Hans Haußmann konnte mit der Faust auf den Tisch schlagen, konnte laut werden und war bekannt dafür, seine Interessen sehr klar und sehr direkt zu formulieren. Er polarisierte. Er war nicht bei allen beliebt, aber überall geachtet. 1931 in Ulm geboren, engagierte er sich nach seiner Lehre als Werkzeugmacher im Arbeitersamariterbund (ASB), stieg auf bis zum Bundesjugendsekretär, zog deswegen nach Hannover. Dort trat er in die SPD ein und wurde gefragt, ob er nicht Volkshochschulleiter in Wolfenbüttel werden wolle, einer kleinen VHS mit wenigen Außenstellen und einem tristen Kellerbüro. In kürzester Zeit baute er die VHS aus, hatte 13 Mitarbeiter und über 30 Außenstellen.

Nach knapp sieben Jahren zog es ihn wieder in den Süden. Reutlingen suchte einen Nachfolger für VHS-Leiter Hans Wilhelm Zeller, Haußmann wurde es und wieder startete er 1970 beengt mit zu wenig Personal. Im Volksbildungshaus im Spitalhof gab es nicht einmal eine Toilette und nur zwei Unterrichtsräume. Haußmann ließ das Dachgeschoss ausbauen, startete die Abendhauptschule, veröffentlichte ein Programm als Zeitungsbeilage und steigerte das Angebot. 1972 stellte die Stadt der VHS die Gartentorschule zur Verfügung, doch auch diese erwies sich schnell als zu klein. Sechs Jahre später beschloss der Gemeinderat – dem Haußmann für die SPD lange Jahre auch angehörte – den Bau der „Kulturmeile“ mit Stadtbibliothek, Kunstmuseum und VHS. Eine Bürgerinitiative sprach von „Kahlschlagsanierung“ und setzte den ersten Bürgerentscheid im Land durch. Die Mehrheit votierte gegen den Neubau, doch das Quorum von 30 Prozent wurde nicht erreicht.

Das Haus der VHS in der Spendhausstraße ist Haußmanns Werk. Er hatte es durchgesetzt und persönlich in die Arbeit der Architekten eingegriffen. Der Turm im Haus, Aufenthaltsraum und Ausstellungsfläche, wurde von ihm konzipiert. Heute gilt das vielfach ausgezeichnete Gebäude immer noch als „Vorzeige-VHS“ und Maßstab für optimale Lernatmosphäre.

Hans Haußmann wollte für das Unternehmen eine zeitgemäße Rechtsform. Sein Ziel, die Musikschule und die VHS in eine GmbH zu überführen, war sehr umstritten. Wieder setzte er sich gegen alle Widerstände durch und schuf eine Struktur, die weiteres Wachstum ermöglichte.

Wenn Reutlingens VHS heute pro tausend Einwohner mehr Unterrichtseinheiten verkauft als jede andere deutsche VHS, dann verdankt sie dies  den Strukturen, die Haußmann geschaffen hat. Er hatte einen klaren Kompass,  wollte Bildung für alle, ohne Zugangsschranken. Er verfügte über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, viel Humor und einen klugen Instinkt für das politisch Machbare. Einfach war er nicht. Er hatte Ecken und Kanten. Eine Persönlichkeit mit Profil, von denen es viel zu wenige gibt.