Es war nur eine Mitteilungsvorlage, aber eine, die es in sich hat: Katja Büchel vom Gebäudemanagement berichtete am Dienstagabend im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss, wie es mit der Sanierung des Rathauses  weitergehen soll. Das Verwaltungsgebäude platzt aus allen Nähten, die Büros sind überbelegt, die Fenster  nicht dicht und die Rahmen marode.

Bereits 2015 hatte der Gemeinderat im Grundsatz beschlossen, das unter Denkmalschutz stehende Rathausgebäude zu sanieren und ein Gesamtkonzept zur Sanierung des Rathauskomplexes gefordert. In einem ersten vorgezogenen Bauabschnitt wurden Tiefgarage und Sitzungsaal, die sanitären Anlagen und die Elektrik saniert und modernisiert. Mit dem Umbau des Windfangs am Haupteingang, der noch in diesem Monat erfolgen soll, ist der erste Abschnitt abgeschlossen. Damit ist auch das Rathaus barrierefrei zugänglich. Die Gesamtkosten betrugen rund 3,7 Millionen Euro, rund 1,5 Millionen mehr als ursprünglich geplant.

Zwei Grobkonzepte erarbeitet

Um die eigentliche Sanierung vorzubereiten, werden derzeit zwei Grobkonzepte erarbeitet. Im technischen Konzept geht es um Fragen des Brandschutzes, der Statik, der Schadstoffe, des Denkmalschutzes und des Energiemanagements. Das funktionale Grobkonzept soll Aufschluss geben über die Entwicklung des Personalbedarfs in den kommenden Jahren, aber auch Themen wie Verwaltung  4.0 oder das Büro der Zukunft behandeln. Hier gehe es ganz konkret, so Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, um die Arbeitsplätze der Zukunft.

Ohne diese Vorarbeiten lasse sich ein derart komplexes Vorhaben nicht stemmen. „Es geht darum, das Gebäude für die nächsten 40 oder 50 Jahre fit zu machen“, sagte die Leiterin des Gebäudemanagements. Parallel zur Erarbeitung des Grobkonzepts soll ein Wettbewerb präzisieren, wie viele Büroflächen an einem zweiten Verwaltungsstandort auf dem ehemaligen Postareal möglich sind. Im zweiten Halbjahr soll der Gemeinderat, so sieht es der Zeitplan vor, über das Grobkonzept gemeinsam mit dem Auslobungstext für das Wettbewerbsverfahren entscheiden. Dieses Konzept dient auch als Grundlage für das Vergabeverfahren.

„Es ist das größte Projekt, an dem ich beteiligt gewesen bin“, stellte Andreas vom Scheidt fest, der seit 25 Jahren dem Gemeinderat angehört. Der CDU-Stadtrat erinnerte an die erste grobe Kostenschätzung aus dem Jahr 2008. Damals wurden knapp 36 Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt. Mit Blick auf die Baupreisentwicklung der vergangenen Dekade sei er sich nicht sicher, ob 50 Millionen Euro überhaupt ausreichen werden. „Das ist ein Vorhaben, das uns die nächsten zehn Jahre beschäftigen wird.“ Der CDU-Stadtrat regte daher auch eine Begehung durch Gemeinderat und Bevölkerung an. Auf seinen einstimmig angenommenen Antrag wird sich der Finanzausschuss mit den Planungen befassen.

Zweiter Standort benötigt?

Gabriele Janz (Grüne und Unabhängige) erinnerte an den im vergangenen Jahr mehrheitlich vom Gemeinderat beschlossenen interfraktionellen Antrag, abzuwarten, bis eine endgültige Entscheidung in Sachen Stadtkreis gefallen sei. Ähnlich sah dies auch Prof. Jürgen Straub: Wenn man sich überlege, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf eine Verwaltung 4.0 habe, stelle sich doch die Frage, ob ein zweiter Standort überhaupt benötigt werde. Schließlich würden ja dadurch Flächen frei. Zudem habe die WiR-Fraktion noch nicht abschließend geklärt, „ob wir bereit sind, 50 bis 60 Millionen Euro in dieses Gebäude zu investieren“, sagte Straub.

Erich Fritz vertrat eine andere Position: „Wir sollten weitermachen, Gas geben und wirklich Geld in die Hand nehmen“, forderte der FWV-Stadtrat. Schließlich seien dem Gremium die Mitarbeiter geld- und goldwert.

Helmut Treutlein geht trotz der Debatte um Digitalisierung oder Rathaus 4.0 davon, dass die Zahl der Mitarbeiter nicht sinken wird. Daher sei es auch „keine Frage, dass wir den zweiten  Standort brauchen“. Es müsse vorangehen, forderte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

FDP-Stadträtin Regine Vohrer brachte das Dilemma, vor dem der Gemeinderat in der Sanierungsfrage steht, gut auf den Punkt: „Je länger es dauert, desto teurer wird es.“

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