"Was wir tun, entspricht exakt dem gesetzlichen Auftrag. Dieser verlangt auch Angebote im Gesundheits- und Bewegungsbereich, und diese Angebote gibt es bei der VHS Reutlingen seit Jahrzehnten", konterte Bausch die Vorwürfe, die beim Runden Tisch des Sports der Arbeitsgemeinschaft Reutlinger Sportvereine (ARS) erhoben worden waren. In diesen Bereich fallen auch Kurse für körperliche Fitness, Angebote für Schwangere und Kinder. "Wir bieten keine Sportarten an, sondern Bewegungsangebote der ganzheitlichen Gesundheitsbildung", sagte der VHS-Geschäftsführer.

Unter diesem Begriff ließen sich, so Bausch, auch Kurse zur Selbstverteidigung, Yoga, Lauftraining oder Aquagymnastik subsummieren. Der Deutsche Volkshochschulverband habe eine Liste von Programmangeboten erarbeitet, die zur Gesundheitsbildung an Volkshochschulen zählten und deshalb auch vom Gesetzgeber finanziell unterstützt wurden.

"Gesundheitsbildung ohne Bewegungsangebote ist nicht denkbar und wäre auch nicht sinnvoll", ergänzte Petra Starke, die seit 25 Jahren den Fachbereich Gesundheitsbildung bei der VHS Reutlingen leitet. Und Ulrich Vöhringer, der seit 1984 an der Spitze der VHS Pfullingen steht, erinnerte daran, wie die Volkshochschulen Mitte der 1980er Jahre als Erste Angebote zu Gesundheitsthemen wie Rückengymnastik aufgegriffen hätten. "Wir haben diese Themen in die Breite der Gesellschaft getragen", betonte der Pfullinger VHS-Chef.

Seit drei bis fünf Jahren drängten Sportvereine verstärkt in diesen Bereich vor und übernähmen Angebote, die von der VHS entwickelt wurden, hat Petra Starke beobachtet. "Es kann nicht sein, dass die Vereine unsere Angebote imitieren und sich dann über uns beschweren", machte Bausch seine Sicht der Dinge klar.

Es sei zwar richtig, dass die VHS Reutlingen vereinzelt auch Kinderkurse im Angebot habe - wie Kinderturnen in Wannweil oder -schwimmen in Ohmenhausen und St. Johann, räumte Bausch ein. Hier sei die VHS aber jedes Mal "dezidiert" angefragt worden, gerade auch weil Vereine diese Grundversorgung nicht offerieren konnten. Zudem seien - ebenfalls auf Wunsch der Vereine - Schnupperkurse zu Aikido oder auch Golf ins Programm aufgenommen worden, damit sich Bürger unverbindlich ein Bild von diesem Sport verschaffen konnten. Damit habe die VHS nicht nur ihren Bildungsauftrag erfüllt, sondern auch Werbung für "den Verein" gemacht. "Hätten die Herren uns angerufen, hätten wir ihnen das erklärt", sagte Bausch.

Vor über 30 Jahren hatten der Landessportbund und der Volkshochschulverband Baden-Württemberg eine Vereinbarung abgeschlossen, in der festgeschrieben ist, dass Gesundheitsbildung und Gymnastik ins Tätigkeitsfeld der Volkshochschule gehören. Zudem regelte die Vereinbarung, dass Sportvereine auf Dauer angelegte Angebote für ihre Mitglieder machen, während zeitlich befristete Kurse zum Kern der Volkshochschulen zählen.

Mit Verwunderung reagierte Bausch daher auf die am Dienstagabend beim Runden Tisch getroffene Behauptung, diese Vereinbarung sei im Oktober 2015 gekündigt worden, weil sich die Volkshochschulen nicht daran gehalten hätten. Bis heute hätten die Sportverbände, so Bausch, nicht erklärt, warum sie die Vereinbarung gekündigt hätten. Außerdem hätten sich noch nie Sportvereine aus Reutlingen mit einer Beschwerde gegen die Volkshochschule an die dafür eigens eingerichtete Clearingstelle gewandt. Den wahren Grund für die Kündigung sieht Bausch in einem Eckpapier des Landessportbundes, das der VHS-Verband abgelehnt hat (siehe Kommentar).

"Wir haben in der Reutlinger Kulturlandschaft viel erreicht, weil wir gemeinsam an einem Strang gezogen haben", sagte der Reutlinger VHS-Chef. Er bedauerte, dass die Sportfunktionäre nicht zuerst das Gespräch mit der Volkshochschule gesucht hätten. "Das hätte allen Zeit und Ärger erspart."