Vier Tote und 13 Verletzte in den vergangenen drei Jahren: Die Stuhlsteige ist fraglos ein Unfallschwerpunkt. Was noch deutlicher wird, wenn man die Entwicklung seit 1982 betrachtet.  14 Tote und 50 Verletzte listet die Stadt in einer Gemeinderatsdrucksache auf, die bei der Sitzung am Dienstagabend Thema war – und im Gremium für Ärger sorgte. Denn aus der Vorlage geht eindeutig hervor, dass das Landratsamt keine weiteren Geschwindigkeitsbegrenzungen ausweisen wird, obwohl sich die schweren Unfälle häufen.

Äußerst desolaten Zustand

Die Stuhlsteige, einer der wichtigsten Albaufstiege der Region, ist in einem äußerst desolaten Zustand. Sie ist ein Wellental und mit Schlaglöchern gepflastert – „und sie wird unabhängig hiervon immer mehr als Rennstrecke von Motorrad- und Autofahrern missbraucht“, heißt es von Seiten der Stadt, die die Unfallzahlen mit Hilfe von Feuerwehr-, Bergwacht- und Polizeiberichten addiert hat, um bei einem Ortstermin mit Vertretern des Landratsamts und des Polizeipräsidiums mit Fakten aufwarten zu können. Genutzt hat die Auflistung der schweren Unfälle nichts. Eine eigens gebildete Kommission kam zu dem Ergebnis, dass keine Mängel im Verkehrsraum  festgestellt werden können und die tragischen Unfälle auf das individuelle Fehlverhalten der Fahrzeugführer zurückzuführen sind. Eine Erkenntnis, die Ordnungsamtsleiter Manfred Wolf für die Stadträte wie folgt zusammenfasste: „Im Klartext heißt das, dass die Leute zu riskant und zu schnell fahren. Sie überschätzen ihr eigenes Fahrvermögen mit der Folge, dass es zu Unfällen kommt“.

Strecke offenbar kaum überwachen

Das Land und das Straßenbauamt, in deren Verantwortungsbereich die Straße fällt, gehen wohl aber auch deshalb nicht auf die Forderung der Stadt ein, auf der kompletten Steige Tempo 70 auszuweisen, weil sich die Strecke offenbar kaum überwachen lässt, also gar nicht kontrolliert werden kann, ob weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen eingehalten werden. Trotzdem hat die Polizei zugesagt, künftig präsenter zu sein – und die Pfullinger haben sich auf die Suche nach anderen Lösungsmöglichkeiten für das Problem gemacht.

Zur Sensibilisierung vor allem der Motorradfahrer sollen, so hat’s der Gemeinderat am Dienstag beschlossen, entsprechende Informationstafeln an der Stuhlsteige bergwärts etwa auf Höhe des Stollhofs und talwärts am Ruoffseck aufgestellt werden. „Andernsorts haben solche Schilder Wirkung gezeigt. Manche Leute muss man einfach auf diese Weise vor sich selbst schützen“, warb der stellvertretende Bürgermeister Martin Fink, der die Sitzung für den erkrankten Michael Schrenk leitete, für die Aufstellung der Warntafeln. Die kamen allerdings nicht bei allen Stadträten so gut an wie gedacht. Walter Fromm (SPD) regte sich vor allem über die „Stigmatisierung der Motorradfahrer“ auf – denn nur sie waren auf den Beispiel-Schildern, die der Ordnungsamtsleiter ausgesucht hatte, zu sehen. Das endgültige Motiv, konnte Wolf Entwarnung geben, stehe aber noch gar nicht fest. Es wird in Zusammenarbeit mit der Verkehrsdirektion und dem Landratsamt ausgesucht. Traude Koch (GAL) mahnte indes an, an der „Tempo-Sache“ dranzubleiben und Sven Hagmaier (UWV) erzürnte  „die arrogante Aussage“ der Kommission, dass Geschwindigkeitsreduzierungen nicht zielführend und auch nicht kontrollierbar seien. „Einen Kasten kann man überall hinstellen. Da muss man nochmal zum Landratsamt gehen und mit denen schwätzen“, machte er sich für den Aufbau von Blitzgeräten stark.

Letztlich genehmigten die Räte die Investition von 2000 Euro für die Warntafeln, auch wenn das Thema Stuhlsteige für sie deshalb noch längst nicht erledigt ist. Wenigstens, so Martin Fink, sei ja mittlerweile ein 1,3-Million-Euro-Zuschuss für den ersten Schritt der abschnittsweisen Sanierung der Landesstraße zugesagt. Wann genau die Arbeiten beginnen und wie lange sie dauern ist allerdings noch nicht geklärt.

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