Reutlingen KULTURSZENE: Aareißa! Wie Schwäbisch klingt

"Schwäddsa ond schwäddsa lao": Wilhelm König. Foto: Kai Rixecker
"Schwäddsa ond schwäddsa lao": Wilhelm König. Foto: Kai Rixecker
Reutlingen / OTTO PAUL BURKHARDT 28.02.2013
Schwäddsa ond schwäddsa lao - so lautet sein Motto. Am Freitag beginnen wieder die Reutlinger Mundart-Wochen, die Wilhelm König ausrichtet, der Vorsitzende der Mundartgesellschaft. Und eins lässt sich sagen: Der so oft totgesagte Dialekt - er blüht und gedeiht.

Schwäddsa ond schwäddsa lao - so lautet sein Motto. Am Freitag beginnen wieder die Reutlinger Mundart-Wochen, die Wilhelm König ausrichtet, der Vorsitzende der Mundartgesellschaft. Und eins lässt sich sagen: Der so oft totgesagte Dialekt - er blüht und gedeiht.

Die Zeiten der althergebrachten, tümelnden Mundartpflege sind lange vorbei. In den 70ern brach sich der Dialekt auch bei den Jüngeren wieder Bahn - Schwoißfuaß und Wolle Kriwanek gingen im Schwäbischen voran, Spider Murphy Gang im Bayerischen. Am konsequentesten tatens die Österreicher - mit einer ganzen Liedermacher-Schule: Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich, Georg Danzer. . .

Diese Dialektwelle machte auch Schluss mit dem betulichen Mundart-Getue im Schwäbischen, das mit Lieblingswörtern wie Spätzle, Schätzle und Herzle immer auch etwas Verniedlichendes hatte - so, als ob das Schwäbische nur eine einzige große Süßholzraspelei wäre, bei der jedes Wort mit der Verkleinerungssilbe "le" endet. Dagegen muckten auch Wilhelm König und Konsorten auf: Ihr Schwäbisch war kein keimfreier Kunst- und Honoratioren-Dialekt, sondern es ging direkt zur Sache. "Schwädds" heißt heute noch die Zeitschrift seiner Mundartgesellschaft, was sich auch als unmissverständliche Aufforderung lesen lässt.

Und heute? Ist der Dialekt noch immer da. Mit Gästen wie dem Stuttgarter Kabarettisten Christoph Sonntag und dem Reutlinger Synchron-Spaßtexter Dominik Kuhn halten die Mundart-Wochen den Kontakt zur jüngeren Generation. Dieses Jahr sind Ernst & Heinrich und Helge & das Udo dabei. Apropos König: Der gebürtige Tübinger mit Dettinger und Kappishäuser Wurzeln hat Schwäbisch stets auch als Sprache der Poesie verstanden, als Klang-Sprache, kurz, herb, kantig.

Vor allem Königs Lautschrift ist bemerkenswert: Sie lauscht dem Klang der Wörter und übersetzt ihn in Schrift. "Bollidigr" zum Beispiel: Das sieht beim bloßen Hinschauen sperrig aus, schwer entzifferbar, erst bei lautem Lesen wird die Bedeutung klar. So ähnlich wirkt auch der bissige König-Klassiker: "Schdaddendwigglong - schadd Endwigglong", Königs berühmtestes Gedicht, das da anfängt mit dem Ausruf "Aareißa!"

Weitere Exempel gefällig? Was bedeutet "drenaeschlaa"? Oder "dswoemool"? "Diisamla"? "Irrdimmr"? "Suddrae"? Schwäbisch-Experten vor: Alles gewusst? Wer seine Dialekt-Kenntnisse mal testen will, dem sei unser Online-Quiz "Wie gut ist Ihr Schwäbisch?" empfohlen. Wilhelm König, den viele auch "Mundart-König" nennen, hat unserer Zeitung exklusiv zehn schwäbische Wörter auf Audiodateien gesprochen. Da geht's kernig zu - auch "Rossmugga" und "Bettsoicher" kommen vor. Einfach reinhören und losknobeln. Hier geht es zum Rätsel.

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