Sie haben viel zu viel Freizeit, Lust auf eine spannende und risikobehaftete Tätigkeit und keinerlei finanzielle Interessen? Das war mal eine ganz andere Art der Stellenausschreibung, mit der sich die Lichtensteiner Feuerwehr im vergangenen Jahr auf die Suche nach neuen Einsatzkräften gemacht hat. Die pfiffige Anzeige hat denn auch für Aufsehen gesorgt. „Die meisten Leute fanden’s lustig und haben gelacht. Sie haben aber auch den Ernst, der dahinter steckt gesehen“, berichtet Kommandant Andreas Daum, der zusammen mit einem Kameraden die Idee zu der Stellenausschreibung hatte.

Tatsächlich haben sich mehrere Leute gemeldet, die sich in das Ehrenamt einarbeiten wollten, das auch noch „Teamwork, klassische Hierarchien, eine abwechslungsreiche Tätigkeit, ungemütliche Arbeitsplätze, Lärm, Nässe, Hitze, Schmutz sowie 70 neue Freunde und verdammt viel Spaß“ zu bieten hat. Die Annonce hat der Lichtensteiner Feuerwehr bisher zwei neue Kollegen gebracht, die nicht nur Interesse gezeigt haben, sondern auch dabei geblieben sind. Ansonsten allerdings rekrutieren Daum und seine Kameraden Neuzugänge für die Erwachsenen-Wehr hauptsächlich aus der eigenen Nachwuchsarbeit. „Acht Jugendliche sind inzwischen aufgerückt“, erklärt Daum, der froh ist, dass die Abteilung Unterhausen wieder in 40-Mann-und-Frau-Stärke unterwegs ist. Womit sie die Verluste, die die Wehr durch Ortswechsel oder durch Übertritte in die Altersabteilung zu verkraften hatte, kompensieren konnte.

116 Mitglieder hat die Feuerwehr Lichtenstein derzeit, wenn man die einzelnen Orts-Wehren und die Jugend- und Altersabteilungen zusammen rechnet. Sie alle hatten 2018 einiges zu tun, wie der Kommandant bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag berichten konnte. Zu 113 Einsätzen mussten die Ehrenamtlichen ausrücken. Das waren so viele wie noch nie zuvor seit man bei der Wehr eine „saubere Statistik führt“, so der Kommandant. Allerdings ist er bei seiner Abrechnung trotz der vielen Einsätze auf relativ wenig geleistete Stunden gekommen. „Nur“ 1879 Stunden waren die Lichtensteiner Wehrleute im vergangenen Jahr bei Eisätzen unterwegs. Zum Vergleich: Im Hagel-Jahr 2013 waren es 5430 Stunden.

Dass die Lichtensteiner zwar zu mehr Einsätzen gerufen wurden, aber weniger lang auf Achse waren, hat indes Gründe. „Wir sind inzwischen zum Mädchen für alles geworden“, erklärt Daum. „Vor allem in Unterhausen, wo die Leute offenbar unbeholfener sind, als in unseren beiden ländlicheren Ortsteilen, werden wir schneller mal zu Kleinsteinsätzen alarmiert“. Zwei Zentimeter Wasser im Keller an Heiligabend, ein verschobener Kamin, ein Baum, der im heimischen Garten beseitigt werden muss: Das alles läuft unter der Überschrift „Kleinstalarmierungen“, die sich mittlerweile häufen, zu denen maximal zehn Leute ausrücken und die manchmal nur eine Stunde dauern. Geschlagene vier Stunden waren die Lichtensteiner indes unterwegs, als Wanderer auf einer Mountainbikestrecke ein Kabel in Kopfhöhe im Wald zwischen Honau und Schloss Lichtensteinhöhe gesichtet haben. Hätte es das Kabel gegeben, hätte es tatsächlich eine große Gefahr dargestellt. „Wir haben jedoch nichts gefunden, dafür aber kennen wir den Wald dort jetzt aus dem Effeff“, so Daum. Solche und ähnliche Hilfeleistungen – wie zum Beispiel bei einem Wespennest im Kofferraum – hatten die Lichtensteiner im vergangenen Jahr 91 zu bearbeiten. Richtige Brände, eigentlich die Kernkompetenz der Wehr, gab’s indes gerade mal 17 zu löschen. Wobei da auch größere Einsätze wie ein Carportbrand, der auf ein Wohnhaus überzugreifen drohte, ein gefährlicher Kaminbrand und eine riesige Hecke, die in Flammen stand, dabei waren. „Und dann beschäftigen uns natürlich unsere drei Steigen, auf denen sich viele Unfälle ereignen“, weiß Daum, der mit seinen Kameraden im vergangenen Jahr auch zahlreiche Übungen – darunter eine große Abteilungsübergreifende in Holzelfingen – und Lehrgänge gemacht hat und dazu noch mit der Brandschutzerziehung an den Kindergärten und Schulen beschäftigt ist. „Und dann hatten wir ja schon zwei Mal einen Feuerwehrgottesdienst“, ist der Kommandant stolz auf die Neuerung, die auch ein Zeichen für den guten Zusammenhalt ist. Andere Neuheiten indes sind noch in Vorbereitung. Denn die Lichtensteiner wollen in Sachen Nachwuchsarbeit noch einen Zahn zulegen und eine Kinderfeuerwehr gründen.

Jede Menge Beförderungen


Es gab zwar keine Ehrungen bei der Jahreshauptversammlung der FFW, dafür standen aber gleich mehrere Beförderungen an. So wurden Kai Bakonyi, Alexander Reiff, Fabian Flohr, Philipp Göhring, Nicolas Waitzinger und Jan-Lukas Gubler zu Feuerwehrmännern ernannt. Merlin Göhring und Christian Gubler sind jetzt Oberfeuerwehrmänner und Marcel Wenke, Tobias Gumpper und Christian Seiz Hauptfeuerwehrmänner. Michael Märzweiler wurde zum Brandmeister befördert.