Oberbürgermeister Thomas Keck leitete den Austausch mit der US-amerikanischen Partnerstadt Reading, Kulturbürgermeister Robert Hahn übernahm den Vorsitz der Videokonferenz mit der ivorischen Partnerstadt Bouaké. Initiiert hatte die mittlerweile schon zweite Videokonferenz mit der Partnerstadt in den USA die Readinger Stadträtin Donna Reed, die auch die Moderation der Veranstaltung übernahm. Wie beim ersten Mal war wieder der Readinger Lokalfernsehsender BCTV beteiligt, der die Konferenz live ausstrahlte.
Ausgetauscht wurden Informationen zu Fallzahlen, geltenden Regelungen und Einschränkungen sowie Impfungen. Für Reutlingen fasste neben Bürgermeister Robert Hahn auch Barbara Bosch in ihrer Funktion als Präsidentin des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg die wichtigsten Einzelheiten zusammen. Die Ehrenbürgerin der amerikanischen Partnerstadt  freute sich, einige Readinger Freunde wiederzusehen. Für Reading berichtete Dr. Charles Barbera vom Reading Hospital, dass im Landkreis Berks County die Neuinfektionen zurückgehen und man vorsichtig optimistisch sei.

Kultur, Gastro und Handel in der Pandemie

Diskutiert wurden auch die Auswirkungen der Pandemie auf Kultur, Tourismus, Gastronomie, Einzelhandel, Schulen und Hochschulen in beiden Städten. Tom McMahon, früherer Bürgermeister von Reading und Vorsitzender der Friendship Group, will im Laufe der nächsten Monate mit den verschiedenen Akteuren der Städtepartnerschaft im Rahmen eines weiteren virtuellen Treffens Möglichkeiten besprechen, wie und wann bestimmte Austauschaktivitäten schrittweise wieder aufgenommen werden können. Reutlingens OB Keck und der Readinger Bürgermeister Eddie Moran betonten, dass es wichtig sei, die Städtepartnerschaft zu vertiefen und gerade auch in der Krise den Blick darauf zu haben, wie es den Menschen in den Partnerstädten gehe. Beide äußerten die Hoffnung, dass bald wieder persönliche Begegnungen stattfinden können.    
Bürgermeister Robert Hahn und Bouakés Bürgermeister Nicolas Djibo sowie zehn weitere Teilnehmer aus Reutlingen und Bouaké „trafen“ sich ebenfalls zum virtuellen Austausch. Gesprächsthemen waren die aktuelle Corona-Situation und die Präsidentschaftswahlen in der Côte d’Ivoire, das Projekt „Nachhaltige Stadt Bouaké“ sowie das Jubiläum 50 Jahre Städtepartnerschaft Reutlingen-Bouaké. Im Gespräch wurde deutlich, dass die Corona-Lage in Deutschland ungleich schlechter ist als in der Elfenbeinküste. Eine Impfkampagne für mehrere tausend Menschen soll dort Anfang März beginnen.

Geübt im schnellen Handeln

Über die Ursachen, weshalb die Côte d’Ivoire und andere afrikanische Staaten nicht so stark von der Pandemie betroffen sind, wird viel diskutiert. Ein Grund könnte die Bevölkerungsstruktur sein: 38 Prozent der dort lebenden Menschen sind unter vierzehn Jahre alt. Ein weiterer Punkt könnte das Know-how in der sofortigen Umsetzung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln sein. Die Einwohner der Republik Côte d’Ivoire sind seit dem Ausbruch der hochansteckenden, meist tödlich verlaufenden Ebola-Viruskrankheit vor einigen Jahren im schnellen Reagieren zum Schutz vor Viren geübt. Zudem spielt sich das Leben weitgehend im Freien oder nicht geschlossenen Räumen ab.

Wahlen in der Elfenbeinküste

Ein weiteres Thema war die Präsidentschaftswahl in der Côte d’Ivoire im vergangenen Herbst. Auf die Frage nach dem Verlauf der Wahl berichtete Bürgermeister Djibo, dass es bei der Durchführung am 31. Oktober zu gewalttätigen Protesten kam, bei denen 87 Menschen starben. Inzwischen habe sich die Lage normalisiert. In der Wahl wurde der bisher amtierende Präsident Alassane Ouattara für eine dritte Amtszeit bestätigt, allerdings bei einer Wahlbeteiligung von 53,9 Prozent. Die Opposition wollte das Ergebnis zunächst nicht anerkennen. Am 6. März finden die Parlamentswahlen statt, danach tritt die neue Regierung zusammen. Bürgermeister Djibo betonte, wie wichtig eine stabile politische Lage für Kooperationen der Côte d’Ivoire mit anderen Staaten sei.

Arbeitsplätze schaffen: Reutlingen soll helfen

Ein weiterer wichtiger Besprechungspunkt in der Videokonferenz war das Projekt „Nachhaltige Stadt Bouaké“, für das die ivorische Partnerstadt einen Zuschuss aus dem EU-Förderprogramm EuropeAid beantragt und inzwischen die Zuschussbewilligung erhalten hat. Mit diesem Programm unterstützt die Europäische Kommission Vorhaben außerhalb der Union. Einer der Förderschwerpunkte liegt auf nachhaltiger Entwicklung, insbesondere durch Etablierung von Bildungsprojekten und durch Schaffung von Arbeitsverhältnissen unter menschenwürdigen Bedingungen. Voraussetzung ist eine bestehende kommunale Partnerschaft mit einer Stadt innerhalb der EU. Auf Wunsch der Stadt Bouaké beteiligte sich Reutlingen als Mitantragsteller an diesem Projekt.
Reutlingens Aufgabe wird in erster Linie die fachliche Beratung bei der Umsetzung von Maßnahmen in Bouaké sein. Die Stadt Bouaké verfolgt mit dem Projekt drei Hauptziele: Die Förderung der ökologischen Stadtentwicklung der Stadt Bouaké, Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Menschen und Schaffung von Grundlagen für den Einsatz kohlenstoffarmer Technologien als Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.
Am Ende des Austauschs äußerten beide Bürgermeister die große Hoffnung, dass man im Jahr 2022 die Aktivitäten nachholen könne, die 2020 der Pandemie zum Opfer fielen – allen voran die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Verbindung zwischen Reutlingen und Bouaké.