Reutlingen Lichtklavier und Klangroboter

Reutlingen / OTTO PAUL BURKHARDT 30.11.2015
Die audiovisuelle Reihe "Sonic Visions" geht weiter. Am 3. Dezember, 20 Uhr franz.K, steigen zwei Performances: "hammerhaus" und "Sonic Robots".

Zwischendurch ließ die anfängliche Euphorie, ließ das Interesse etwas nach. Doch jetzt am Donnerstag will sich die Reihe "Sonic Visions" mit neuem Schwung wieder präsentieren, versprechen Fried Dähn und Thomas Maos, die beiden künstlerischen Leiter.

Zu Gast im franz.K sind "zwei gegensätzliche Performances", erzählt Dähn, die aber auch "deutliche Gemeinsamkeiten" aufweisen. Denn beide treten mit eigens entwickelten Instrumenten an.

Hinter der audiovisuellen Live-Performance "hammerhaus" mit Ambient-Texturen und Minimal Beats stehen Kurt Laurenz Theinert mit seinem "visual piano", einem Lichtklavier, und Axel Hanfreich, der für die Beats und Loops zuständig ist. Ein sehr "groovebetontes" Projekt, "clubtauglich, tanzbar".

"Sonic Robots" wiederum nennt sich die Performance, mit der Moritz Simon Geist durch die Lande tourt. Der 34-jährige Dresdner mit Klassik- und Ingenieurs-Ausbildung hat eine regelrechte Apparate-Landschaft aus analogen Drum-Computern und Schalt-Relais konstruiert, die an eine Modelleisenbahn erinnert. So strahlt diese Präsentation auch "etwas Sinnliches, Haptisches" aus, erläutert Thomas Maos. Hier machen Roboter, Automaten, live elektronische Musik, gekoppelt mit einer Lichtschau. Wie klingt's? "Wie verspielter Techno", sagt Dähn. Geist war auch beim Mannheimer Festival B-Seite dabei, seine "Sonic Robots" seien "der beste audiovisuelle Act derzeit".

Noch ein Blick voraus: Am 4./5. Mai 2016 soll im franz.K eine große, 100-minütige Collage zu "100 Jahre Dada" steigen. Die Philharmonie ist involviert, das Tonne-Theater auch - mit 36 Musikern, einem Doppelorchester, zwei Dirigenten, fünf Schauspielern und mehr. Es soll "keine museale Darbietung" werden, betont Maos. Das Projekt will eher der Frage nachgehen: Wie könnte der Dada-Spirit heute aussehen? Dähn plant eine Dekonstruktion von Beethovens Neunter, eine quasi-aleatorische Präsentation von Partiturseiten nach dem Zufallsprinzip, in guter, auch provokanter Dada-Tradition ein "komplettes Tohuwabohu" mit Hintersinn.

"Sonic Visions" geht also mit frischem Wind weiter. 2017, ergänzt franz.-Geschäftsführer Andreas Roth, soll dann ein großes "Sonic Visions"-Festival steigen.