Sozusagen „großer Bahnhof“ war am Samstagmittag in Sondelfingen angesagt: Direkt unterhalb der Bahnlinie, bei der Turn- und Festhalle, waren zahlreiche  Sportler, Gemeinde- und Bezirksgemeinderäte zusammengekommen, um offiziell die Fertigstellung des Kunstrasenplatzes zu feiern. Schon seit dem zurückliegenden Sommer hatte der Spiel- und Trainingsbetrieb auf dem nagelneuen Platz wieder begonnen, wie der TSV-Sportvorsitzende Andreas Deuble in seiner Ansprache hervorhob. „Seit Jahren standen wir vor der Frage, wann wir ein neues Spielfeld bekommen würden“, so Deuble. „Jetzt ist die Freude groß, dass es geklappt hat.“

20 Kicker-Mannschaften

Der Sportvereinsvorsitzende sagte „Dank für die offene Kommunikation mit der Stadtverwaltung“, er verwies aber auch auf die Einschränkungen, die der TSV während der rund halbjährigen Bauphase auf sich zu nehmen hatte. Die Kicker mussten auf Ersatzspielfelder ausweichen – was gar nicht so leicht war, immerhin bringt der TSV mehr als 20 Mannschaften auf den Platz, „darunter fünf weibliche Teams“, sagte ein Aktiver der ersten Männermannschaft. Die TSV-A-Klassenkicker zeigten sich im Übrigen sehr zufrieden mit dem neuen Platz – wie auch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck in seiner Ansprache betont hatte: „Das ist ja phänomenal, wie der Boden federt.“

Quarzsand und Gummigranulat

Es sei auch an der Zeit gewesen, das Kunstrasenspielfeld zu erneuern, „nach 17 Jahren intensiver Nutzung“, so Keck. Die Verfüllung des Spielfeldes mit Quarzsand und Gummigranulat sei offensichtlich gut gelungen, der Kostenrahmen wurde laut OB sogar um 10 000 Euro unterschritten und betrug schlussendlich 290 000 Euro – da konnte sogar der Zaun noch erneuert werden. Und die vorgegebene Zeit „ist bei diesem Großprojekt auch eingehalten worden“, so Keck. Sowohl Deuble als auch Reutlingens OB wollten nicht verhehlen, dass es momentan Probleme mit dem Gummigranulat auf den Kunstrasenspielfeldern gebe: „Gerade als der Platz im Sommer fertig war, begann die Diskussion über Mikroplastik in den Böden“, hatte Andreas Deuble betont. „Wenn das Verbot von Gummigranulat kommen sollte – und es sieht wohl so aus – dann wäre nach den Äußerungen des DFB ein Bestandsschutz für Gummigranulatböden von sechs Jahren zu kurz“, so der Vereinsvorsitzende.

EU-Verbot

Thomas Keck hatte ausgeführt, dass wohl Ende kommenden Jahres in der EU das Verbot der Böden beschlossen werde. Ein Gutachten des Fraunhofer-Instituts hatte nach den Worten des OB die Kritik an dem Gummigranulat ausgelöst. Mittlerweile sei das Institut aber etwas zurückgerudert, auf deutschen Kunstrasenplätzen wäre laut Keck das Problem wohl nicht so groß. Aber: „Das Mikroplastik, das auf den Böden drauf ist, wird von  Sportlern in den Schuhsohlen, den Stollen und auch in der Kleidung mitgenommen.“ Das Land habe sich aufgrund des Gutachtens entschlossen, die Förderung solcher Böden zu stoppen, betonte Keck, nachdem Mädchen der TSV-Jazztanzabteilung eine Kostprobe ihrer Tanzkünste dargeboten hatten.

Bevor die C-Jugend des TSV in einem Punktspiel gegen  die TSG Tübingen II auf dem Kunstrasenspielfeld kickte, hatte Deuble noch auf einen Punkt hingewiesen: „Wenn wir den Platz gut pflegen, können wir die jährlichen Nachfüllmengen gering halten.“