Reutlingen Lichtkunst interaktiv

Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 04.04.2015
Licht wird wieder ein Leitmotiv sein: Kulturnacht-Schwärmer können am 26. September sogar selbst aktiv werden. Der Runde Tisch Kultur tagte in der Hochschule. Dabei ging es auch um das Projekt "SkypeLab".

Dass die im Zweijahresrhythmus steigende Kulturnacht wieder ein Erfolg wird, daran zweifelt vom Verein "Netzwerk Kultur" niemand. Auch bei der fünften Auflage am 26. September wird die Achalmstadt wieder leuchten. Denn bunt illuminiert soll es nicht nur auf dem Marktplatz zugehen. Auch auf dem Fabrikgelände von Still Wagner, im Spitalhof oder im Wendler-Areal werden interaktive Lichtinstallationen die Auftritte lokaler und regionaler Künstler begleiten. Konzert- und Partygänger sollen ebenso angelockt werden wie Freunde der leichteren Muse. Sonderausstellungen wechseln mit Lesungen, Filmvorführungen mit Ausschnitten aus Theaterstücken.

Ramona Rath vom Verein Netzwerk Kultur Reutlingen stellte beim Runden Tisch Kultur in der Hochschul-Aula die Eckpunkte des anstehenden Kulturmarathons vor. Dabei erwähnte sie auch einige bereits feststehende Highlights: In der Stadthalle soll es eine lange Tanznacht geben, im franz.K ist ein großes Flüchtlingsprojekt geplant, und im Amtsgericht läuft wieder passend zum Ambiente eine lange Kriminacht. Des Weiteren wird das Restaurant Rebstöckle zum Dunkelcafé umfunktioniert. Auf dem Still-Wagner-Gelände sollen an zwei Abenden zwei Bühnen bespielt werden.

Natürlich sind auch wieder bewährte Spielorte wie die Stadtbibliothek, Museen und Galerien, das Tonne-Theater, das Matthäus-Alber-Haus, mehrere Kneipen und Kulturveranstalter mit im Boot und werden "zum Schauplatz der vielfältigen Reutlinger Künstlerszene", sagt Edith Koschwitz, Geschäftsführerin des Vereins Netzwerks Kultur.

Die Kulturnacht hatte sich ja schon immer - etwa mit den glühwürmchenhaft glimmenden Eintrittskarten - mit dem Thema Licht beschäftigt. 2015 wird erstmals eine neue Form der Lichtkunst auf dem Marktplatz präsentiert: Besucher können sich eine App herunterladen, mit der sie eigens Klang-Illuminationen an bestimmten Punkten auf umliegenden Hausfassaden abrufen können. So werden Kulturnacht-Schwärmer selbst zu aktiven Programm-Machern: "Wir sind gespannt, wie dieses Angebot angenommen wird", sagt Ramona Rath.

Personell vermeldet der seit 2008 bestehende Verein Netzwerk Kultur, dessen Mitglieder das Organisationsteam der Kulturnacht stellen, auch diverse Änderungen. Erster Vorsitzender ist nun Gerhard Loew, zweiter Vorsitzender Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele. Im künstlerischen Beirat sitzen Geschäftsführerin Edith Koschwitz, Ramona Rath und Galerist Reinhold Maas.

Ab Mai bis Mitte Juni können sich interessierte Künstler und Raumanbieter über ein standardisiertes Anmeldeformular für die Kulturnacht bewerben - die Web-Adresse lautet: www.netzwerk-kultur-reutlingen.de. Gesucht werden im Übrigen noch Sponsoren und weitere Helfer über 18 Jahre.

Neben dem Bericht über den Stand der Kulturnacht-Planung standen noch zwei weitere Themen beim Runden Tisch Kultur zur Debatte, der regelmäßig an wechselnden Standorten tagt.

Zum einen informierte Hochschul-Präsident Prof. Dr. Hendrik Brumme über die aktuelle Entwicklung der Hochschule Reutlingen, und Prof. Henning Eichinger stellte das bereits im Oktober 2014 erfolgreich angelaufene künstlerische Forschungsprojekt "SkypeLab" vor (siehe Info).

"SkypeLab", ein künstlerisches Hochschul-Projekt in Shanghai, Melbourne und Reutlingen

Grundlage Bei "SkypeLab" geht es darum, Auswirkungen von Globalisierung und Internationalisierung mit Hilfe digitaler Kommunikation via Skype zu untersuchen. Bisher beteiligen sich an dem Projekt, das von der Baden-Württemberg-Stiftung mit 70 000 Euro gefördert wird, drei Hochschulen aus Shanghai, Melbourne und Reutlingen. Ziel ist es, eine Verbindung der traditionellen künstlerischen Techniken Malerei und Zeichnung mit aktuellen digitalen Technologien zu schaffen.

Konzept Dazu porträtieren sich regelmäßig jeweils vier Masterstudenten der drei Universitäten mittels einer besonderen Zeichentechnik, der Blindzeichnung, und untersuchen die Wirkung der Bilder im öffentlichen Raum und in sozialen Netzwerken. Das Reutlinger Projekt stößt nicht nur bei den beteiligten Hochschulen auf großes Interesse, sondern wird in naher Zukunft auch bei internationalen Messen und Ausstellungen in Shanghai, Boston und Rio de Janeiro vorgestellt.

Ausstellung Im Februar 2016 kommt das künstlerische Forsschungsprojekt "SkypeLab" dann nach Reutlingen - als Ausstellung in der Städtischen Galerie Stiftung (Eberhardstraße).

JS

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