Pfullingen Lädiert – aber auch gefährlich?

Vor allem der Schwerlastverkehr setzt der Stuhlsteige zu.
Vor allem der Schwerlastverkehr setzt der Stuhlsteige zu. © Foto: Evelyn Rupprecht
Von Evelyn Rupprecht 11.10.2018

Motorradfahrer verunglückt tödlich. Biker schwer verletzt. Auto überschlägt sich: Das sind nur drei von unzähligen Schlagzeilen zu Unfällen auf der Pfullinger Stuhlsteige, die in unserer Zeitung in den vergangenen Monaten zu finden waren. Die Unglücks-Serie, die nicht abreißen will, hat jetzt UWV-Sprecher Martin Fink veranlasst, „dieses zunehmende Problem“ im Gemeinderat zu thematisieren. „Die Stuhlsteige ist hochgefährlich. Hier passieren schwerste und tödliche Unfälle“, sprach der stellvertretende Bürgermeister am Dienstagabend eine Sorge aus, die viele Pfullinger haben. Weil die Landesstraße mittlerweile zu den am stärksten frequentierten Albaufstiegen gehöre, sei sie der Belastung nicht mehr gewachsen. „Sie ist eine der schlechtesten Straßenverbindungen in der gesamten Region Neckar-Alb“, ist sich Fink sicher. Doch nicht nur das: Die Steige habe sich auch zu einer Motorradrennstrecke entwickelt. „Es besteht Handlungsbedarf“, mahnte der UWV-Fraktionsvorsitzende in Richtung Verwaltungsbank. Dort indes hat man das Problem bereits erkannt.

„Nach dem tödlichen Unfall des jungen Eninger Motorradfahrers haben wir natürlich darüber gesprochen“, erklärte Bürgermeister Michael Schrenk mit Blick auf den Unfall, der am 16. September passiert ist. Weil auch die Stadtverwaltung inzwischen alarmiert ist, hat sie die Polizeidirektion Reutlingen um eine Auswertung der Unfallzahlen gebeten. Ein Prozedere, das jetzt anspringe, wie Ordnungsamtsleiter Manfred Wolf versicherte. Erst das Ergebnis der Auswertung kann freilich zeigen, ob die Stuhlsteige wirklich zum Unfallschwerpunkt geworden ist. Letztlich, ahnt Wolf, werde es dann keine politische, sondern eine gesetzliche Entscheidung sein. Die Unfallstatistik wird zeigen, ob und wie die Stuhlsteige sicherer gemacht werden muss.

„Auch das mit dem schlechten baulichen Zustand haben wir dem Straßenbauamt bereits mitgeteilt“, erläuterte der Ordnungsamtsleiter. Die „Flickschusterei“, die bisher an dem Albaufstieg gemacht worden sei, reiche nicht. Zumal die Stuhlsteige nicht ohne Grund immer stärker befahren werde, hatte zuvor schon Martin Fink festgestellt. „Straßenverkehrliche Maßnahmen andernorts“ macht er dafür verantwortlich und fordert nicht nur entsprechende Baumaßnahmen, sondern auch die Gründung einer Arbeits- und Lenkungsgruppe, die sich des Problems annimmt und aus Vertretern des Landkreises, der Stadt, der Polizei, der Feuerwehr und der Gemeinderatsfraktionen bestehen könnte. „Wir müssen uns schleunigst Gedanken machen und die übergeordneten Straßenverkehrsbehörden einbeziehen“, so der UWV-Sprecher.

Die Gründe für die zunehmende Belastung der Steige glaubt man bei der Stadt auch schon erkannt zu haben. Denn das LKW-Durchfahrtsverbot, das die Stadt Reutlingen ausgesprochen hat, macht jetzt den Pfullingern zu schaffen. Der Schwerlastverkehr fährt nun durch die beiden Tunnel und direkt in Richtung Unterhausen  – oder er biegt ab über die Pfullinger Sandstraße und landet dann an der Stuhlsteige. Ein Ärgernis, findet auch der Ordnungsamtsleiter, der das Thema in die  „Politik einspielen“ und die Abgeordneten einbeziehen will. Denn die Luftreinhaltung andernorts führt offenbar zu einer Mehrbelastung in Pfullingen – was jedoch erst mit neuen Verkehrszählungen und der polizeilichen Auswertung belegt werden muss.

Der Bürgermeister jedenfalls hofft in der Sache nun auf „vernünftige und richtige Entscheidungen“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel