Pfullingen Migranten, Mäzene, Mieder

Pfullingen / JÜRGEN HERDIN 23.05.2016
"Wer hätte gedacht, dass...?": Der Museumstag lockte Besucher, die auch einmal abseits ausgetretener Pfade noch Unbekanntes erfahren durften.

Wer wusste schon, dass die weithin bekannten Pfullinger Hallen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut, "nur" 200 000 Reichsmark kosteten? Und das finanziert vom Mäzen Louis Laiblin (1871 bis 1926), der nie einer Arbeit zum Gelderwerb nachgehen musste, sondern einfach nur "Sohn" war.

Und dass die Stadt Pfullingen zwar im Besitz der Laiblin-Villa ist, aber im Falle von Renovierungsarbeiten finanziell fast unüberwindbare Hürden des Denkmalschutzes vor sich haben würde, darüber informierte Stadtführer Martin Fink sein Publikum ebenso.

Und vieles mehr, das so nirgends geschrieben steht, was natürlich eine Art Dankeschön für Besucher ist, die eben nicht nur durchspazieren wollen, sondern als aufmerksame Zuhörer eben einfach mehr erfahren wollen.

Und Felicitas Vogel, die Leiterin der Neske-Bibliothek, stellte den Verleger Günther Neske (1913 bis 1997) gewissermaßen gleich zweimal vor. Da ist zum einen gleich nebenan in der Klosterkirche die Sonderschau "Kosmos Pfullinger Kloster" - Das Pfullinger Kloster im 20. Jahrhundert als Ort des Geistes, der Poesie und der weltweiten Kontakte des Verlegers.

In der Bibliothek sieht man dann Günther Neske unter anderem zusammen mit illustren Größen der Literatur, die sich in Liegestühlen vor dem Sprechgitter im Klostergarten räkeln. Kaum jemand weiß indes, dass es auch den "Beinahe-Neske" gab. Um ein Haar hätte der 1958 Grass' "Blechtrommel" verlegen dürfen, oder "das Prinzip Hoffnung" von Ernst Bloch.

Der Andrang am Museumstag hielt sich in Grenzen, denn gestern herrschte noch schönes Wetter, das für gewöhnlich keine Menschenmassen in die Museen lockt. Gleichwohl hatten die Schauräume der Stadt eine Menge zu bieten, vor allem auch gab's Dinge zum Staunen. Je kleiner die Gruppen, umso mehr kann bekanntlich auch auf die Besucher eingegangen werden, die entweder ganz speziell nach unbekanntem fragen, oder jede Menge Informationen bekommen, die eben nicht in Veröffentlichungen und Büchern zu finden sind.

Am Internationalen Museumstag waren gestern Nachmittag auch die beiden Sonderausstellungen im Stadtgeschichtlichen Museum Schlössle zu sehen: "Kriege und Not, Pfullingen in Bewegung". Sie befasst sich mit den großen Ein- und Auswanderungswellen, die Pfullingen geprägt hatten. Auch präsentierte sich dort der Brauchtumsverein mit "100 Jahre Straßenbahn - Pfullingen in Bewegung," dem Motto der aktuellen Kulturtage. Multimedial und anhand originaler Schauobjekte von einst, so einem Führerstand der Tram zum Anfassen, war hier vor allem für die Älteren eine gute Portion Nostalgie geboten.

Im Trachtenmuseum auf der anderen Seite der Echaz erfuhren die Besucher eine Menge über die Alltagskleider "Samtmieder". In die Schau im Württembergischen Trachtenmuseum ist mittlerweile auch Multimedia eingezogen - mit gesprochenen Texten vor den einzelnen Schauobjekten.

Und wieder zurück in den Süden Pfullingens, diesmal in den Klostergarten selbst. Im einstigen Waschhäusle gibt es ebenfalls eine Sonderschau, die sich mit dem Leben der Klarissen beschäftigt.

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