Reutlingen Kurz vor dem Durchzünden

Reutlingen / JÜRGEN HERDIN 11.07.2016
Beißender Qualm, es brannten rund 900 Kubikmeter Altpapier: 140 Feuerwehrleute kämpften am Samstagabend gegen ein Feuer bei Renz in Mark West.

Wer den weißen Qualm über Mark West nicht von weitem sah, wurde durch halbstündliche Rundfunkmeldungen aufgeschreckt: „Bitte halten sie Fenster und Türen geschlossen“, hieß es vor allem für die Betzinger. Um 18.03 Uhr waren am Samstagabend starke Feuerwehrkräfte ausgerückt, um in Flammen stehende, übereinander gestapelte Altpapier-Ballen in einer Halle der Entsorgungsfirma Renz in der Täleswiesenstraße zu löschen. Das hatten, als das Feuer noch im Entstehen und überschaubar war, auch zwei Mitarbeiter des Unternehmens versucht. Sie kamen mit Rauchgasvergiftungen ins Steinenbergklinikum – konnten jedoch alsbald wieder entlassen werden.

Helle Aufregung im Industriegebiet Mark West: 900 Kubikmeter Altpapierballen brannten und schwelten in einer Lagerhalle auf einer Fläche von rund 800 Quadratmetern. Es war unerträglich heiß. Das bedeutete voller Angriff mit Schaum und Wasser, aber aus gerade noch erträglicher Entfernung. „Die Halle stand kurz vor der Durchzündung.“, berichtete später Reutlingens Stadtbranddirektor und Einsatzleiter Harald Herrmann. Bei einem auch so genannten „Flashover“ wäre eine heftige Flammenwand explosionsartig nach außen geschlagen, was verhindert werden konnte.

Gegen 19 Uhr hatten die Feuerwehren, die Lage im Griff. Sie mussten mit schwerem Atemschutz vorgehen. Der Einsatz dauerte aber weiter an, weil die heißen Ballen mit Radladern nach und nach auseinandergezogen werden mussten. Das war bis Sonntag, 9 Uhr, geschafft. Zudem war eine zunächst unbekannte, rote Flüssigkeit am Brandort ausgelaufen. Es handelte sich um Hydrauliköl, so Herrmann, das jedoch schnell abgebunden werden konnte.

Das Klärwerk West in Betzingen sei von Beginn an über das gesamte Geschehen informiert gewesen, hieß es. Das Löschwasser wurde über ein Kanalsystem in ein Rückhaltebecken dort eingeleitet.

Die Ursache des Brandes ist derzeit noch nicht bekannt, auch über die Schadenshöhe liegen noch keine Informationen vor. Die Kriminalpolizei machte sich gleich am Samstagabend an die Ermittlungen. Die Feuerwehr war mit rund 140 Kräften am Einsatzort – mit der Berufsfeuerwehr und den Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehren Stadtmitte, Sondelfingen, Betzingen, Kusterdingen und auch Ohmenhausen. Zudem waren die aus der Freiwilligen Feuerwehr gebildeten Sondereinheiten Gefahrstoffe, Atemschutznotfall sowie die Dokumentationsgruppe am Brandort. Die Bekämpfung des Feuers wurde mit sechs Löschrohren im Innenangriff aufgenommen. Zwei weitere Rohre wurden über Drehleitern in Bereitstellung gehalten.

An der Einsatzstelle in der Täleswiesenstraße informierte sich Bürgermeister Jürgen Soltau aus Kusterdingen, Reutlingens Schulamtsleiter Uwe Weber – in Vertretung von Finanzbürgermeister Alexander Kreher – sowie Betzingens Bezirksbürgermeister Thomas Keck. Auch die Kreisbrandmeister von Reutlingen und Tübingen, Wolfram Auch und Marco Buess, sowie das Umweltamt des Landratsamtes Tübingen waren vor Ort.

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