Reutlingen Mehr als „Spaß in fremden Betten“

Die Mitgesellschafter Christian Wittel (links) und Fritz Engelhardt überreichen Tanja Ulmer eine Jubiläumstorte.
Die Mitgesellschafter Christian Wittel (links) und Fritz Engelhardt überreichen Tanja Ulmer eine Jubiläumstorte. © Foto: Foto. Ralph Bausinger
Reutlingen / Von Ralph Bausinger 07.11.2017

Nein, ein Jubiläum sind 15 Jahre nicht. Unbestritten ist jedoch, dass mit der Gründung der Reutlinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (StaRT) im Jahr 2002 nach durchaus kontroverser Diskussion im Gemeinderat ein neuer Weg eingeschlagen wurde, um die Attraktivität der Stadt nach innen und außen steigern zu können. „Man wollte damals private Partner aus Gastronomie, Hotellerie und dem Einzelhandel mit hineinnehmen“, sagte Barbara Bosch in ihrer Ansprache am Montagabend im Matthäus-Alber-Haus.

Es war auch die Oberbürgermeisterin, welche die Höhepunkte aus den vergangenen 15 Jahren benannte – von der Neukonzeption des Stadtfestes über die Dinosaurierpräsentationen, das Reutlinger Gutscheinheft, „Spaß in fremden Betten“ und die Aufnahme der „engsten Straße der Welt“ im Jahr 2006 ins Guinnessbuch der Weltrekorde. Nicht zu vergessen, die seit Montagabend preisgekrönte Science-City-Aktion (siehe nebenstehenden Artikel). Die Rathaus-Chefin ging auch kurz auf den angestoßenen Markenbildungsprozess ein. Nach wie vor werde zu wenig wahrgenommen, „welche Stärken wir in Reutlingen haben“, bedauerte Bosch. Das vom Gemeinderat beauftragte Hamburger Unternehmen soll erste Ergebnisse am 16. Januar 2018 vorstellen.

Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Regio Stuttgart Marketing und Tourismus GmbH, sollte einen Blick in die touristische Zukunft der Region werfen. 2016 habe es 8,5 Millionen Übernachtungen in der Region, davon entfielen knapp 200 000 auf die Achalmstadt. „Die Chancen, die wir haben, sind riesengroß“, sagte Dellnitz mit Blick auf die wachsenden Scharen chinesischer Touristen. Sein Credo: „Jeder Euro, den wir für Tourismus ausgeben, unterstützt die Attraktivität der Stadt.“

Fritz Engelhardt, zweiter Vorsitzender des Verkehrsvereins Reutlinger Albvorland e.V., sprach mit Blick auf StaRT von einer „Erfolgsstory“. Trotz anfänglicher atmosphärischer Störungen habe man sich innerhalb kürzester Zeit zusammengerafft. In den Jubel um die seit 2002 um 70 Prozent gestiegenen Übernachtungszahlen wollte Engelhardt nicht uneingeschränkt einstimmen. Für 85 Prozent der Übernachtungen kämen Mitarbeiter der Unternehmen auf, insbesondere aus dem Automotivebereich. Mit Blick auf die dort anstehenden Veränderungen (Stichwort: Elektroauto) erwartet der Hotelier eher rückläufige Zahlen in den kommende Jahren. Diese auszugleichen, „das schaffen wir nicht mit einer Stadthalle. Das schaffen wir aber mit Kultur und Sport“, sagte Engelhardt. Und er appellierte an alle Verantwortlichen, die Umgebung miteinzubeziehen.

Die Reutlinger täten gut daran, etwas positiver über die Stadt zu denken und zu sprechen, ist Christian Wittel, Erster Vorsitzender der Einzelhändlervereinigung RT aktiv, überzeugt. Bei StaRT sieht er ein „eingespieltes Team“ am Werk, das nicht mehr zwischen „Tourismus-, Einzelhandel- und Stadtmarketing“ unterscheide.