Die Situation in Pfullingen scheint nach und nach außer Kontrolle zu geraten. Eine Stellungnahme jagt die nächste, erst wurde Bürgermeister Michael Schrenk von den Stadträten ins Gebet genommen, dann hat er seinerseits ein Statement abgegeben, in dem er seinem Vorgänger Rudolf Heß Versäumnisse anlastet. Der wiederum hat die Dinge in einem Interview mit unserer Zeitung aus seiner Sicht zurechtgerückt und zwischen alledem haben sich CDU-Sprecher Gert Klaiber und Ex-FWV-Fraktionsvorsitzender Dr. Ulrich Zimmermann über Schrenks Äußerungen echauffiert. Entstanden ist ein ungutes Konflikt-Konglomerat, das nun in einer Mediation münden und aufgelöst werden soll. Um den Entspannungs-Prozess zu befördern, hat sich jetzt auch der stellvertretende Bürgermeister und UWV-Sprecher Martin Fink gegenüber unserer Zeitung zur Lage in Pfullingen geäußert.

„Leider haben verschiedene Stellungnahmen in den vergangenen Tagen und Wochen von Mitgliedern des Pfullinger Gemeinderatsgremiums die ohnehin bereits sehr angespannte und ernste Situation in unserer Stadt weiter eskalieren lassen“, erklärt Fink. Und weiter heißt es in seinem Aufruf: „Ich bitte daher alle direkt Beteiligten, das heißt Stadträtinnen und Stadträte und den Bürgermeister als Mitglied des Gemeinderates in dieser Hinsicht um äußerste Zurückhaltung, damit die von Landrat Thomas Reumann angebotene Begleitung und Unterstützung von außen durch das Landratsamt Reutlingen sowie auch die Mediation von neutraler Stelle die Situation in Pfullingen wieder dahingehend verbessern können, dass Bürgermeister und Gemeinderat wieder zu einer lösungs- und sachorientierten Arbeitsweise zurückkehren können, welche von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.“ Dies, so Fink, müsse oberstes Ziel aller Beteiligten im Sinne und zum Wohl der Stadt sein.

Der stellvertretende Bürgermeister verweist auch auf die Stellungnahme des Landkreises in der vergangenen Woche. Der, so Fink, könne er sich voll und ganz anschließen. Von einem konstruktiven Gesprächsverlauf  war dort die Rede und von einem offenen  Austausch aller Fragen und Positionen. Das Gespräch hatten Michael Schrenk und Martin Fink mit Landrat Thomas Reumann geführt, „der die Beteiligten auf dem eingeschlagenen Weg unterstützt“. Gedacht ist aber auch an einen Mediator von außen, der die Gespräche zwischen Bürgermeister und Stadträten moderiert und anleitet.  Als Mediator vorgeschlagen wurde Dr. Jörg Schmidt, der ehemalige Tübinger Regierungspräsident. Er arbeitet mittlerweile als Schlichter und hat wohl sein Interesse bekundet.

Derzeit, so Fink, sei man „gerade am Ausloten“ wie und wann die Mediation laufen solle. Wobei der stellvertretende Bürgermeister eines klar stellt: „Für so einen Vorgang braucht man eine gewisse Zeit. So etwas ist nicht in zwei oder drei Wochen erledigt“. Der UWV-Sprecher, der beruflich als Personalberater unterwegs ist, kennt sich mit Schlichtungen in Unternehmen aus und weiß, „dass sie sehr positiv enden können“. Fink selbst legt Wert darauf, dass er in Pfullingen als neutrale Person gesehen wird. „Das muss ich als Stellvertreter des Bürgermeisters ja sein“, betont er und nennt das, was da jetzt auf die Pfullinger zukommt „22-plus-eins-Gespräche“. Was nichts anderes bedeutet, als dass 22 Stadträte und ein Bürgermeister bei der Mediation an einem Tisch sitzen werden – so denn alle Beteiligten bereit sind, an der Schlichtung teilzunehmen. Was einerseits das Engagement aller erfordert, andererseits auch terminlich nicht leicht hinzubekommen sein dürfte. Vor allem emotionale Aspekte müssten die Teilnehmer der Mediation zurückstellen, um letztlich zu einem sach- und lösungsorientierten Arbeiten zurückkehren zu können. „Persönliche Empfindsamkeiten haben bei solchen Gesprächen keinen Platz“, weiß Fink und hofft, dass alle 23 Personen auch tatsächlich an der Mediation teilnehmen, für die unter anderem auch die Regeln der Gemeindeordnung den Rahmen vorgeben. Zwingen, bei der Schlichtung mitzumachen, könne man freilich niemanden, aber falls sie zustande kommen sollte, „hat sie den Charme, dass sie ein sehr gutes Mittel ist, um zum Ziel zu kommen“. Normalerweise seien es sehr erfahrene Leute, die einen solchen Prozess begleiten, sagt Fink mit Blick auf den ehemaligen Regierungspräsidenten, aber auch andere mögliche Schlichter. Was er aber schon jetzt ahnt: „Es wird wohl ein langer und steiniger Weg.“