Etappe 1: Von Walddorfhäslach nach Trochtelfingen

8.45 Uhr Ankunft in Walddorfhäslach auf dem „p&m“-Parkplatz. Hier stelle ich das Auto ab - und hierhin will ich im Laufe des Tages irgendwie wieder zurückkommen.

9.15 Uhr Mit 20 Minuten Verspätung beginnt der Bus-Test: Der Flughafenschnellbus „Expresso“ braust heran. Im Bus bestätigt sich eine böse Vorahnung: Die Verspätung hat mich glatt meinen ersten Anschlussbus nach Trochtelfingen gekostet.

9.40 Uhr Ankunft am Reutlinger ZOB und es regnet in Strömen. Vor mir liegt eine rund zweistündige Pause – denn erst um 11.35 Uhr fährt der nächste Bus in Richtung Trochtelfingen. Die Ferienzeit ist nur bedingt schuld an der miesen Anbindung: Auch an Schultagen fahren nicht deutlich mehr Busse.

11.38 Uhr Pünktlich startet die Linie 7606 auf die Alb. Vom ursprünglichen Trochtelfingen-Plan weiche ich nach einem Gespräch mit dem Busfahrer und einem Blick in die Naldo-App ab – denn von dort aus kommt man nur mit drei oder vier Umstiegen weiter nach Zwiefalten. „Sie hätten vielleicht mehr Glück, wenn der Schulfahrplan gelten würde“, tröstet mich nun auch der freundliche Busfahrer mit dem urschwäbischen Dialekt.

12.11 Uhr In Großengstingen ist nun also Endstation. Immerhin an „Deutschlands schönster Bushaltestelle“ (was zumindest auf einem Schild steht). Die Naldo-App funktioniert nur noch eingeschränkt: Manche Handyanbieter haben hier keinen Empfang. Zwei Frauen aus dem Ort unterhalten sich während der Wartezeit über den Wohnungsmarkt – Busfahren scheint geselliger zu sein, wenn nicht im Zehnminutentakt einer fährt.

Abschnitt 1: Von Walddorfhäslach nach Trochtelfingen.
© Foto: privat

Etappe 2: Von Großengstingen nach Zwiefalten

12.46 Uhr Jetzt läuft es langsam rund: Mehr als pünktlich taucht der 7607er-Bus an „Deutschlands schönster Bushaltestelle“ auf. Über Hohenstein geht es Richtung Hayingen und dann schließlich an den südlichsten Landkreis-Zipfel: nach Zwiefalten. Ein Blick auf die Naldo-Netzkarte zeigt, dass die Engstinger noch ziemlich gut angebunden sind: Von dort aus kommt man immerhin in jede Landkreis-Richtung. Auch Pfullingen und Eningen werden noch relativ gut bedient. Wer dagegen in Trochtelfingen, Hohenstein, St. Johann, Sonnenbühl oder Pfronstetten wohnt, hat Pech: Diese Gemeinden werden nur von einer oder zwei Buslinien angefahren – und das auch nicht oft.

13.30 Uhr Nur fünf Personen sind während der Fahrt eingestiegen. Sogar fünf Minuten zu früh erreicht der Bus also die Endhaltestelle in Zwiefalten. So schnell kommt man von hier dann aber auch nicht mehr weg, das offenbart spätestens der Blick auf den Fahrplan: Erst vier Stunden später fährt der nächste und zugleich letzte Direktbus nach Münsingen. Alternativ wären noch Busse nach Upflamör, Bernloch, Engstingen oder Pfronstetten. Das hilft aber nur eingeschränkt weiter, wenn das eigentliche Ziel Münsingen ist.

14 Uhr Die 17-jährige Emilia hat frisch ihr Abitur gemacht und bedient jetzt in der Klosterbräu-Gaststätte in Zwiefalten. Sie bestätigt: „Ja, das ist schwierig hier mit den Busverbindungen.“ Ihre Kollegin aus Trochtelfingen ergänzt, dass man eigentlich fast auf einen Führerschein angewiesen ist – besonders, wenn man Gastro-Arbeitszeiten hat. Naja: Immerhin hat Zwiefalten viele schöne Gaststätten, in denen man die lange Wartezeit ziemlich gut überbrücken kann.

Abschnitt 2: Von Großengstingen nach Zwiefalten.
© Foto: privat

Etappe 3: Von Zwiefalten nach Münsingen

17.38 Uhr Drei Personen warten schließlich gemeinsam mit mir auf den letzten Bus nach Münsingen. Auch dieser Busfahrer ist wieder super freundlich und gut gelaunt. Ein paar unserer Follower auf Instagram und Facebook hatten von unfreundlichen und nicht zuvorkommenden Busfahrern in diesem Gebiet berichtet – Erfahrungen, die ich (zumindest nach einer Tour) nicht teilen kann. Nur wenige Autos kommen uns auf der Fahrt durchs Lautertal entgegen und die Landschaft lässt sich bei mittlerweile blendendem Wetter genießen.

Andere Follower haben sich besonders über die Anbindung der Münsinger und Hayinger Teilorte beklagt. Wer täglich von dort oder dorthin pendeln muss, habe es schwer, wurde geschrieben.

Abschnitt 3: Von Zwiefalten nach Münsingen.
© Foto: privat

Etappe 4: Von Münsingen nach Bad Urach

18.22 Uhr Wir erreichen Münsingen – und dort auch absolut problemlos den Anschlussbus nach Bad Urach. Zum Abschluss geht es eine Stunde lang quer durch die Teilorte von St. Johann. Alternativ wäre ein Direktbus gewesen, der nur halb so lange benötigt bis zum Uracher Bahnhof.

In einer der jüngsten Kreistagssitzungen hatte Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann betont, dass die Gemeinden der Vorderen Alb definitiv noch besser an Urach selbst angebunden werden müssen. Wenn der Kurort mit Fertigstellung der Regionalstadtbahn zu einem Knotenpunkt werden soll, müsse man auch den Zubringerverkehr verbessern.

Abschnitt 4: Von Münsingen nach Bad Urach.
© Foto: privat

Etappe 5: Von Bad Urach nach Walddorfhäslach

19.25 Uhr Irgendwann verlässt auch einen noch so passionierten ÖPNV-Nutzer die Lust: Ich lasse mich schließlich von einem Bekannten in Bad Urach abholen. Wobei der Anschluss von dort aus an Metzingen und Reutlingen dank Ermstalbahn gar nicht so schlecht ist. In Reutlingen wartet die Belohnung für die durchaus anstrengende Bus-Reise: ein wunderschöner Sonnenuntergang.

Schöner Sonnenuntergang zum Abschluss in Reutlingen.
© Foto: Kathrin Kammerer

Von Reutlingen aus geht es dann per Taxi zum Auto in Walddorfhäslach zurück – den „Expresso“ habe ich um 10 Minuten verpasst, der nächste würde erst in 50 Minuten fahren. Der Taxifahrer plaudert während der 20-minütigen Fahrt eine ganze Menge. Er selbst lebe in Wurmlingen. In Zwiefalten oder Münsingen zu leben, das stelle er sich aber sehr schwer vor. Die Anbindung einer Gemeinde ist also sowohl für die jüngeren als auch für die älteren Einwohner durchaus ein Kriterium bei der Wahl des Wohnortes.

Abschnitt 5: Von Bad Urach nach Walddorfhäslach.
© Foto: privat

Noch mehr Infos zum ÖPNV im Kreis und einen ausführlichen Bericht über das Bus-Experiment gibt es am Samstag in der Printausgabe unserer Zeitung.

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