"Eins, zwei, drei vier - fünfeinhalb Prozent, das fordern wir", rief Gewerkschafter Harry Mischke von der Bühne auf der Uracher Straße den streikenden Kollegen zu. Am gestrigen Mittwochnachmittag stand die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Metall- und Elektroindustrie noch bevor. "Jetzt wird Südwest-Metall-Dampf gemacht", rief Harry Mischke den Metallern in Dettingen kämpferisch zu.

Beschäftigte aus Firmen im gesamten Ermstal waren gekommen, einige aus Münsingen, ein paar von Bosch aus Reutlingen sowie ein paar weitere aus Bietigheim-Bissingen und Heidenheim von den ElringKlinger-Zweigstandorten.

Vor dem Stammsitz des Automobilszulieferers hatten sich nach Aussagen der IG-Metall und der Polizei etwa 1 200 Menschen versammelt. Sie alle wollten den Forderungen der Gewerkschaft Nachdruck verleihen: 5,5 Prozent mehr Lohn sollen es sein, dazu einen erweiterten Zugang zur Altersteilzeit und eine vom Arbeitgeber bezuschusste Weiterbildung. "Ich bin begeistert, dass so viele von Elring die Bude leergemacht haben", betonte Markus Siegers, Betriebsratsvorsitzender bei ElringKlinger. Einer seiner größten Kritikpunkte: "Bei Elring hat keiner der Mitarbeiter ein Anrecht auf Altersteilzeit."

Ernst Blinzinger, erster Bevollmächtigter der IG Metall Reutlingen-Tübingen, rief den Streikenden wie auch dem ElringKlinger-Vorstandsvorsitzenden Dr. Stefan Wolf zu: "Ich bin sicher, das beeindruckt Dr. Wolf, dass seine Leute hier auf der Straße stehen."

Immerhin ist Dr. Stefan Wolf im Tarifstreit gleichzeitig auch Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite in Gestalt der Südwest-Metall. Sein bisheriges Angebot an die Gewerkschaft in der Auseinandersetzung von 2,2 Prozent mehr Lohn, beurteilte Frank Iwer von der Bezirksleitung der IG Metall Baden-Württemberg schlicht "als Witz".

Während Wolf gesagt habe, dass die Forderung der Gewerkschaft Arbeitsplätze gefährde, so verwies Iwer auf 54 Milliarden Euro Gewinn der Automobil-Industrie im vergangenen Jahr. Um die Forderungen der IG-Metall zu finanzieren, müsse eine Summe von rund 10 Milliarden Euro aufgebracht werden.

"Das ist nicht wenig, aber die Arbeitgeber behaupten, dass dieser Betrag dann für Investitionen fehlen würden - genau das ist aber eine glatte Lüge, weil die 54 Milliarden der reine Gewinn war", so Frank Iwer. "Wir erwarten heute ein deutlich besseres Angebot, das verhandelbar ist", schloss der Landes-IG Metall-Vize, der gestern Nachmittag selbst mit am Verhandlungstisch in Sindelfingen sitzen saß.

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Martin Gross versprach die Solidarität seiner Gewerkschaft im Tarifstreit der Metaller. Denn: "Nicht die Banker sind das Rückgrat der Gesellschaft, sondern ihr an der Werkbank ebenso wie die Krankenschwestern und Erzieherinnen", so Gross. "Ihr könnt stolz sein, dass ihr bei den bisherigen Warnstreiks in Baden-Württemberg mehr als 200 000 Menschen auf die Straße gebracht habt", rief der Verdi-Bezirksgeschäftsführer den Streikenden zu: "Ein Angebot von 2,2 Prozent, das ist ein Witz - ihr seid mehr wert." Dem folgte lauter Jubel und unumwundene Zustimmung der Metaller auf der Uracher Straße.