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Unwetter
Pfullingen/Reutlingen / dpa/lyn  Uhr
Nach starkem Regen in der Nacht von Freitag, 24. Juni, auf Samstag, 25. Juni, waren die Feuerwehren der Region im Großeinsatz. Keller und Tiefgaragen wurden überflutet. Das Wasser stand mehr als einen halben Meter hoch.
 Erneut sind sonst harmlose Bäche im Südwesten nach Starkregen angeschwollen und haben schwere Schäden angerichtet. Das Unwetter in der Nacht zum Samstag hat in Pfullingen einen Millionen-Schaden angerichtet. Die Feuerwehren mussten fast 300 Einsätze fahren. 261 Einsatzkräfte aus Reutlingen, Engstingen, Pliezhausen, Waldorf-Häslach, Dettingen, Metzingen, Bad Urach, Ohnastetten, Riederich, Sonnenbühl,. Lichtenstein, Tübingen und Mössingen waren den Pfullingern zur Hilfe gekommen. Unterunterbrochen waren die Feuerwehren im Einsatz, um überflutete Keller und Tiefgaragen abzupumpen, weggespülte Fahrzeuge zu bergen und einen Kellerbrand zu löschen. In kurzer Zeit waren wegen Starkregen zwei Bäche über die Ufer getreten und hatten Teile der Stadt überflutet. Hinzu kam ein Hagelsturm.

„Es sieht verheerend aus im Stadtgebiet“, sagte Bürgermeister Michael Schrenk in der Nacht. Besonders öffentliche Gebäude wie Sporthallen und ein Museum seien betroffen. „Es sind großflächig große Schäden entstanden.“ Viele Menschen würden erst jetzt am Morgen sehen, was die zu Strömen angeschwollenen Echaz und der Eierbach angerichtet haben.

Menschen kamen aber in Pfullingen nicht zu Schaden, wie Dietmar All, Kommandant der Feuerwehr Pfullingen berichtete. Allerdings seien fünf Personen im Obergeschoss eines Gebäudes eingeschlossen gewesen, die sich wegen der Gefahr eines Stromstoßes nicht mehr hinaus getraut hätten. Eine Person saß zwei Stunden lang im Aufzug fest. Im Einsatz waren 261 Feuerwehrleute auch aus Nachbarkommunen mit 42 Fahrzeugen.

Nach Auskunft der Feuerwehr waren die Folgen gravierender als die des Unwetters im Jahr 2013. „Eigentlich sind das ruhige Bäche, am Freitagabend war das Wasser allerdings zwei Meter höher als normal“, berichtete ein Sprecher. Fast im Minutentakt gingen Notrufe ein.

Dass kübelartige Regenfälle Rinnsale wie den Eierbach so schnell ansteigen lassen, bezeichnete Zugführer Michael Schön als „brutales Phänomen“. Das sollte eigentlich nur alle 50 Jahre vorkommen. „Die 50 Jahre werden sehr kurz in der Zwischenzeit. Noch den gesamten Samstag liefen die Aufräumarbeiten. Bürgermeister Michael Schrenk fordert nun Hilfe vom Land ein. "Allein," sagt er mit Blick auf die Schäden an öffentlichen Einrichtungen, "werden wir das nicht schaffen".

Wie die Stadt Reutlingen und die Feuerwehr mitteilen, konnte in Reutlingen durch den heftigen Starkregen das Oberflächenwasser nicht so schnell abfließen. In der Folge schwoll die Echaz an vielen Stellen innerhalb des Stadtgebiets in kürzester Zeit an und trat großflächig über die Ufer. Betroffen waren schwerpunktmäßig der Stadtteil Betzingen und Gebäude in der Lederstraße entlang der Echaz. In der Ortsmitte von Betzingen stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch. Zahlreiche Keller und Tiefgaragen wurden überflutet.
Das Seniorenzentrum der BruderhausDiakonie in Betzingen war komplett von der Echaz umspült. Sicherheitshalber wurden die Senioren ins Obergeschoss der Einrichtung verlegt und dort vor Ort betreut. Ebenso stand das Feuerwehrhaus in Betzingen unter Wasser.

Die Echaz trat auch entlang der Lederstraße über die Ufer. Durch die heftigen und schnellen Niederschläge wurde ein Gebäude vom Hochwasser so schnell umschlossen, dass die Bewohner das Gebäude nicht mehr rechtzeitig verlassen konnten. Die Feuerwehr rettete sieben Personen über eine Drehleiter. Eine Wohnung im Untergeschoss eines Gebäudes war mit Wasser vollgelaufen. Da die Bewohner nicht bei Freunden und Bekannten unterkommen konnten, wurden diese von der Stadt untergebracht.

Im Parkhaus Lederstraße stand das Wasser hüfthoch. Mehrere Fahrzeuge wurden durch die Fluten beschädigt. Zahlreiche Brücken entlang der Echaz wurden überflutet und wurden vorsichtshalber gesperrt.
 Es konnten sieben Personen und ein Hund vor den Fluten gerettet werden.

Die Feuerwehr Reutlingen musste neben dem Hochwassereinsatz auch den Brandschutz in der Stadt sicherstellen. Um 22.15Uhr wurde die Feuerwehr über einen Blitzeinschlag mit Brandfolge informiert, der sich jedoch glücklicherweise als Fehlalarm herausstellte.

Im Stadtgebiet Reutlingen waren 300 Einsatzkräfte mit Unwettereinsätzen beschäftigt. Die Reutlinger Wehr unterstützte auch die Feuerwehr Pfullingen. Unterstützt wurde die Feuerwehr von Kräften des THW, der Polizei und des DLRG. Die Technischen Betriebsdienste und die Stadtentwässerung Reutlingen waren ebenfalls vor Ort.
Der Verwaltungsstab der Stadt Reutlingen unter Leitung von Bürgermeister Alexander Kreher wurde alarmiert. Die Verwaltungsspitze informierte sich persönlich über die Lage. Insgesamt mussten bis 5 Uhr morgens 110 Einsatzstellen bearbeitet werden.