Reutlingen Mit Sandpapier und Schreibmaschine

SUSANNE ECKSTEIN 27.03.2012
Unterhaltsames zum Mitmachen bot das Musica Varia Ensemble im Studio der Philharmonie, moderiert von Kontrabassist Günter Fischer.

Hin und wieder machen die Musiker der Württembergischen Philharmonie musikalische Ausflüge, sozusagen Urlaub vom Orchesterdienst. Am liebsten in kleinen Gruppen, fast solistisch. Im Gepäck: der gewohnte hohe Anspruch, allerdings ein wenig zurückgeschraubt, außerdem manch ungewohntes Zubehör, etwa zwei mechanische Schreibmaschinen sowie hölzerne Schlägel und Platten. Das Ziel dieses Mal: die heiteren Gefilde der leichten Konzertmusik aus den USA, wie sie dort Mitte des 20. Jahrhunderts von Leroy Anderson oder Henry Mancini komponiert wurde.

Man kennt die Melodien vom Hören, weniger jedoch Titel und Komponisten. Ihre Biographien wurden von Günter Fischer in seiner Moderation anschaulich vorgestellt, so dass auch die Jüngeren im Publikum etwas davon hatten. Darüber hinaus wurden diese - aber auch die Erwachsenen - ausdrücklich beim Musizieren mit einbezogen. Andersons "Sandpaper Ballett", "The Waltzing Cat", "The Typewriter" oder "The Syncopated Clock" eigneten sich bestens dafür: Da durfte man zum Sandpapier-Ballett mit Sandpapier rascheln, beim Katzen-Walzer mit miauen, die echten Schreibmaschinen klappern oder (mit den Holzschlägeln zur "Synkopierten Uhr") eine imaginäre Standuhr ticken lassen.

So aus dem Stand heraus birgt das ein gewisses Risiko, doch die kleinen und großen Solo-Gäste aus dem Publikum machten ihre Sache gut, im "Typewriter" diskret unterstützt durch die Cellistin, die mit dem Fuß taktfest die Klingel für das "Pling" des Wagenrücklaufs betätigte. Das kleine Streicherensemble und die Zuhörer hatten offensichtlich viel Spaß an der Sache, auch wenn der Klang im Vergleich zur gängigen Orchesterfassung (und ohne Schlagzeug) manchmal fast zu kammermusikalisch wirkte, mal eine Stimme nicht besetzt war oder die übliche Präzision nicht ganz erreicht wurde. Erstaunlich knackig kamen dabei die Bässe etwa im "Peter Gunn" - oder "Pink Panther"-Thema, quasi "unplugged" erzeugt von Cello und Kontrabass.

Als Konzertmeister und Stehgeiger bewährte sich Teruyoshi Shirata, er begeisterte durch swingendes wie beseeltes Spiel und brillante Virtuosität, mit der er vor allem in Andersons "Fiddle-Faddle" sein Können solistisch und gestisch mitreißend zur Geltung und das Publikum zum Jubeln brachte.

Zwei Zugaben wurden erklatscht und gewährt, bevor sich direkt ans Konzert die Einführung zur Ausstellungseröffnung anschloss - für Erwachsene durchaus von Interesse, für die Kinder jedoch eine Zumutung. Die Idee, Sonntagsmatineen als Familienkonzerte zu gestalten, ist hervorragend. Sie muss dann aber auch konsequent durchdacht und umgesetzt werden, und dies bis zum Konzertende.