Reutlingen Mit Entwicklung nur bedingt zufrieden

Gerhard Schorr (rechts) verabschiedet Josef Schuler, der im Juni in den Ruhestand tritt.
Gerhard Schorr (rechts) verabschiedet Josef Schuler, der im Juni in den Ruhestand tritt. © Foto: Jürgen Spieß
Reutlingen / Von Jürgen Spieß 16.05.2018

Die Rahmenbedingungen zum erfolgreichen Betreiben des Bankgeschäftes werden zusehends schwieriger“: So lautete am Montagabend das Fazit des im Juni ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden Josef Schuler bei der Vertreterversammlung der Volksbank Reutlingen am Montagabend in der Stadthalle. In seiner Rede stimmte er die 144 Stimmberechtigten auf härtere Zeiten ein.

Zu den belastenden Faktoren gehören das niedrige Zinsniveau und die Tendenz, dass Anlagen auf dem Kapitalmarkt selbst bei längeren Laufzeiten kaum noch Erträge abwerfen. Dazu trage die Politik der Europäischen Zentralbank erheblich bei. Als einzige vernünftige Zinsertragsquelle verbleibe das Kreditgeschäft, sagte Schuler, „aber auch dieses Feld wird schwieriger“. Zudem wies der Vorstandsvorsitzende darauf hin, dass der Wettbewerb um jede einzelne Finanzierung nochmals deutlich zugenommen habe, „und dieser weiter zulasten der Margen geht“.

Die Volksbank Reutlingen sei zwar gut aufgestellt, wirtschaftlich betrachtet noch gesund und strategisch positioniert, um die naheliegenden Herausforderungen erfolgreich zu meistern, „ob dies aber auch für die weitere Zukunft ausreicht, bleibt fraglich“, sagte Schuler. Auch mit der Entwicklung der Kundenvolumina und der Ertragssituation des Geschäftsjahres 2017 ist der Vorstandsvorsitzende „nur bedingt zufrieden“. Bei den zur Verfügung gestellten Krediten hat die Bank zwar einen Anstieg um zwei Prozent oder 24,8 Millionen Euro erreicht, dies liege aber „deutlich unter unserem geplanten Wachstum von vier Prozent“, sagte Schuler.

Das gesamte von der Volksbank betreute Kundenkredit- und Kundenanlagenvolumen stieg im Jahr 2017 um 126 Millionen Euro auf 3,065 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,939 Milliarden Euro). Dabei beinhalte der Kreditbestand in etwa 60 Prozent private Finanzierungen und etwa 40 Prozent gewerbliche. Der Zinsüberschuss war im Vergleich zum Vorjahr (24,5 Mio. Euro) etwa gleichbleibend und lag im Jahr 2017 bei 24,7 Millionen Euro.

Erfreulich sei, dass die Bank bei den Kundeneinlagen „trotz der unsäglichen Diskussion und gerichtlichen Auseinandersetzung um mögliche Negativzinsen, einen deutlich über unserem Planwert liegenden Zuwachs erreicht hat.“ Bei den von der Bank vermittelten und an Verbundpartner weitergeleiteten Anlagen betrug die Steigerung rund 100 Millionen Euro, das entspricht 5,6 Prozent. Auch das Interbankengeschäft ist um 38,1 Millionen Euro (13,2 Prozent) höher als im Vorjahr, und die Bilanzsumme als Ganzes hat sich auf 1,37 Milliarden Euro erhöht.

Während der Zinsüberschuss in etwa auf dem Vorjahresniveau gehalten werden konnte und die Provisionserträge leicht stiegen, sind die sonstigen betrieblichen Erträge leicht zurückgegangen, was zu einem leicht reduzierten operativen Ergebnis von 39,7 Millionen Euro führte. Leicht erhöht hat sich das Eigenkapital, das einschließlich Gewinnverwendung 69,9 Millionen Euro (2016: 69,5 Millionen Euro) beträgt. Somit verbleibt ein Jahresüberschuss von 1,88 Millionen Euro. Das sei ein Jahresergebnis, das eine Dividendenzahlung wie im vergangenen Jahr von drei Prozent und eine angemessene Kapitalstärkung erlaube.

Wichtig für eine Genossenschaftsbank ist auch der Blick auf die Zahl der Mitglieder: Deren Bestand sank von 30 724 auf 29 307 Mitglieder, was auch darauf zurückzuführen ist, dass 717 Mitgliedern wegen geringer Geschäftstätigkeit gekündigt wurde.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Jörg Berner ging auf die zunächst auf Eis gelegten Sondierungsgespräche über eine Fusion mit der Vereinigten Volksbank eG Sindelfingen und die gerichtliche Auseinandersetzung über die Veröffentlichung von Negativzinsen ein. Im Anschluss wurden in offener Abstimmung die Dividendenhöhe (Auszahlung am 17. Mai) einstimmig angenommen und Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats entlastet. Während Nicolette Amhoff und Jörg Berner in ihren Ämtern einstimmig bestätigt wurden, verlassen die langjährigen Aufsichtsratsmitglieder Edmund Sautter und Ursula Sommer das Gremium der Genossenschaftsbank.

Zum Abschluss verabschiedeten Berner und Gerhard Schorr, Verbandsdirektor des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, Josef Schuler, der im Juni in den Ruhestand geht.

1,88

Millionen Euro beträgt der Jahresüberschuss, den die Volksbank Reutlingen trotz zunehmend schwieriger Rahmenbedingungen im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftet hat.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel