Reutlingen Luftschlösser werden Wirklichkeit

Reutlingen / MAREIKE MANZKE 26.08.2013
Schon von Weitem kam den Besuchern des Akti-Jubiläumsfests am Samstag der Backhausduft entgegen. Später strömender Regen tat der Feierlaune keinen Abbruch, man siedelte kurzerhand ins Haus um.

"Ich bin fast jeden Tag hier. Wenn es den Akti nicht gäbe, würde ich wohl fernsehen", erzählte der siebenjährige Habib Siendani. Wenn er da sei, springe er besonders gerne auf der Spinne, einer Art Netzttrampolin. Damit ist Habib eines von vielen Kindern, die im Dietweg 103, dem einzigen betreuten Spielplatz in Reutlingen, den Raum und die Gegebenheiten finden, um selbst spielerisch aktiv zu werden, anstatt sich passiv berieseln zu lassen.

"Die Arbeit draußen mit Hammer und Nagel, Feuer zu machen, die Elemente zu erfahren, das ist ein Wert, der heute mit den neuen Medien aktueller als je ist", stellte Klaus Schock vom Bund der Jugendfarmen und Aktivplätze fest.

Aber bereits in den Anfängen der Vereinsgeschichte fürchtete man, dass dieser Wert verloren ginge. "Damals beschlossen engagierte Studenten, die Gesellschaft neu zu ordenen, mit Taten und nicht nur mit Worten", erinnerte Vorstand Wolfgang Rätz reimend an die Anfänge.

Auch einige Ehemalige aus dieser frühen Zeit des Spielplatzes kamen am Samstag zur Feier, aber natürlich auch aktuelle Akti-Kinder mit ihren Familien. Ein ehemaliger Besucher war Julian Striebel. Weil es ihm dort immer so gut gefallen habe, stellte er zwei seiner Pferde für einen kleinen Ausritt auf der Wiese beim Hüttendorf zur Verfügung, so lange bis es zu stark regnete. "Man war hier immer aufgehoben, man konnte handwerklich arbeiten, es gab immer Aktivitäten und man traf Gleichaltrige", erinnerte er sich gerne zurück.

Als der Regen einsetzten, waren die Gäste dankbar für das wärmende Kesselgulasch und die Hardt Stompers, die mit Dixieland weiter Stimmung machten. Einige Kinder fürchtete unterdessen um die Wetterfestigkeit der selbst gezimmerten Hütte. Passend dazu lobte Ulrich Schubert vom Amt für Schulen, Jugend und Sport, dem Verein sei es gelungen, aus Luftschlössern von Jugendlichen etwas Solides zu bauen. "Seit 40 Jahren ist der betreute Platz eine gute Ergänzung zur Jugendarbeit der Stadt. Dass ein so kleiner Verein über so lange Zeit aktiv ist, ist unüblich und hat einen großen Applaus verdient", ergänzte er. "Besonders die Hauptamtlichen sind die Seelen des Platzes, die die Kinder immer unterstützen, Freiräume schaffen, und dennoch Grenzen setzen", sagte er anerkennend.

Die Finanzierung dieser Hauptamtlichen sei immer ein schwieriges Thema gewesen. Man habe am personellen Limit gearbeitet, schlug Schock danach kritische Töne an. Dabei verwies er als Gegenbeispiel auf Stuttgart, dass sich sage und schreibe 22 Aktivplätze leiste. Für die Zukunft wünsche er dem Verein daher die Sicherstellung und genügend Unterstützung für mindestens 40 weitere Jahre.

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