Was man so alles werden kann, nachdem man eines der Beruflichen Gymnasien in Reutlingen oder in Bad Urach besucht hat – Gesichtschirurg mit eigener Praxis etwa, wie Dr. Jochen Kuder, der sein Abitur 1993 am Reutlinger Wirtschaftsgymnasium der Theodor-Heuss-Schule absolvierte. Oder Stefan Schweitzer ebenfalls ein Absolvent der selben Schule, der heute als Abteilungsleiter an der Stuttgarter Börse arbeitet. Oder auch Mario Storz, der 2002 sein Abitur dort schaffte und heute Bürgermeister in Engstingen ist.

Zum 50-jährigen Bestehen der Beruflichen Schulen im Land sowie zum Tag der Bildung am 8. Dezember hatten die Beruflichen Schulen im Landkreis Reutlingen am Montag zu einer Begegnung geladen zwischen heutigen Schülern in den vier Reutlinger Beruflichen Schulen sowie mit Absolventen, deren Abitur an einer der Einrichtungen schon eine Weile zurückliegt. So etwa Hans-Dieter Willim, der vor 44 Jahren den Abschluss am Technischen Gymnasium der Ferdinand-von-Steinbeis-Straße hinter sich brachte, heute Konstruktionsleiter bei der Firma Liebherr in Ehingen ist.

Oder sein damaliger Mitschüler, Manfred Stahl, der als erfolgreicher Bauingenieur an die Kerschensteinerschule wechselte und dort als Lehrkraft arbeitet. Dr. Frank Walliser hat 1989 sein Abitur ebenfalls am Technischen Gymnasium absolviert und ist heute Leiter des Motorsports bei der Porsche AG.

Lauter Erfolgsgeschichten, die an der Achalm ihren Anfang nahmen. Alle Absolventen waren sich am Montag in einem sicher: „Es war damals genau die richtige Entscheidung, am beruflichen Gymnasium hier in Reutlingen die Grundlagen für das Studium zu legen“, sagte etwa Walliser. Das erste Semester habe er sich „fast schenken können“, weil die Vorbereitung an der Schule so gut gewesen sei. Möglich ist, an den Wirtschaftsgymnasien der Reutlinger Theodor-Heuss-Schule und der Georg-Goldstein-Schule in Bad Urach das Abitur anzugehen, an der Laura-Schradin-Schule gibt es die beruflich gymnasiale Ausrichtung Biotechnologie, Ernährungs- oder Sozialwissenschaften. Hinzu kommen die Technischen Gymnasien an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule sowie an der Kerschensteinerschule, hier in die Richtung Gestaltungs- und Medientechnik. An der beruflichen Schule in Münsingen gibt es keine Möglichkeit, das Abitur zu machen. „Landesweit haben 36 Prozent aller Abiturienten ihre allgemeine Hochschulreife an beruflichen Gymnasien erreicht“, betonte Horst Kern als Leiter der Theodor-Heuss-Schule. 2016 hätten in Reutlingen 520 Schüler ihr Abitur an allgemeinbildenden Gymnasien absolviert, 379 an der beruflichen Variante.

Für die heutigen Schüler einer der vier beruflichen Gymnasien in Reutlingen war die Anwesenheit der „Ehemaligen“ mit Sicherheit Ansporn – und auch Bestätigung, den richtigen Schritt vollzogen zu haben. Genau das betonten auch die jungen Menschen bereits. So zum Beispiel Anita Schallenberg: „Ich war vorher auf dem allgemeinbildenden Gymnasium und hatte schon in der 7. Klasse das Gefühl: Irgendwas stimmt da nicht.“ Als sie sich informierte, habe das Wirtschaftsgymnasium mit deutlich mehr Praxisbezug sie angesprochen. Besonders das Fach Finanzmanagement fasziniere sie heute, den Wechsel an die Theodor-Heuss-Schule habe sie nie bereut. „Hier herrscht eine andere Denkweise“, so Schallenberg. Sie sei dankbar und fühle sich bestens auf ihre Zukunft vorbereitet. „Das war die beste Entscheidung, hierher gegangen zu sein.“

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Schüler haben 2016 in Reutlingen ihr Abitur an einem beruflichen Gymnasium absolviert.