Schließlich wäre es der denkbar schlimmste Fall, wenn die Mitarbeiter der MITs das gefährliche Virus unwissentlich in die Alten- und Pflegeheime tragen würden. Denn dort sollen die Ärzte und Helfer der Malteser im Bezirk Neckar-Alb mit den Schutzimpfungen dafür sorgen, die vulnerablen Risikogruppen zu schützen. Eine wichtige Arbeit im Kampf gegen die Pandemie, schließlich waren viele der bisher an Covid-19 verstorbenen Bewohner solcher Einrichtungen: sie haben oft ein hohes Alter, ein geschwächtes Immunsystem und entsprechende Vorerkrankungen. Für sie ist die Impfung ein Segen – und ebenso für die Angehörigen und Pflegekräfte, die sich nach der Impfung weniger Sorgen machen müssen, selbst eine Ansteckungsquelle sein zu können.
Die Mobilen Impfteams bestehen aus mindestens einem Arzt, zwei medizinischen Fachkräften und weiteren Helfern der Malteser. Gemeinsam beladen sie allmorgendlich am Kreisimpfzentrum ihr Fahrzeug mit den notwendigen Hilfsmitteln und dem begehrten Impfstoff. Hierbei arbeiten die Einsatzkräfte im Haupt- und Ehrenamt eng zusammen. Den Fahrer und das Fahrzeug für die Mobilen Impfteams stellen etwa die ehrenamtlichen Ortsgliederungen der Malteser im Bezirk Neckar-Alb. Etwa Lukas Hlouschek aus der Ortsgliederung Altenriet-Schlaitdorf, der mit dem Mannschaftstransportwagen der Bereitschaft zum Impfzentrum auf der Messe gekommen ist. Der 20-Jährige trat erst im vergangenen Jahr bei den Maltesern ein – und steht nun kurz vor seiner Prüfung als Rettungssanitäter. „Nach dem Schulabschluss und vor dem Studium hatte ich coronabedingt viel Zeit“, erklärt Hlouschek. Zeit, die der junge Mann sinnvoll genutzt hat.
Und weiter nutzt: Im Kampf gegen die Corona-Pandemie. „Zu helfen ist eine tolle Sache – die auch Spaß macht“, sagt der 20-jährige Rettungshelfer. Zumal das Engagement bei den Maltesern auch in Zeiten der Kontaktbeschränkungen eine Möglichkeit bietet, auch einmal zu Hause herauszukommen. „Das Online-Studium ist gerade wirklich schlimm“, bedauert der angehende Gebäude-, Energie- und Umwelttechniker, dass sein Studium derzeit nicht in Präsenz stattfinden kann. An seiner Seite hat er heute Armin Wegener. Wegener hat seine Ausbildung in der Hotelbranche gerade abgeschlossen, jetzt trifft ihn der Lockdown hart. Nun gehört er zu den zahlreichen Mitarbeitern, die die Malteser angestellt haben, um die große Aufgabe in den Kreisimpfzentren auf der Messe und in Esslingen stemmen zu können.
Die beiden jungen Männer begleiten heute zwei medizinische Fachangestellte und den Mediziner Dr. Johannes Steinki. Bis zu seinem Ruhestand leitete Steinki eine Kinderarztpraxis in Böblingen, in der Corona-Pandemie meldete er sich sofort freiwillig für die Arbeit in den Impfzentren. „Ich bin ein absoluter Impfbefürworter“, erklärt der erfahrene Mediziner. „Es gibt einfach keine bessere Vorsorge.“ Der Kampf gegen die Corona-Pandemie motiviert den Arzt besonders: „Wir alle wollen doch zurück zur Normalität.“ Und das lasse sich eben durch die Impfungen am besten erreichen. Dennoch ist auch Steinki vorsichtig: Ein Mitarbeiter des Pflegeheims, der wegen einer Nussallergie Bedenken hat, wird von dem Mediziner vorerst zurückgestellt. Nach weiterer Abklärung kann dieser dann einen Termin im Kreisimpfzentrum wahrnehmen.
Nach einer halben Stunde sind an diesem Morgen alle Corona-Schnelltests ausgewertet. Das negative Testergebnis ist für alle Einsatzkräfte zur erleichternden Routine geworden. Vor dem Start des Mobilen Impfteams, das am heutigen Tag zwei Pflegeheime besuchen und dabei 62 Impfungen durchführen soll, steht aber noch eine Besprechung mit den anderen Mitarbeitern des Kreisimpfzentrums an, damit alle auf dem neuesten Stand sind. Im Impfzentrum ist die Stimmung gelöst, man grüßt sich freundlich. Es ist spürbar, dass alle hier an ihre Aufgabe glauben. Einzig die Versorgung mit den begehrten Impfstoffen könnte – wie überall in der Bundesrepublik – besser sein. Noch laufen die Impfzentren nur auf Sparflamme.
Die erste Station für das Mobile Impfteam ist heute das Seniorenheim „Geborgenheit“ in Neuffen. Die Heimleiterin Karin Weeger öffnet dem Team die Eingangstür, die derzeit aufgrund der Kontaktbeschränkungen ansonsten geschlossen bleibt, um die Besucher erfassen zu können. „Im Vorfeld gab es viel zu organisieren“, berichtet Weeger. So mussten Anamnesebögen für alle Impfwilligen erfasst werden – diese schildern die Vorerkrankungen der Bewohner und benennen die Medikamente, welche regelmäßig verabreicht werden. Unterlagen, die anschließend im Kreisimpfzentrum sortiert und für die MITs vorbereitet werden. So können die Mediziner der Mobilen Impfteams die wichtigsten Informationen später auf einen Blick erfassen und prüfen, ob einer Impfung etwas entgegensteht. Hinzu kommt: Können die Bewohner nicht mehr selbst für sich entscheiden, musste das Heim im Vorfeld auch Kontakt mit den rechtlichen Betreuern aufnehmen und deren Einwilligungen einholen. Es habe viele Diskussionen gegeben, am Ende hätten sich aber die allermeisten für die Impfung entschieden. „Wir hatten Corona bei uns im Haus“, erinnert Weeger. „Daher wussten alle, wie schlimm das ist. Wir haben sehnlichst auf die Impfungen gewartet.“
Vor Ort geht alles dann sehr schnell: Nach einem kurzen Gespräch gibt Dr. Steinki grünes Licht – und schon setzen die beiden medizinischen Fachangestellten die Spritze, um die Bewohner und Pflegekräfte zu impfen. Teilweise wird mit extra dünnen Nadeln gearbeitet, da viele Bewohner blutverdünnende Medikamente bekommen. Ein Eintrag im bekannten gelben Impfpass folgt. Das Impfteam übernimmt anschließend zusammen mit dem Pflegepersonal die obligatorische Nachbeobachtung der Impflinge, um bei etwaigen allergischen Reaktionen schnell reagieren zu können. Daher ist auch der Notfallrucksack mit medizinischer Ausrüstung ein ständiger Begleiter der Mobilen Impfteams – benötigt wurde diese Ausrüstung glücklicherweise aber noch nie. Stattdessen herrscht am Ende eine gelöste Stimmung im Neuffener Haus „Geborgenheit“. „Ich bin erleichtert, dass unsere Bewohner und Mitarbeiter jetzt fürs Erste geschützt sind“, sagt Heimleiterin Weeger. Noch stimmt dies allerdings nur zum Teil: In einigen Wochen wird ein Mobiles Impfteam erneut nach Neuffen kommen, um die Impfung dann mit der zweiten Dosis zu vervollständigen.
Für das Mobile Impfteam geht es nach der getanen Arbeit gleich zur nächsten Impfaktion in einem weiteren Pflegeheim. Um mit jeder Spritze der Corona-Pandemie ein wenig mehr entgegenzusetzen. Am späten Nachmittag kommen die Helfer dann wieder am Kreisimpfzentrum auf der Messe an. Am nächsten Morgen kommen die Einsatzkräfte der Mobilen Impfteams dann wieder zusammen – und treten zuerst zum Corona-Schnelltest an. Sicherheit geht vor, auch und gerade im Kampf gegen die Corona-Pandemie.