Reutlingen Mehr tun für Langzeitarbeitslose

Reutlingen / PETER U. BUSSMANN 05.03.2012
Der Wechsel von der Arbeitsgemeinschaft zur gemeinsamen Einrichtung von Arbeitsagentur und Landkreis hatte für die Kunden des Jobcenters keine Auswirkungen. Die Bilanz nach einem Jahr fällt dafür positiv aus.

Für die Arbeit des Jobcenters in der Albstraße war der Wechsel in der Zusammenarbeit von Arbeitsagentur und Landkreis zwar wichtig, erläuterte bei der Jahrespressekonferenz der Arbeitsagentur Jobcenter-Geschäftsführer Roland Leypoldt, doch von den internen Verschiebungen bekamen die Kunden nicht viel mit. Für sie ist die Außenwirkung entscheidend.

Die kann sich im ersten Jahr als gemeinsame Einrichtung sehen lassen, bilanzierte Leypoldt. Nicht zuletzt deshalb, weil auch das Sozialgesetzbuch II - Grundsicherung für Arbeitssuchende - vom sich fortsetzenden Konjunkturaufschwung profitierte. Die Zahl der Arbeitslosen reduzierte sich kontinuierlich und stieg, jahreszeitlich bedingt, im Dezember nur minimal auf 3513 an, berichtete Leypoldt. Dieser Rückgang im Lauf des Jahres um 4,41 Prozent wurde noch deutlich übertroffen von der Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren, die 2011 um fast elf Prozent sank.

Bei den Bedarfsgemeinschaften setzte sich der positive Trend ebenfalls fort, 5697 zählte das Jobcenter am Jahresende und damit 6,16 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.

Nicht anders die Entwicklung bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten: Die 7708 am Jahresende bedeuten ein Minus von gut sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wesentlicher Parameter für den Erfolg der Arbeit des Jobcenters ist die Zahl der Integrationen, also der Vermittlung in Ausbildung oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Im Fokus standen im vergangenen Jahr Alleinerziehende, Personen mit Migrationshintergrund, Jugendliche unter 25 und Personen über 50 Jahren.

Bei 9483 Kunden wurden, so die Statistik, ein Höchstwert von 2559 Integrationen erzielt, das entspricht einer Quote von 27 Prozent. Das Soll von 25 Prozent wurde so deutlich übertroffen. Im Vergleich zum Vorjahr war dies eine Steigerung um 259 Integrationen. Pro Monat lag der Wert hier im Schnitt bei 213, im Vorjahr nur bei 192.

Deutlich verfehlt wurde hingegen das Ziel bei den Langzeitarbeitslosen, räumte Leypoldt ein.Der Bestand an Kunden, die länger als zwei Jahre beim Jobcenter registriert sind, stieg deutlich, lag zum Jahresende bei fast 1300. "Der Personenkreis mit mehreren Vermittlungshemmnissen stellt für 2012 die größte Herausforderung dar", sagte der Geschäftsführer. Intensive Beratungs- und Vermittlungsarbeit sei hier erforderlich, dazu sollen auch die Kontakte zu Betrieben verstärkt werden.

Für die Träger erfreutlich ist die Tatsache, dass die Ausgaben für die passiven Leistungen des Arbeitslosengelds II und des Sozialgelds gegenüber dem Vorjahr um rund 2,5 Millionen Euro oder gut neun Prozent gesenkt werden konnten. Und auch die Ausgaben für kommunale Passivleistungen, vor allem für Kosten der Unterkunft und Heizung, sanken gegenüber 2010 um 211 000 Euro oder knapp ein Prozent.

Aus dem Eingliederungsbudget von gut sechs Millionen Euro verbrauchte das Jobcenter nur gut fünf Millionen, was einer Ausgabequote von knapp 84 Prozent entsprach.

Deutlich gesunken ist die Zahl der Widersprüche gegen Bescheide des Jobcenters von 2238 (2010) auf 1745 im vergangenen Jahr. Zusammen mit der gesunkenen Zahl der Klagen ist dies für Leypoldt ein Zeichen dafür, dass die Mitarbeiter das komplizierte Metier zunehmend sicher beherrschen. Die starke Fluktuation wegen eines hohen Anteils befristet Beschäftigter (2009 fast ein Drittel) war bislang ein steter Quell des Ärgers. 2011 wurde dieser Anteil auf gut fünf Prozent und so den bislang niedrigsten Wert gesenkt.

Neu beim Jobcenter angesiedelt sind die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabe-Paket. Rund 4000 anspruchsberechtigte Kinder haben hier ihre Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft.

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