Es geht um eine der ältesten erhaltenen Häuserzeilen Süddeutschlands. Der Gemeinderat hat gestern Abend den Grundsatzbeschluss zur Sanierung der Gebäude Oberamteistraße 28-34 gefasst und dem vom Preisgericht favorisierten Anbau zugestimmt. Damit wurde auch die Arbeitsgemeinschaft Oberamteistraße, bestehend aus der Wulf Architekten GmbH Stuttgart und dem Ingenieurbüro Grau/Wurst/Wisotzki aus Bietigheim-Bissingen, beauftragt. Für die Durchführung der Planungen bis 2020 wurden 1,88 Millionen Euro freigegeben und außerdem der Errichtung einer Musterfassade, wie von der CDU vorgeschlagen, zugestimmt. Während bei diesen Beschlüssen Einhelligkeit herrschte, stimmte die CDU-Fraktion gegen die Stadt als Träger des Sanierungsvorhabens, eine Ratsmehrheit entschied sich allerdings dafür.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch betonte, es sei ein wichtiger Etappenschritt auf dem Weg zur Wiederherstellung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Wie mehrfach berichtet wird an der Ecke der Häuserzeile, wo 1972 das alte Steinhaus abgerissen wurde, ein Glasanbau erstellt. Dieser hat ausschließlich statische Funktion, um die alten Gebäude zu stützen. „In der Altstadt braucht es sehr viel Fingerspitzengefühl“, betonte Bosch.

Als einen spektakulären Entwurf bezeichnete Rainer Löffler (CDU) die preisgekrönten Planungen. Helmut Treutlein (SPD) ist davon überzeugt, dass dieses Museumskonzept Reutlingen eine herausragende Stellung geben wird. Jürgen Fuchs (FWV) erinnerte daran, dass es kein Museum werden soll, in dem Exponate ausgestellt werden, sondern es gehe um das Baudenkmal per se. Als „ganz wichtigen Schritt“ bezeichnete Gabriele Janz (Grüne) den nun gefassten Grundsatzbeschluss. Hagen Kluck (FDP) setzte sich ganz für eine städtische Trägerschaft ein. „Die Stadt hat die Verwahrlosung zu verantworten und muss sich jetzt auch darum kümmern.“ Ute Beckmann (WiR) sieht noch mehr Bedarf, die Bevölkerung mitzunehmen und aufzuklären.

Die historische Häuserzeile soll nach der Sanierung kein Museum werden, sondern vielmehr Zeugnisse der Wohnkultur und des Lebens der Menschen in einem Zeitraum von 700 Jahren geben. Die Erschließung erfolgt über den historisch gotischen Durchgang der Oberamteistraße 30. Er stellte einst eine Verbindung zum ehemaligen Klostergarten her. Die Räume werden in verschiedene Zeitepochen versetzt. Die unterschiedlichen historischen Epochen werden in den Räumen thematisiert. Auf diese Weise ergibt sich ein Spiegel der Stadtgeschichte. Der Neubau am Standort des einst abgerissenen Hauses ist ein reiner Funktionalbau aus gussgläsernen Biberschwänzen. Er stützt die historische Häuserzeile und präsentiert die alte Kelleranlage.

Häuserzeile aus dem 14. Jahrhundert


Die denkmalgeschützte Häuserzeile der Oberamteistraße 28-32 hat ihren Ursprung in der erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie zählt zu den ältesten erhaltenen Profanbauten Reutlingens und zu einer der ältesten erhaltenen Fachwerkhäuserzeilen Süddeutschlands. Dieser Bestand gibt Zeugnis über die städtebaulichen Entwicklungen sowie die Wohnkultur über einen Zeitraum von rund 700 Jahren.