Projekt Mehrheit für das mächtigere Stuttgarter Tor

Die Visualisierung der dritten Überarbeitung des Stuttgarter Tors Unter den Linden (rechts unten die Bahnunterführung): Der Turm ist nun neun Meter höher und gut fünf Meter breiter als der Wettbewerbsentwurf und bietet so rund 2420 Quadratmeter Bruttogeschossfläche mehr.
Die Visualisierung der dritten Überarbeitung des Stuttgarter Tors Unter den Linden (rechts unten die Bahnunterführung): Der Turm ist nun neun Meter höher und gut fünf Meter breiter als der Wettbewerbsentwurf und bietet so rund 2420 Quadratmeter Bruttogeschossfläche mehr. © Foto: Grafik: Architekten Seidenspinner/Daller
Reutlingen / PETER U. BUSSMANN 22.07.2016
Gegen die 15 Stimmen von Grünen und SPD stimmte Donnerstagabend der Gemeinderat dem dritten überarbeiteten Entwurf für das Stuttgarter Tor Ecke Unter den Linden/Burkhardt + Weber-Straße zu.

Gleich mit zwei augenfälligen neuen Hochhausprojekten hatte sich Donnerstagabend der Gemeinderat zu beschäftigen. Neben dem Bebauungsplan für das Hochhaus am Bürgerpark direkt am Hamburg-Mannheimer-Hochhaus am AOK-Knoten, dessen Auslegungsbeschluss einstimmig getroffen wurde (ausführlicher Bericht folgt), stand der Auslegungsbeschluss über den Bebauungsplan für das nicht unumstrittene Hochhaus auf der Brache Unter den Linden/Burkhardt+Weber-Straße, Stuttgarter Tor genannt, auf der Tagesordnung.

Hier hatte sich die Silhouette schrittweise verändert, wie auch Stefan Dvorak, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung, noch einmal darlegte. Besonderheit hier ist, dass es kein klassischer Bebauungsplan, sondern ein Vorhaben- und Erschließungsplan. Der sieht neben dem Bebauungsplan auch abgestimmte Vorhabenpläne des Vorhabenträgers, hier der Reutlinger Schöller & Partner GmbH, vor. Vorhabenträger und Stadt schließen dann einen konkreten Durchführungsvertrag „auf Augenhöhe“, so Dvorak  im Rat.

Anfang März 2015 hatte Schöller & Partner einen Wettbewerb um das Projekt in Auftrag gegeben, eine Bewertungskommission, der auch Stadtvertreter angehörten, entschied sich dann für den Entwurf des Architekturbüros Seidenspinner & Daller aus Metzingen und Stuttgart. Der erste Entwurf wurde auf Wunsch des Vorhabenträgers variiert. So sollte die Nutzfläche pro Geschoss um ein Viertel größer werden. Der erste Entwurf war 55 Meter hoch mit einer Grundfläche von 18 auf 28,5 Meter.

Mitte Oktober wurde klar, dass Schöller & Partner im ganzen Turm weitgehend Wohnungen unterbringen will. Weitere Überarbeitungen folgten, das Bauvolumen wuchs, wurde aber von Gutachtern als „städtebaulich vertretbar“ eingestuft. Mitte Mai beschloss der Bauausschuss einstimmig, dass die Verwaltung mit dem Investor vereinbart, die Fassade wieder näher ans Wettbewerbsmodell zu bringen und  die Technik auf dem Dach zu integrieren. Letzteres erforderte die komplette Überarbeitung der Pläne. 

Ende Juni beantragte die SPD, den nun deutlich größeren Baukörper der Kommission von Stadträtinnen und -räten zur Prüfung der städtebaulichen Wirkung vorzulegen. Dies hätte, so die Verwaltung, ohne Verzögerung geschehen können. Nach kontroverser Diskussion lehnte der Gemeinderat dies damals.

Am Donnerstag nun die Neuauflage der Debatte damals. Gabriele Janz (Grüne) führte an, dass sich die „anfangs sehr positive Zusammenarbeit mit dem Vorhabenträger“ gewandelt habe: „Wir sind mit einem anderen Impuls in die Gespräche gegangen“, das vorliegende Planungsergebnis könne man nicht mittragen – „das tut uns sehr leid“. „Wir bauen für die nächsten 100 Jahre“, argumentierte Helmut Treutlein (SPD), da sollte nicht „kurzfristig beschlossen werden, was rentierlich und nützlich ist“. Bei solchen „Objekte, die Akzeptanz brauchen“, sollten „öffentliche Verantwortung und Investoreninteressen zusammengebracht werden“. Die sei hier nicht mehr der Fall, die Argumente überzeugen uns nicht“, er habe „Zweifel an der städtebaulichen Qualität dieses Entwurfs“.

Der Einschätzung schlossen sich die anderen Fraktionen nicht an, stimmten geschlossen für die Auslegung des Entwurfs. Gleichwohl räumte Regine Vohrer (FDP) ein, dass man „hundertprozentige Zustimmung der Bürger nie bekomme“. Erich Fritz (FWV) fand zwar den  „Weg etwas holprig“, doch „seien wir nicht kleinkariert oder kleinlich – die paar Meter mehr interessieren nicht“. Schließlich könne man einen Investor mit 40 oder 50 Millionen Euro „nicht  verprellen“. Thomas Ziegler (Linke) erwartet trotz des „Offenbarungseids der vier Fraktionen“, dass zwischen Verwaltung und Bauträger „wieder eine gedeihliche Kommunikation erfolgt“. Für Rainer Löfler (CDU) steht außer Zweifel: „Wir sind Lobbyisten – für eine gute Stadtentwicklung!“

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