Reutlingen / ANGELA STEIDLE  Uhr
"Wir sind beim Reutlinger Programmkino aktiver als je zuvor", sagt Andreas Kissel vom Vorstand der eG in Gründung. Die Genossen freut vor allem die Transparenz und Umsicht bei der Kalkulation.

Zellteilung ist die Grundlage jeder Geburt. Teilt man eine Kinokarte, reicht das zwar nicht für zwei lauschige Plätze. Aber "wenn jeder von den Genossinnen und Genossen auch nur einen weiteren Menschen zur Zeichnung eines Anteils bewegen kann, dann könnten wir den finanziellen Ausfall durch die Filmfördergesellschaft spielend kompensieren. Gemeinsam könnten wir Kinogeschichte schreiben in Reutlingen!" Die Genossenschaft hat derzeit 425 Zeichner mit 522 Anteilen zu je 200 Euro.

Die Initiatoren des Projekts "genossenschaftliches Programmkino in Reutlingen" haben zwei Großveranstaltungen vor Augen: das Jubiläum des "neigschmeckt-Markts" mit zu erwartendem Besucherrekord und das Reutlinger Open-Air-Kino, von Vorstandsmitglied Klaus Kupke organisiert. An beiden Orten wird kräftig fürs neue Kino kräftig geworben. Wie von den Genossinnen und Genossen bei der jüngsten Versammlung gewünscht, mit neuen Flyern.

Auch im Hintergrund tut sich viel: "Wir sind mit dem Gründungsprozedere im Endspurt", heißt es in der letzten Infopost, "der Prüfverband hat uns die Unbedenklichkeit bescheinigt, der Genossenschaftsverband hat uns aufgenommen und der Notar hat die wichtigen Unterlagen an das Registergericht in Stuttgart weitergeleitet. Der Mietvertrag ist unterschrieben und der Bauantrag eingereicht." Der erste Jour fixe beim Architekten mit Fachplanern und Vermieter war hart an der Realität, kommentiert Karin Zäh.

Schon vor Pfingsten war zumindest telefonisch klar, dass der Förderantrag der gemeinnützigen Genossenschaft an die Filmförderanstalt FFA in Berlin abgelehnt wird. Die Mitglieder wurden umgehend informiert. Sowas schmerzt. Kennt aber andernorts durchaus Parallelen. Vor allem, wenn dann zwei Kinobetreiber in der Stadt wären. Zwei Gastronomen im gleichen Viertel funktioniert ja schließlich auch nicht, oder?

Die Reutlinger Kinomacher hatten von Anfang an zumindest auf die Hälfte der einmaligen Maximalförderung in Höhe von 200 000 Euro gehofft. Betroffen ist der Vorstand von der schriftlichen Begründung. Zuerst hieß es, die Kalkulation sei eher "konservativ". Jetzt kritisiert die FFA die Wirtschaftlichkeit. "Obwohl unser Vorhaben in einer von der FFA geforderten fachlichen Stellungnahme positiv bewertet worden ist", erklärt Andreas Kissel. Wie bei jedem anderen Antrag auf Wirtschaftsförderung kann auch hier Widerspruch eingelegt werden. Das passiert gerade.

Außerdem, merkt Andreas Kissel an, werde nicht erst seit gestern bei der Planung jeder Cent zweimal umgedreht: "Der Bühnenvorhang ist zwar eingeplant, aber momentan zu teuer. Also muss das halt noch warten. So gibt es viele Beispiele."

Der warme Geldsegen von der FFA steht jetzt wieder mit einem Fragezeichen im Konzept. Das kostet halt noch Arbeit. Dabei - das weiß nicht nur Kissel - gibt es jede Rückendeckung von der eigenen Klientel. Das Know-How der Genossinnen und Genossen in der Summe wäre für ganz andere Projekte vom Feinsten. Dem Zufall wird hier nichts überlassen.