"Wir sind immer noch Kellerkinder", sagt Umweltberaterin Edith Willmann als Vorstandsmitglied des "Bunds für Umweltschutz (BfU)", der, 1974 gegründet, acht Jahre später dem BUND-Landesverband beitrat - und seitdem gleichzeitig BUND-Kreisverband ist. Den Vereinscharakter hat der BfU dabei behalten, was eine gewisse Unabhängigkeit von überregionalen Entscheidungen mit sich bringt. "Ich habe zehn Jahre gebraucht, bis ich all das verstanden habe", sagt Willmann und lacht.

Als "Kellerkinder" bezeichnen sich die engagierten Umweltschützer, weil sie über Jahrzehnte hinweg in der Lederstraße als einer der Hauptbetreiber des dort eingerichteten Naturschutzzentrums in Erscheinung traten. Über zehn Jahre hinweg wurde nach anderen Räumen gesucht, "beim Umzug 2006 mussten wir dann viele Materialien wegwerfen, weil die verschimmelt waren", sagt Rainer Blum als Vorsitzender des Reutlinger BfU und BUND-Kreisverbands. Wirklich trocken ist es in den Kellerräumen in der Weingärtnerstraße aber auch nicht - obwohl im Lagerraum extra eine Lüftung eingebaut wurde.

Die nicht gerade optimalen Umstände halten die Umweltschützer aber nicht davon ab, ihre Arbeit (rein ehrenamtlich) engagiert und voller Enthusiasmus stetig weiterzutreiben. Wie etwa den Kampf für die immer noch fehlende Stadtbahn und die Ortsumfahrung Ohmenhausen. Oder auch für die Luftreinhaltung in Reutlingen. Das alles sind schon seit Jahrzehnten "Dauerbrenner", wie Margit Geyer hervorhebt. Die "Grande Dame" der Reutlinger Umweltschützer ist schon seit 36 Jahren mit dabei - und so aktiv wie ehedem. Bei der Luftreinhaltung hat die Stadt nun vom Verwaltungsgericht Sigmaringen eine deutliche Quittung erhalten (wir berichteten): Per Urteil werden Regierungspräsidium und Stadtverwaltung verdonnert, nun endlich etwas gegen die stetige Überschreitung der Luftschadstoffe vor allem in der Lederstraße zu tun.

Ob das wirklich passieren wird? "In der Arbeit für den Schutz der Umwelt braucht man einen langen Atem", sagt Edith Willmann. Und willkommen waren und sind die ständigen Mahner nicht gerade: "Immerhin sind wir aus der Schmuddelecke herausgekommen und heute nicht mehr die Feinde der öffentlichen Verwaltung wie früher", sagt Rainer Blum. "Als tatsächliche Partner werden wir aber auch heute nicht behandelt, wir sind akzeptiert, werden aber kleingehalten." Einige Beispiele führt er an, wie bei der laut EU-Gesetzgebung heute möglichen Einforderung von Umweltdaten: "Wir hatten Daten zum Verkehrskonzept der Stadt beantragt, wurden über Monate hinweg hingehalten und erfuhren lange Zeit gar nichts."

Ein schlüssiges und "äußerst fortschrittliches Verkehrskonzept" für die Stadt Reutlingen hatte Erich Jakobi schon 1987 als damaliger Vorsitzender des "Bunds für Umweltschutz" vorgelegt. Aber: Seitdem habe sich kaum was verändert, "auch heute noch setzt man unter der Achalm nur aufs Auto und sonst auf nichts", betont Umweltberaterin Willmann. Diese Entscheidung der Stadt führe nicht nur zu der viel kritisierten Feinstaubbelastung, sondern auch dazu, "dass man hier als Radfahrer kein Mensch ist". In anderen Städten würden die Interessen und die Sicherheit der Radler deutlich mehr berücksichtigt.

Neben den Dauerbrennern und nicht erledigten Themen beim Kampf für den Umweltschutz kann sich der BfU/BUND-Kreisverband dennoch zahlreiche Erfolge ans Revers heften. Wie etwa das verhinderte Atomkraftwerk in Mittelstadt, das ja in den 70er Jahren eine reale Bedrohung darstellte. "Das war ja einer der Gründe für die Bildung des BfU", erinnert Geyer. Gleiches gelte im Übrigen für den geplanten Großflughafen im Schönbuch, aus dem bekanntlich dann ein Naturpark wurde. Weitere positive Ergebnisse: Die Erms- und die Ammertalbahn, die beide auf Initiativen des BfU/BUND zurückgehen. "Das wird heute immer wieder vergessen", so Margit Geyer.

Über viele weitere Erfolge können sich die Reutlinger Umweltschützer freuen wie etwa das Apfelsaftprojekt "Feines von Reutlinger Streuobstwiesen" oder die erste Bürger-Solarstromanlage auf dem Listhof sowie zahlreiche verhinderte Großprojekte wie eine Autobahn bei Rommelsbach oder die "Maienwaldtrasse" und die Hochspannungsleitung über die Achalm. Doch der Kampf gegen die Flächenversiegelung etwa oder für den Klimaschutz erfordert immer weiter die Aufmerksamkeit und das Engagement der aktiven Umweltschützer. Von anderen Schwerpunkten der BfU/BUND-Arbeit ganz zu schweigen, wie das Ozonloch, Abfallvermeidung, Nachwuchs- und Kooperationsarbeit mit anderen Naturschutzverbänden oder der immerwährende sehr kritische Blick auf Verwaltungsvorhaben und Verwaltungsentscheidungen.

So kann das Fazit der Umweltschützer nur heißen: "40 Jahre sind nicht genug - Umwelt und Naturschutz brauchen einen ganz langen Atem", so Rainer Blum.

40 Jahre BfU wird gefeiert

Am kommenden Freitag, 7. November, wird ab 19 Uhr im Spitalhofsaal der 40. Geburtstag des Reutlinger "Bunds für Umweltschutz" (BfU) gefeiert. Neben einigen Grußworten und einem Rückblick auf die vier Jahrzehnte des unermüdlichen Kampfs für Natur und Umwelt spielt Heiner Kondschak zusammen mit Bernhard Mohl und Jonathan Grey "befreundete Lieder".

NOL