Reutlingen Kunst für die Heimat

Die Künstlerin Enami Shibata mit Aldo De Luca. Foto: Marie-Louise Abele
Die Künstlerin Enami Shibata mit Aldo De Luca. Foto: Marie-Louise Abele
Reutlingen / MARIE-LOUISE ABELE 22.03.2014
Schon bei "Kunst an jedem Ort" rief sie zu einer Spendenaktion für Waisenkinder in Japan auf. Nun setzt Enami Shibata diese Aktion bei "Il Panino" fort.

Aus Vernunft hatte die1974 im japanischen Okazaki geborene Enami Shibata zunächst Wirtschaftswissenschaften studiert. Es war der Wunsch der Eltern, etwas Solides zu erlernen. Das Fernweh und ihr Interesse am Land selbst brachten sie nach dem Diplom 1996 nach Deutschland - sie blieb und absolvierte in Heilbronn noch ein Studium der Weinbetriebswirtschaft. Immer wieder aber widmete sie sich, gerade in jüngster Zeit, ihrer Malleidenschaft - in Form von Stillleben rund um den Wein. Ansprechende Glas-Arrangements in gedeckten Farben gespickt mit starkem Rot oder kühlem Blau entspringen ihrem Pinsel. Hinzu kommen neuere Werke, die sie mit Flaschenkorken entstehen lässt.

Während des Reutlinger Projektes "Kunst an jedem Ort" (KuajO), das jüngst zu Ende ging, präsentierte sie ihre Weinglas-Stillleben im Restaurant "Il Panino" und bei "Peter Eisele - Whisky und Tabak" einem breiten Publikum. Ihre Kunst aber sieht sie auch als Hilfsmittel.

"Seit der Erdbebenkatastrophe, die sich in Japan am 11. März 2011 abspielte, ging mir immer der Gedanke durch den Kopf, wie ich den Katastrophenopfern, vor allem den Waisenkindern, helfen könnte. Denn die Lage der Betroffenen ändert sich nur schleppend", erzählt die Mutter eines bald fünfjährigen Sohnes bei einem Pressetermin. Dieses Gefühl war ihr nicht unbekannt. Bereits nach dem Erdbeben 1995 in Kobe hatte sie sich vor Ort ehrenamtlich nützlich gemacht und half, wo es nötig war. Gleiches ging nun wegen der Entfernung zur alten Heimat nicht mehr.

Die Lösung war schnell gefunden. Ihre Acrylarbeiten, ihre Bilder sollen helfen. "Die Hälfte des Verkaufserlöses der Werke soll direkt an die Stiftung Ashinaga gehen, eine renommierte Stiftung, die langfristig traumatisierten Kindern ein Zuhause bietet", erklärt sie.

Außerdem habe sie die Stiftung gezielt ausgewählt, da die Spenden den Kindern direkt und nachvollziehbar zugute kommen. An drei verschiedenen Orten der betroffenen Region Tôhoku werden so genannte "Rainbow Houses - Regenbogenhäuser" errichtet, die Betreuung der Waisenkinder findet auch auf psychologischer Ebene statt.

Nach dem Reutlinger Kunst-Projekt soll ihre Aktion nun nicht zu Ende sein. In Aldo de Luca, dem Inhaber des Restaurants und der Weinhandlung "Il panino", hat Shibata einen Unterstützer gefunden, dem die Sache ebenfalls am Herzen liegt. "Ich sehe es als eine Pflicht, Menschen, denen es schlecht geht, zu helfen", unterstreicht De Luca seine Motivation. So gebe es keinen passenderen Ort für die mit viel Leidenschaft geschaffenen Weinglas-Bilder als die Enoteca. Zum Auftakt der weiteren, gemeinsamen Ausstellungszeit überreichte er nun Enami Shibata einen Spendenscheck über 1000 Euro. Bis auf Weiteres sollen die seriell entstandenen Werke im Gastraum hängen bleiben und auf die gemeinsame Spendenaktion aufmerksam machen.

Enami Shibatas Bilder sind bei "Il Panino" zu sehen, Albstraße 26, Reutlingen; weitere Infos gibt es online auf enami-shibata.npage.de.

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