„Auch die kleinen Dinge beschäftigen die Menschen“, bemerkte Richter Sierk Hamann im Amtsgericht. Gerade beschäftigen ihn vor allem dutzende Bußgeldverfahren von der Bullenbank. Gestern gab es zur Abwechslung einen etwas anderen Fall: Da ging es um ein abgeschlepptes Auto, Streitwert waren 286,20 Euro.

Was war vorgefallen? Ein Mann hatte an einem Sonntag auf dem Gelände eines Edeka-Marktes geparkt. Ein Reutlinger Abschleppunternehmern schleppte das Auto daraufhin prompt ab – um es wieder zu bekommen, musste der Mann besagte Summe zahlen. Er verstand dies jedoch nicht als Denkzettel, er sah sich vielmehr ungerecht behandelt und klagte gegen den Abschleppunternehmer. „Ich hab’ nicht in einer Feuerwehrzufahrt geparkt, ich hab’ extra Abstand gehalten“, betonte er gestern vor dem Amtsgericht.

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Reutlingen

Als Freibadparkplatz genutzt

Hatte er doch, entgegneten sowohl der Abschlepper (der Beweisfotos gemacht hatte) als auch die Edeka-Marktleiterin. Die Marktleiterin berichtete, dass Freibad-Besucher besonders am Wochenende den ganzen Parkplatz nutzen. Das sei an Sonntagen auch in Ordnung – allerdings nur auf den offiziellen Plätzen, nicht vor der Laderampe (wie es der Kläger getan hatte). Besonders an heißen Tagen müsse sie nämlich oft hinter dem Markt werkeln, führte die Leiterin aus: Die Kühlaggregate müssen mit Wasser abgekühlt werden. Und dazu müsse der Bereich frei sein.

Dafür soll besagter Abschlepper sorgen, und darüber gibt es auch einen Vertrag. Außerdem sind Schilder auf dem Gelände aufgestellt. „Na, das ist dann aber doch eindeutig“, wandte sich ein sichtlich verdutzter Richter Hamann schließlich an den Kläger. Hamann ist bei seinen Verfahren immer bemüht, Vergleiche zur Zufriedenheit beider Parteien zu schließen. Doch hier schien ziemlich eindeutig zu sein, wer Recht und wer Unrecht hatte.

Wieso war der Kläger überhaupt vor Gericht gezogen? Das konnte er selbst nicht einleuchtend erklären. Und so zog er sich mit seinem Verteidiger kurz zurück – um diesen danach verkünden zu lassen, dass er die Klage zurückzieht. „Mein Mandant will aber nochmal deutlich machen, dass die Schilder eindeutiger sein müssen“, sagte der Verteidiger. Und: „Er ist mit dem Geschäftsmodell des Abschleppers nicht einverstanden.“ Dieser nahm es gelassen. Denn eins habe er gelernt: „Die einen lieben uns, die anderen hassen uns.“

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