Reutlingen / Von Norbert Leister

Nein, sein Lebensziel sei es wahrlich nicht gewesen, „Stifter“ zu werden, betonte Manfred Wandel, nachdem er am Montagabend die Bürgermedaille in Gold der Stadt Reutlingen verliehen bekommen hatte. „Ich wollte mich eben um die schönen Dinge kümmern – und das ist mir wohl gelungen“, sagte der Geehrte nach der Laudatio von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch.

Kunstliebhaber und Sammler

Nun ist Manfred Wandel aber trotz alledem „Stifter“ geworden, denn: Er hat nicht nur die Sammlung der „Stiftung für konkrete Kunst“, die er als Kunstliebhaber und Sammler über mindestens drei Jahrzehnte hinweg zusammengestellt hat, der Stadt geschenkt. „Die Sammlung umfasst 99 Werke mit insgesamt rund 1100 Einzelteilen in einem Wert von rund 5,7 Millionen Euro“, hatte Bosch ausgeführt. Hinzu kamen noch einige Werke aus Wandels privater Kunstsammlung im Wert von zusätzlich etwa einer Million Euro.

„Bereits durch Ihre Arbeit in den vergangenen drei Jahrzehnten und noch einmal durch Ihre großzügigen Schenkungen ist mitten in unserer Stadt ein Zentrum der Kunst der Moderne entstanden, das weit über unsere Stadt hinaus strahlt“, so die OB. „Wir haben die Verpflichtung, Kultur und Kunst zu schützen und aufzubewahren“, mahnte Manfred Wandel.

Der Geehrte studierte zunächst Architektur in Stuttgart und Karlsruhe, wurde dann Dozent an der Kunstakademie in Stuttgart und an verschiedenen Fachhochschulen. In einem Stuttgarter Architekturbüro war er ab 1970 elf Jahre lang zuständig für die Koordination „von Gestaltungsaufgaben für Großprojekte wie die Bundeswehrhochschulen in Hamburg und München, das Stadthaus Bonn oder 1972 das Olympische Dorf in München“, so Bosch. In seiner Funktion als „Berater am Bau“ habe Wandel zahlreiche bedeutende Künstler kennengelernt. „Sie besuchten Ateliers und pflegten intensive Kontakte mit Museumsdirektoren und Galeristen“, führte Reutlingens Stadtoberhaupt an Wandel gerichtet weiter aus.

Besonders von den Galeristen in ganz Europa habe er extrem viel gelernt, betonte Manfred Wandel selbst. „Anschließend waren Sie über einige Jahre als freier Berater im Bereich Kunst, Architektur, Design und Grafik tätig“, sagte Bosch.

Sein erstes Kunstwerk habe Wandel wohl bereits im Jahr 1968 erworben, wie er selbst einst berichtet hatte. „Sie hatten auch bald den Gedanken, die im Entstehen begriffene Sammlung durch eine Stiftung nachhaltig zu sichern. 1987 gründeten Sie dazu zusammen mit Ihrem Bruder Albrecht in Reutlingen die ‚Stiftung für konkrete Kunst‘“, so Bosch weiter.

Eine Heimat fand die Stiftung schließlich im Gebäude in der Eberhardstraße 14, einer ehemaligen Metall- und Maschinenfabrik von Christian Wandel. „Mit großzügiger Unterstützung durch das Land konnte die Stadt das Wandel-Areal erwerben und für die Erfordernisse eines modernen Ausstellungsbetriebs umbauen“, sagte Bosch. Und Manfred Wandel sei damals derjenige gewesen, „der das Potenzial dieses Industrieareals erkannte“, lobte die OB.

Seit 1989 habe die Stiftung am Wandel-Knoten „kontinuierlich ambitionierte Ausstellungen mit bedeutenden internationalen Künstlern gezeigt“. Gleichzeitig seien aber auch Kunstwerke aus Wandels Sammlungen als Leihgaben an Museen in aller Welt gegangen: Als Beispiele führte Bosch lediglich zwei an, das Centre Pompidou in Paris und das Museum of Modern Art in New York.

„Maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Arbeit der Stiftung“ habe laut OB aber auch Dr. Gabriele Kübler, die als Geschäftsführerin „Inhalte und Stil der Einrichtung ganz entscheidend mitgeprägt hat“. Alle Ausstellungen seien in enger Kooperation und intensivem Austausch zwischen Wandel und Kübler entstanden. Dem widersprach der mit der Goldenen Bürgermedaille Geehrte nicht, im Gegenteil: „Es war ein Glück für mich, Gabriele Kübler gefunden zu haben – ich habe viel gelernt durch sie“, betonte Wandel.