Pfullingen Lokaler Fotorealismus

Eckart Heber (links) hier mit seinem Kollegen und Freund Harald Schneider bei der Vernissage in der Pfullinger Stadtbucherei. Der frühere Kunsterzieher hat sich in seinem jüngeren Schaffen dem Fotorealismus gewidmet. Foto: Dorothee Werner
Eckart Heber (links) hier mit seinem Kollegen und Freund Harald Schneider bei der Vernissage in der Pfullinger Stadtbucherei. Der frühere Kunsterzieher hat sich in seinem jüngeren Schaffen dem Fotorealismus gewidmet. Foto: Dorothee Werner
DOROTHEE WERNER 01.10.2012
"Stadt - Land - Meer" ist die Ausstellung von Eckart Heber überschrieben, die am Freitagabend in der Stadtbücherei in Pfullingen eröffnet wurde. Die Einführungsrede hielt sein Kollege Harald Schneider.

Der Name Eckart Heber ist vielen in Reutlingen und Umgebung ein Begriff. War Heber doch von 1975 bis 2006 Kunsterzieher am Friedrich-List-Gymnasium in Reutlingen und hat Generationen von Schülern in seinem Unterricht künstlerisch geprägt.

So war es auch nicht überraschend, dass Heber seinen langjährigen Kollegen und Freund Harald Schneider bat, die Rede zur Vernissage zu übernehmen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Maximilian Merkle am Keyboard.

"Stadt - Land - Meer" heißen die verschiedenen Themen, mit denen sich Eckart Heber in den letzten Jahren intensiver beschäftigt hat. Der Künstler hat sich auf den Fotorealismus eingelassen. Dafür hat er Fotos aus Tageszeitungen oder aus Zeitschriften ausgewählt und diese dann malerisch kopiert. Meist in einem deutlich größeren Format. Die einzelnen Details werden mehr hervorgehoben und gewinnen dadurch mehr Kraft. Der Künstler möchte dahingehend sensibilisieren, dass der Betrachter seine Umgebung bewusster und genauer wahrnimmt.

Auf mehreren Bildern im Zyklus "Stadt" hat Heber eine BOSS-Tüte genau abgebildet. Die banale Einkaufstüte steht im Vordergrund, die Personen treten zurück. Heber interessiert der materielle Wert des Einkaufens, das Streben nach Waren, die Bilder werden zur Konsum-Metapher. Ein anderes Bild zeigt einen jungen Mann, der euphorisch einen Geldbeutel in die Höhe hebt. "Schnäppchen gemacht" lässt sich daraus interpretieren.

Einige Bilder zeigen Menschen von hinten. So etwa ein altes Paar, dass Kartoffelsäckchen hinter sich herzieht. Der beschwerliche Zustand des Alters ist unschwer zu erkennen. Die alten Beine treten den beschwerlichen Weg vom Markt nach Hause an. Was den Betrachter berührt, ist die zutrauliche Zweisamkeit der beiden Alten. Ein kleiner Hund ersetzt ihnen die Familie.

Rückenansichten von Menschen greift Heber auch im Zyklus "Meer" auf. Auf einem leeren Strandabschnitt stehen drei Menschen nebeneinander. Sie schauen auf das Meer hinaus. Ihre Armhaltung zeigt eine gewisse innere Anspannung. Etwas fesselt sie. Es drängt sich der Gedanke auf, dass sie etwas angaffen. Gaffen anlässlich eines Unglücks wie beispielsweise das der "Costa Concordia" Anfang dieses Jahres.

Ganz anders stellt Heber das dritte Thema "Land" dar. Hier malt Heber Landschaften der Umgebung. Vorwiegend den Reutlinger Hausberg, die "Achalm". Heber nähert sich dem Berg durch die Jahreszeiten hindurch. Er umrundet ihn, was immer wieder eine andere Gestalt und Ansicht des Berges ergibt. Diese Bilder sind teilweise mit wuchtigen Pinselstrichen gemalt.

Bilder von der Alb sind zu sehen. Ein Bild vom Lautertal gerät ein wenig aus der Reihe. Hier hat Heber die Flussaue, die Wacholderheide und die Felsen impressionistisch dargestellt.

Eckart Heber wurde 1942 in Reutlingen geboren. Er studierte an der Kunst-Akademie in Stuttgart bei den Professoren Neuner und Mansen. Seine erste Ausstellung hatte er 1972 in der Galerie Kunstregal in Reutlingen. Es folgten weitere.

Bekannt wurde er durch seine Reutlinger Galerienrundgänge in den 80er Jahren, kunsthistorische Studienreisen und öffentliche Malprojekte mit seinen Oberstufenschülern. Mehrfach hat er sich an der Reutlinger Kulturnacht mit offenem Atelier beteiligt.

Info Die Ausstellung "Stadt - Land - Meer" ist bis zum 16. November in der Stadtbücherei Pfullingen zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag - Freitag von 10 - 12 Uhr und von 15 - 18 Uhr. Samstag von 10 - 12 Uhr. stadtbuecherei@pfullingen.de