"Alle erwarten Olaf und dann kommt Jazz", begrüßt Basser Stephan das Publikum. Dabei wollen "die meisten mit Jazz nichts zu tun haben". Mit Jazz hat auch Olaf nicht so viel am Hut, auch wenn er großspurig verkündet, dass ihm's eher nach "Anspruch statt Inhalt" sei.

Seine Band wiederum (der lässige Stephan und der stoische Gitarrero Jochen) macht gute Miene zu Olafs dilettantischem Spiel und versucht immer wieder von Neuem, etwas zu spielen, was sich wenigstens entfernt nach Musik anhört. Besonders Jochen wird ständig gedisst, ihm sei eben "mein Erfolg zu Kopf gestiegen", versucht aber, trotz Olafs Beschimpfungen unbeeindruckt dreinzublicken.

Zu Kopf gestiegen ist auch dem Olaf so einiges und deshalb muss auch alles raus: "Ich bin neben dem Papst der zweite Mitarbeiter der Wahrheit" - Olaf neigt ein wenig zu Selbstüberschätzung, auch wenn er auf den ersten Blick den verklemmten, geistig leicht beschränkten Underdog-Ossi mit Minderwertigkeitskomplexen gibt.

Es freue ihn, in Reutlingen aufzutreten - "einer muss es ja machen" - und dass man extra für sein "Feuerwerk der Langeweile" einen solchen "Tempel der Hochkultur" hingeklotzt habe. Obwohl: "So was würde man bei uns gleich wieder abreißen", meint Olaf, wenn er die neue Stadthalle mit den feudalen Bauten in seinem fett soli-gesponserten Osten vergleicht.

Der zwanghafte Pullunderträger ist aber nicht nur verklemmt und altbacken, sondern auch schwer im Widerstand aktiv, zumindest tut er so. Als Prophet der Wahrheit will er uns nicht nur mahnen und aufklären und musikalisch aufrütteln zum Kampf um mehr Gerechtigkeit, Brüderlichkeit, Freiheit und Solidaritätszuschlag, sondern steht uns auch mit wertvollen Tipps für den Alltag zur Seite. Er widmet sich unter anderem dem Themenfeld Ernährung - "Wo kommt sie her? Wo geht sie hin?" - und gibt den Ratgeber: "Gut für die Augen sind Linsen." Und hat auch ein paar bewährte Rezepte auf Lager: "Blattsalat schmeckt besser, wenn man ihn kurz vor dem Essen durch Gulasch ersetzt."

Dann triezt er wieder seinen Sidekick Jochen: "Er muss sich alles erarbeiten, mir fliegt's zu." Das ist nicht schön, soll aber vielleicht auch nur den unfeinen Umgang vorführen, den die Menschen so untereinander pflegen. Und so ist man sich bei Olaf Schubert nie ganz sicher, ob er gerade nur was parodiert und ironisiert oder seine Stammtisch-Sprüche einfach nur deshalb raushaut, weil sie gut ankommen.

Aber schließlich hat der namenlose Künstler hinter Olaf Schubert seine Figur unter anderem in der geistigen Gosse angesiedelt: als erotisch offensichtlich unterversorgter Klemmi macht er sich eben umso ungalanter über die Frauen her. Lästert beispielsweise über seine Carola, und ist total fies zu ihr, wenn sie mal wieder einen "pfiffigen Schlüpfer" oder ein "mutiges Mieder" anprobiert: "Stimmt", sagt er dann, "sieht scheiße aus, aber dir steht's". Oder sind es nur Olafs Phantasien, die da den Macho raushängen, wo er doch ganz im Gegenteil ein total Guter ist? Jedenfalls lässt er sich da nicht festlegen, sondern dreht lieber jeden Witz viermal um, bis genau das Gegenteil heraus kommt.

Kaum markiert er den Chauvi, switcht er auch schon um auf Psychotherapeut: Das "Gegenteil von Liebe sei nicht der Hass", sülzt er uns gefühlig an, "sondern die Gleichgültigkeit". Zum Beispiel, wenn die Frau sagt: "Ich spring aus dem Fenster" und der Mann nur meint: "O.K., ich warte unten."

Aber Olaf kann nicht nur privat, sondern auch Großpolitik und fragt sich besorgt: "Wer stoppt den Vormarsch des IS?" Eins sei jedenfalls sicher, "die Bundeswehr ist es nicht". Die kämpfe ja selbst ums Überleben. Könnte aber auch Mitleids-Masche sein: "Guck mal, einer von der Bundeswehr, dem tun wir nix." Militärisch gesehen "hatte Deutschland ja schon bessere Zeiten". Olaf weiß, wie man das typische Hitler-Hohoho-Gelächter generiert, aber da hat er uns angeschmiert. Olaf meint natürlich die große Zeit der NVA: "Wenn da einer gesagt hätte, ich gründe jetzt ein Kalifat, wär ich da ganz alleine hinein, mit meinem Unteroffizier, dem Mirko. Setzt mich mit dem Hubschrauber in Kabul ab, den Rest schwimme ich."

Und so zündet Olaf noch die ein oder andere "Flachsrakete", haut seine "oralen Spasmen" raus, lässt die "Synapsen Fasching" feiern, unterhält mit gut durchgeschimmelten Sozial- und Ossi-Alt-Phrasen und spielt den Widerstandssoftie: "So kriegt man Weiber rum." Dazwischen lockert er die Stimmung mit Liedversuchen im NDW-Style auf, mit Emo-, Liebes- und Politballaden, bis am Ende fast noch die Fetzen fliegen. Immerhin fällt der Notenständer um. It's not Rock'n'Roll, but we like it.