Reutlingen Marktplatz für Spitzenkräfte

Melikshah Ünver (1. Reihe, 4. von rechts) und die Taledo-Mitarbeiter.
Melikshah Ünver (1. Reihe, 4. von rechts) und die Taledo-Mitarbeiter. © Foto: pr
Berlin/Reutlingen / Von Ralph Bausinger 15.06.2018

Er ist in Reutlingen geboren, hat an der ESB Business School studiert und bei Bosch in den Ferien gejobbt. Heute betreibt Melikshah Ünver gemeinsam mit seinen beiden Brüdern „Taledo“, agiert als Chief Executive Officer (CEO) der Internet-Plattform in Deutschlands Start-up-Hauptstadt Berlin. Taledo – der Name steht für „Talents who do“ – beschäftigt derzeit 35 Mitarbeiter aus zwölf Nationen. Bei der Suche und Rekrutierung von Fach- und Führungskräften für DAX-Unternehmen setzt die Plattform auf künstliche Intelligenz. Damit tritt Taledo auch in Konkurrenz zu etablierten Headhuntern.

Anfang des Jahres hat Taledo seine zweite Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei einen siebenstelligen Betrag eingenommen. Geld, das bei der weiteren Expansion helfen soll. Die Investoren kommen aus dem Bereich der Fonds, Banken und Versicherungen. Unter ihnen finden sich aber auch Vorstände und Aufsichtsräte von Plattformen und Internet-Unternehmen.

Schwerpunkt auf die Digitalwirtschaft

Beim Geschäftsmodell richtet sich die Berliner Plattform nach den etablierten Mitbewerbern: Die erste Anbahnung der Kontakte ist bei Taledo für Bewerber und Firmen kostenlos – Geld von den einstellenden Unternehmen fließt nur, wenn auch ein Arbeitsvertrag zustande kommt. „Wir erhalten 20 Prozent des Jahreszielgehalts, wenn jemand eingestellt wird“, betont Ünver im Gespräch.

Die Personalvermittler von Taledo legen den Schwerpunkt auf die Digitalwirtschaft und das Ingenieurwesen. Die Plattform möchte hochqualifizierte Mitarbeiter mit Unternehmern zusammenbringen, die für die ausgeschriebenen Positionen zwischen 50 000 und 200 000 Euro Jahresgehalt bezahlen wollen. Pro erfolgreicher Vermittlung sind dies zwischen 10 000 und 40 000 Euro. Es ist ein Geschäft, bei dem viel Geld im Spiel ist: „Es geht um Millionen Euro. Und die gewinnst oder verlierst Du“, sagt der Unternehmer.

Der Markt in diesem Segment ist anspruchsvoll, die Aufgabe,  hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden, alles andere als einfach. Die Zeiten, als man Stellenanzeigen schaltete oder potenzielle Interessenten abtelefonierte sind laut Ünver längst vorbei.

Taledo ist eine Weiterentwicklung der Vorgänger-Plattform StartupCVs. Die Erfahrung im Recruiting, die persönliche Betreuung und moderne digitale Methoden sollen helfen, den Prozess der Mitarbeitersuche zu verkürzen und maßgeschneiderte Talente für das digitale Zeitalter zu liefern.

Mit Reutlingen verbunden

Nur fünf bis zehn Prozent der Bewerber werden, sagt Ünver, überhaupt in den Pool aufgenommen. Laut Taledo kann die „Time to Hire“, die Zeit, um jemand zu finden und einzustellen, mit Hilfe der Plattform auf 25 Tage verkürzt werden. Während des Einstellungsprozesses werden die Unternehmen von Taledo-Mitarbeitern betreut.

Seiner Geburtsstadt fühlt sich  Ünver nach wie vor verbunden, er sei dort „tief verwurzelt“. Dort erworbene „schwäbische Tugenden wie Offenheit oder freies Denken“ hätten ihn nach vorne gebracht, erzählt der junge Unternehmer.Sein Ziel: „Ich möchte sehr viele Arbeitsplätze schaffen – insbesondere in Deutschland.“ Der Empfänger zahlreicher Stipendien möchte auf diese Weise, wie er sagt, auch Deutschland wieder etwas zurückgeben.

Meliksha Ünver – zur Person

Meliksha Ünver, 1985 in Reutlingen geboren, verbrachte seine Kindheit im Remmingsheim bei Rottenburg. Nach  dem Abitur begann er Betriebswirtschaftslehre an der ESB zu studieren  und verbrachte einige Zeit in den USA und Großbritannien. Nach seinem Studium arbeitete er als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group in Frankfurt, um danach zu Hilfox nach Berlin zu wechseln. Danach machte er sich selbstständig und gründete die  Plattform StartCV, aus der Taledo hervorging, deren Geschäftsführer (CEO) er ist..

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