MECKIS HAARE WACHSEN NICHT NACH: Einschneidende Erlebnisse

JHE 04.01.2014

Die alten Bilderbücher und die recht neuen Comics mit dem kecken "Mecki" aus der "HörZu"-Fernsehzeitschrift, von dem der Ministerpräsident des Landes augenscheinlich seine Frisur übernommen hat, waren immer schon treue Begleiter von Kindern.

Als dem Autor in einem Ulmer Krankenhaus im zarten Alter von fünf Jahren die Mandeln entfernt werden mussten, war das aus seiner Sicht natürlich eine große und fast schon bedrohliche Sache. Immerhin konnte der Bub damals schon lesen. Und der leibhaftige "Mecki" als putzige Puppe mit keckem Blick spickte - in eigener Sache - mit ins Buch: "Mecki bei Prinz Aladin" hieß der bereits 1958 aufgelegte Titel.

Das Plüschtier selbst war natürlich ein Original von der Firma Steiff, aus dem benachbarten Giengen an der Brenz. Ja, das Original. Pfui, aber kaum zwei Jahrzehnte später begannen Ostasiaten von den Brenztälern abzukupfern. Die Kultfigur des Igels Mecki und die Comics lebten bis 1972 weiter, die Bilderbücher-Serie endete 1965.

Und auch Kollege pet hatte eine buchstäblich "einschneidende Erfahrung" mit dem pummeligen Zwerg gemacht: "Einer der legendären Meckis von Steiff hatte im Gepäck meiner Oma Mitte der 50er Jahre den Sprung über den großen Teich geschafft. Vermutlich litt der Ostälbler in seinem Filzwams und der langen wollenen Hose - wenigstens hatte sein rotes Karohemd kurze Ärmel - ein wenig unter der tropischen Hitze Venezuelas, doch mein bester Freund ließ sich nichts anmerken und begleitete mich Tag und Nacht. Deutlich anzumerken war hingegen meinen Altvorderen ihr Entsetzen, als sie eines Morgens der Experimentierfreude ihres vierjährigen Steppkes gewahr wurden.

Ich hatte, wie mir auch geschehen, am Haupthaar meines graumelierten Freundes die Schere angesetzt und ihm einen ziemlich breiten Borstenscheitel verpasst - in der sicheren Annahme dass, wie der meinige, auch sein Schopf wieder munter sprießen werde. Bittere kindliche Erkenntnis jenseits der wortreichen Belehrung der Erwachsenen: Meckis Haare wachsen nicht nach, da kannst Du noch so flehen. Doch einen Schönen kann nichts wirklich entstellen, meinen Mecki sein Stiftelkopf und seinen Mecki-Schnitt schon gleich gar nicht!"

Beim Namen "Steiff" schlagen übrigens nicht nur Kinderherzen höher. Seit über 100 Jahren fertigt die Firma Plüschtiere, Puppen und anderes Spielzeug. Vor allem die Kuscheltiere "mit dem Knopf im Ohr" sind bei Kindern und Sammlern heiß begehrt. Ein etwa 80 Zentimeter hohes Bärle aus dem Jahr 1932 wechselt heute für rund 1500 Euro den Besitzer.

Die Ausstellung im Reutlinger Heimatmuseum zeigt neben Klassikern wie dem "Elefäntle" viele andere Tiere, vor allem aber auch deren "Innereien". So ist in einer Vitrine auch zu sehen, wie dem Teddy Töne verpasst wurden.