Reutlingen Leseraktion: Trude Heck führt im Jubiläumsjahr durchs Naturtheater

Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 30.08.2013
Zum Abschluss der Spielzeit bekamen Leser unserer Zeitung eine abwechslungsreiche Führung durch die Katakomben des Naturtheaters. Sachkundig erzählte Trude Heck, wie es hinter den Kulissen zugeht.

Es sieht aus wie bei einem Filmset von "Alice im Wunderland", aber wir befinden uns im Requisitenhaus des Naturtheaters. Zwischen einem dreisitzigen Fahrrad, einem überdimensionalen Einkaufswagen aus dem Stück "Linie 1", farbigen Papierblumen und riesigen Buntstiften haben hier Unmengen von Utensilien aus früheren Stücken ein Zuhause gefunden.

Die meisten kennen das 1928 eröffnete Freilichttheater im Wasenwald ja nur von der 1012 Zuschauer fassenden Tribüne aus. Nun konnten sich Leser unserer Zeitung einen Eindruck verschaffen, was hinter den Kulissen gespielt wird und mit welchen Unzulänglichkeiten die Theatermacher sonst so zu kämpfen haben: "Dieses Jahr hat uns das Wetter besonders übel mitgespielt", erzählt Kostümverwalterin Trude Heck: "Im März starteten die Proben mit Schnee, dann regnete es ohne Ende, und während der Spielzeit war es oft zu heiß." Und dann war da ja auch noch der Hagelsturm, der während einer gut besuchten Vorstellung auf das Naturtheater niederging, bei dem aber Dank des funktionierenden Krisenmanagements niemand zu Schaden kam. Die 90-minütige Führung startete auf der großen Freilichtbühne, wo seit Anfang Juni bis zum letzten Wochenende "In 80 Tagen um die Welt" und "Mein Freund Wickie" aufgeführt wurden. Fast 30 000 Theaterbegeisterte besuchten in dieser Spielzeit das Naturtheater, das bedeutet Zuschauerrekord in der 150-jährigen Vereinsgeschichte (wir berichteten). Trude Heck erzählte, dass die Bühne jedes Jahr von Ehrenamtlichen aufgebaut wird und dass es seit 2005 eine Art Festbühne gibt. Direkt hinter der Drehbühne wurde erstmals ein Zelt aufgeschlagen, "um beim Erwachsenenstück die rasanten Kostümwechsel zu bewältigen".

Weiter ging die Führung durch die "Opiumhöhle", vorbei an den Werkstätten und hinein in das Requisitenhaus, wo die Theaterluft förmlich zu riechen ist. Manche von den alten Requisiten kennen treue Theaterbesucher schon, so wie den grauen afrikanischen Elefanten, der schon öfters seinen Dienst auf der Bühne verrichtete. Danach ging es in die Maske, wo die Schauspieler geschminkt und ihre Perücken angepasst werden. Während der 1950er Jahre war das Trude Hecks Reich, seit den 60ern kümmert sie sich jedoch neben ihren Auftritten als Darstellerin um die rund 4000 Kostüme, die in einem großen Raum gelagert sind.

Dieses Jahr wurden allein mehr als 200 Kleider und Anzüge für die diversen Naturtheater-Stücke benötigt. Zudem können neben dem Theater auch Privatleute Biedermeier-Kostüme, Herren-Fräcke, Rokoko-Hüte und Königsgewänder ausleihen - etwa für Fasching, Hochzeiten und andere Festlichkeiten. Eine der Besucherinnen wollte wissen, ob bei so vielen Kostümen nicht die Gefahr bestehe, dass sich Motten einnisten. "Woher denn", antwortete Trude Heck, "wir halten die Kostüme alle sauber, sie kommen regelmäßig in die Reinigung oder werden in der hauseigenen Waschmaschine gewaschen."

Man lernt: Wer mal von der Theaterluft geschnuppert hat, kommt so schnell nicht mehr davon los. Wie Trude Heck, die bereits seit 1941 vor und hinter den Kulissen agiert und noch immer mit viel Herzblut dabei ist. Wie im Flug vergingen die anderthalb Stunden - nicht nur für die junge Helen aus Dettingen und ihre Freundin Susi aus Bad Urach, die sich nach der Führung ganz sicher waren: "Im nächsten Jahr wollen wir unbedingt selbst mitspielen!"

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