Reutlingen Mit dem Rad in die Zukunft

Kreis Reutlingen / Von Ralph Bausinger 11.10.2018

Die Zielsetzung ist klar: „Wir setzen uns dafür ein, dass das Fahrrad als vollwertiger Verkehrsträger anerkannt wird“, unterstrich Grünen-Kreisrat Rainer Buck gestern beim Pressegespräch. Und: „Es tut den Autofahrern gut zu sehen, dass ihnen die Straße nicht allein gehört“, ergänzte seine Fraktionskollegin Cindy Holmberg. Gemeinsam mit Hans Gampe stellten sie die Broschüre „Radwegenetzkonzept 2025.  Grüne Schritte zu besseren Radwegen im Landkreis“ vor.

Ein Anlass für den Vorstoß der Grünen ist, dass der Kreis 2020 sein Radwegenetzkonzept bis zum Jahr 2025 fortschreiben wird. In den folgenden eineinhalb bis zwei Jahren werden die Kriterien dafür erarbeitet. Und hier wollen die Grünen Einfluss nehmen. Erstmals werden darin auch die sogenannten Radschnellwege erscheinen, die nach Überzeugung der Grünen nur einen „Baustein in einem hochwertigen regionalen Radverkehrsnetz“ spielen können. Im Mittelpunkt der Planungen müssten, schreibt Cindy Holmberg in der Broschüre, der „Netzgedanke und der Ausbau eines alltagstauglichen, stadtregionalen und hierarchisch gestuften Radverkehrsnetzes“ stehen. Deshalb hätten die Grünen wieder einen Radweg zwischen Eningen und Metzingen ins Spiel gebracht.

Um die Radler aus ihrem „Nischendasein“ (Buck) zu holen, werden die Grünen drei Anträge für den Kreishaushalt 2019 einbringen. Als Erstes fordern sie, 70 000 Euro für einen Radwegeplaner in den Etat einzustellen. Die bisher vorhandene halbe Stelle in der Straßenmeisterei reiche zwar aus, sagte Holmberg, um Daten zu sammeln oder nach Fördermitteln zu schauen. Sie reiche aber keineswegs für die Planung oder Konzeption von Radwegen aus, begründet die Grünen-Kreisrätin den Vorstoß. Aus Sicht der Grünen ist es wichtig, dass der Kreis seine Radwege selbst plant. Ein eigener Planer böte den Vorteil, vorausschauend Pläne für konkrete Vorhaben zu entwickeln, was die Chance auf Förderung deutlich erhöhen würde.

Mit 500 000 Euro soll im kommenden Jahr, so ein weiterer Antrag, Instandhaltung und Ausbau des Radwegenetzes vorangebracht werden. Geht es nach den Grünen, soll der Kreis diesen Betrag jährlich ab 2020 in die mittelfristige Finanzplanung einstellen. Der dritte Antrag zu diesem Themenkomplex sieht vor, dass der Landkreis der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg beitritt – der Mitgliedsbeitrag beträgt 4000 Euro. „Wir brauchen eine bessere Vernetzung mit anderen Landkreisen. Mit dem Beitritt erhalten wir einen kurzfristigen und kostengünstigen Zugang zu erhöhtem Wissen“, betonte Kreisrat Hans Gampe.

Neben den drei Anträgen zum Haushalt warten die Grünen mit weiteren Vorschlägen auf, wie der Radverkehr im Kreis gestärkt werden könnte. So sollen unter anderem Radwege immer dort, wo dies möglich ist, nicht auf der Straße verlaufen. Stattdessen sollten alternative Routen gesucht werden. Zudem regen die Grünen an, der Kreis solle ein Konzept für die regelmäßige Mitnahme von Fahrrädern in den Bussen erstellen. Auch wünschen sie sich eine Konzeption für einen Ausbau der E-Bike-Infrastruktur mit Ladestationen, Leihrädern und Abstellplätzen.

Info Die Broschüre kann demnächst unter www.gruene-rt.de abgerufen werden.

Radwegenetz im Kreis Reutlingen

Im Jahr 2002 hat der Landkreis sein erstes Radwegenetzkonzept erarbeitet, das in den Jahren 2010 und 2015 fortgeschrieben wurde. Von 2002 bis 2015 wurden insgesamt 10,2 Kilometer neue Radwege gebaut, bis 2020 sollen weitere 3,7 Kilometer hinzukommen. Nach  Einschätzung von Bündnis 90/Die Grünen „ist das deutlich zu wenig“, wie Cindy Holmberg betonte.

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