest: Mit farbigen Händen für ein friedliches Miteinander. © Foto: Foto. Simon Wagner
Eningen / SIMON WAGNER 13.07.2016
Das Begegnungsfest vom Arbeitskreis Asyl und den Pfadfindern brachte Flüchtlinge und Eninger zusammen. Und das nicht nur kulinarisch.

Das schwäbische Kuchenbuffet gleich neben der großen Auswahl irakischer und syrischer Spezialitäten: Das Speisenangebot beim Begegnungsfest auf dem Gelände der katholischen Kirchengemeinde hatte durchaus Symbolwert. Zahlreich kamen am Sonntag Eninger und Asylbewerber auf der Pfarrwiese zusammen, um sich kennen zu lernen, miteinander ins Gespräch zu kommen, zu essen und gemeinsam einen fröhlichen Nachmittag zu verbringen.

Eingeladen hatte der Arbeitskreis Asyl um Martin Brauße und die St. Georgspfadfinder. Jedoch bewusst nicht zu einem Willkommensfest, sondern zu einem Fest der Begegnung. Schließlich leben die aus ihrer Heimat geflüchteten teils schon längere Zeit in der Achalmgemeinde. Wie etwa der 27-jährige Ahmad Hamshary, der vor einigen Monaten aus der syrischen Stadt Aleppo geflüchtet war.

Zusammen mit Eiad Alchayah verfasste er im Namen aller Neu-Eninger eine Rede, die Dr. Mekhail Fanous am Sonntag aus dem Arabischen übersetzte: „Wir kamen zu Ihnen aus dem mittleren und nahen Osten (…) nachdem unsere Zivilisation zerstört wurde und sich unser Paradies in die Hölle verwandelte.“ Dabei sei gerade Deutschland das beste Beispiel dafür, wie ein Land aus der Verwüstung wieder auferstehen könne. „Dieses große Deutschland hat uns mit offenen Armen aufgenommen und willkommen geheißen. (…) Im Namen der Flüchtlinge verspreche ich, dass wir die Gesetze einhalten und sie respektieren“, so Hamshary. „Danke für ihre aufrichtigen Herzen voller Liebe, die wertvoll für uns sind, da sie Angst und Schmerzen ausgelöscht haben. (…) Wir danken Deutschland, wir danken Eningen.“

Die blumig und opulent verfasst Rede nahm vorweg, was die Gäste im Festzelt erwartete. Dort hatten die Köche aus Syrien und dem Irak ein ebenso reichhaltiges Buffet mit Spezialitäten aus ihrer Heimat vorbereitet. Ermöglicht haben die reich gedeckten Tische auch die Betzinger Bäckerei Bosch, die Gärtnerei Hespeler aus Wannweil, wie auch das Betzinger Cateringunternehmen Preisser & Preisser, das seine Küchen für gemeinsame Kochnachmittage den Flüchtlingen auch sonst zur Verfügung stellt. Während sich die Betriebe mit Sachspenden beteiligten, war es Christoph Henties, der die Geldsorgen der Organisatoren mit einem Schlag beseitigte: Er steuerte 1000 Euro aus seiner Privatschatulle bei.

Die Gäste gingen dabei nicht nur auf kulinarische Entdeckungsreise. Anhand von Steckbriefen konnten verschiedene Biografien von Eningern und Migranten nachvollzogen werden. Wer wollte, verewigte sich mit seinem Handabdruck auf dem Erinnerungsbanner. Es gab landestypische Tänze, Musik von „Hanna‘s Herrlicher Band“, Spielangebote und vor allem die Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen. Beim Blick auf das bunte Treiben auf der Pfarrwiese zeigte sich Martin Brauße sichtlich zufrieden.

Er, der sich mit rund 100 Unterstützern und rund 40 Aktiven um die Alltagsintegration der Asylbewerber kümmert, hält die Arbeit des AK Asyl auch Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Landratsamt für „gut aufgestellt“. Momentan kümmert sich der AK um rund 150 Asylbewerber, die  in Eningen leben. Bewohner des Vallon-Gebäudes sind teilweise bereits im umgebauten Boardinghaus und im Wago-Areal im Mühleweg untergekommen. Dort einziehen werden in Kürze auch die neu ankommenden Familien. Geplant ist zudem, im Vallon-Gebäude eine Fahrradwerkstatt einzurichten. Freiwillige sind gesucht.

Info Weitere Informationen und Kontakt gibt’s unter www.arbeitskreis-asyl-eningen.de.

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