Lichtenstein Lindenholz aus Oberammergau

Lichtenstein / JÜRGEN HERDIN 25.11.2013
Fast wie in den alten Zeiten der Prunksitzungen im Ort: Peter Blötscher stieg anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Krautscheißer in die Bütt. Und der "Altvordere" Gerd Göbel erinnerte an die Anfänge.

Nein, es ist - in unseren Breitengraden jedenfalls - noch nicht Faschingszeit. In diesem Falle jedoch sind Ausnahmen sicher erlaubt. Zu ihrem Jubiläum, dem ersten Vierteljahrhundert der Narrenzunft Krautscheißer, ertönte deren "Markenname" gleich dreimal, und das aus über 400 Kehlen in der Lichtensteinhalle.

Einem Dorf-Geistlichen sollen nach der Überlieferung rebellische und gleichermaßen närrische Unterhausener einst einen stinkenden Haufen in den Garten gesetzt haben. Es dauerte ein paar Jahrhunderte, bis sich die Spitzen beim Musikverein Unterhausen dann einmal sagten: "Wir haben eigentlich alles, sogar einen Elferrat. Doch es fehlt uns noch eine Maskengruppe".

Daran erinnerte beim Jubiläumsfest Gerd Göbel. Er gehört zu den Urvätern der 1988 offiziell gegründeten "Krautscheißer" zusammen mit Cäcilia Dietmann, Hartmut Drechsler und dem - mittlerweile verstorbenen - Dietmar Abele.

An Göbel hatten die beiden heute amtierenden Zunftmeister Katja Thomas und Vize Stephan Blötscher die Bitte, über das Werden der Zunft zu berichten. Doch Gerd Göbel, der wusste, "dass ich da in zwei Stunden noch nicht fertig sein würde", beschränkte sich beim unterhaltsamen Festakt dann darauf, auf humorvolle Weise über das Häs und dessen Maske obendrauf zu sprechen. Eine ganze Menge Hürden waren da zu überwinden, erinnert sich Göbel.

Das Lindenholz für die Ur-Maske hatte er eigens aus Oberammergau geholt - wobei die Diskussion über das Antlitz des Krautscheißers, gelinde gesagt, recht heftig gewesen sei. Mehrfach musste auch das textile Material des Häs umgearbeitet werden - denn anfänglich wars darin viel zu heiß. Und die Krautscheißer bekamen als Pendant bald die in Weiß gewandeten "Kochhäfen".

Bald waren die Krautscheißer in den Olymp der Narrenzünfte aufgestiegen, wurden Mitglied der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte. Heute zählen die Krautscheißer bereits 250 Mitglieder, vor allem aber ist erfreulich, dass so viele junge Leute dabei sind. Eine spaßige Reise in der Zeitmaschine machten eingangs die "Zunftine" Katja Thomas und ihr Stellvertreter Stephan Blötscher. Auf der Bühne waren sie, toll gespielt von den Kindern Kathrin und Philipp Bussmann, auf einmal 25 Jahre jünger. Die Kleinen bewegten nur die Lippen, der O-Ton kam aus dem Off von Katja und Stephan heute.

Über zwei Dutzend befreundete Narrenzünfte aus dem Land waren nach Unterhausen gekommen, samt anderen Narrengruppen und Guggen-Musikern. Und natürlich waren auch die Lichtensteiner "Wurzelsepp", die "Schlosswölfe" und die "Burgstoihexa" am Samstag mit von der Partie.

Die Schalmeiengruppe der Krautscheißer spielte fetzige Lieder, nur die "hauseigene" Guggenmusik "Loco" wurde vermisst. Die Damenriege, bestehend aus ehemaligen Tanzgarde-Mädels, ist erst unlängst in Pension gegangen. Dafür gab es von einer Theatergruppe der Loco- Kinder ein tolles Schauspiel. In Eigenregie hatten sie einen turbulenten Ausschnitt aus den "Sieben Zwergen" inszeniert.

Nicht fehlen durfte freilich Peter Blötscher. Der ehemalige Elferratspräsident war nach langer Zeit wieder einmal in die Bütt gestiegen. Legendär sind seine Auftritte bei den großen Prunksitzungen, und ein wenig von seinem Können ließ der Pfälzer am Samstag wieder aufblitzen. Ein wenig. Denn als Traditionalist in Sachen "Fassenacht" wollte Blötscher nicht zu Unzeiten eine klassische Büttenrede halten.

Dafür überraschte er mit einem Outfit von hälftig Kochhafen und Krautscheißer, um den Hals trug er eine Schalmei. Unter großem Applaus entblätterten ihn die beiden Zunftmeister, Sohn Stephan und Katja Thomas. Darunter kam dann die klassische, rote Elferrats-Präsidenten-Uniform zum Vorschein.

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