Marcel Brods Beziehung zur Kunst ist ambivalent. Die Kunst ist für ihn einerseits seine Art, sich mit seiner Krankheit auseinander zu setzen. Andererseits ist die Krankheit Anlass, sich mit der Kunst zu beschäftigen. Im Interview mit Dieter Krug, Fachpraxislehrer bei der Körperbehindertenförderung Neckar-Alb (KBF), beschreibt der 20-jährige Brod während seiner Vernissage im Eninger Rathaus seine Motivation, Arbeitsweise und Schwierigkeiten, die er aufgrund seiner Erkrankung beim Malen zu überwinden hat.

Als Marcel Brod 13 Jahre alt war, begann er mit dem Malen. Seine Eltern entdeckten 2006 in Michael Roth seinen Mal-Mentor. Anfängliche Versuche mit Acryl scheiterten. Die Farbe trocknete zu schnell. In Öl fand Brod das richtige Medium für sich. Doch jede Bewegung kostet ihn Kraft. Er malt in kurzen Strichen. Seine Werke sind im Stile des Impressionismus und Expressionismus und erinnern teils an Van Gogh, zugleich sein Vorbild.

Die ausgestellten 20 Bilder geben einen Ausschnitt seiner Schaffenszeit. Kräftige Farben beispielsweise ziehen den Betrachter bei dem 2006 entstandenen "Kornblume und Weg" in den Bann. Das äußerst intensive Orange und Blau knallen regelrecht von der Leinwand. Erst aus der Ferne wirkt die abstrakte "Abenddämmerung" aus 2012, zart wirkt der "Nebelverhangene Gebirgszug" (2010). Beide Stile vereint Brod in seinem Werk "Dreamland". Sein Pinselstrich entscheidet über Ruhe oder Unruhe. Himmel sind seine Spezialität.

Inzwischen hat er sich neben dem figürlichen auch wieder an die Acrylmalerei gewagt. Dank seiner inzwischen gesammelten Erfahrung kann er nun mit den schnell trocknenden Farben besser umgehen. Er nutzt sie vor allem, wenn es darum geht, Ideen schnell festzuhalten.

Zu Hause arbeitet Brod, der gebürtig aus dem Nordschwarzwald stammt, mit einer Tischstaffelei. Den Tisch kann er mit dem Rollstuhl unterfahren und so seinen Arm für die Malbewegung aufstützen. Um in die oberen Bereiche der Leinwand zu gelangen, verstellt er entweder die Höhe des Rollstuhls oder nutzt Unterlagen, um seinen Arm höher abzustützen. So entstehen seine Werke in Linien.

In der Kunst, neben der Malerei auch die Fotografie und das Schreiben, kann er seine Gefühle ausleben, Freiheiten finden, die er in seiner Situation nicht hat, sich eine eigene Welt erschaffen. Unter der Woche absolviert der gebürtige Doldener eine kaufmännische Ausbildung bei der KBF. Die Wochenenden sind daher seine "Inseln der Entspannung und Kreativität". Was er gerne erreichen würde, fragt ihn Dieter Krug. Eine gewisse Bekanntheit würde er gerne zu Lebzeiten erreichen, zeigt er sich selbstbewusst. Ein Unbekannter, das ist er aber heute schon nicht mehr. Seit 2006 stellt er regelmäßig aus.

Musikalisch umrahmt haben Günter Herbig (Mandoline), Dieter Krug (Gitarre) und Günther Regenauer (Violine) die Vernissage mit fetzigem Irish Folk.

Info Die Ausstellung "Impressionen Expressionen" ist bis zum 6. September im Eninger Rathaus I zu sehen.