Reutlingen Kult-Objekte aus Plüsch

JÜRGEN HERDIN 04.01.2014
Das Heimatmuseum zeigt eine spannende Ausstellung über die Geschichte der Steiff-Produkte. Federführend konzipiert hat die Schau Inka Brandt. Zu sehen sind 170 Objekte - vom Teddy bis zum Elefanten.

Es begann im Jahr 1874. Damals baute Friedrich Steiff das Wohnhaus in der Giengener Ledergasse um und richtete eine Schneiderei ein. Tochter Margarete (1847 bis 1909) und ihre Schwester hatten bald eine ganze Menge Arbeit - und konnten sich als erste Frauen in der Stadt eine eigene Nähmaschine kaufen. Dort schuf Margarete, die seit ihrem zweiten Lebensjahr gelähmt war, im Jahr 1874 ihr erstes Plüschtier, einen Elefanten.

Im Mittelpunkt stehen im Heimatmuseum die Entwicklung und der Wandel des Sortiments der Firma Steiff aus Giengen an der Brenz. Ein chronologisch angelegter Rundgang zeigt über 170 Leihgaben aus den Anfangsjahren des Unternehmens bis in die Gegenwart. Plüschtier-Klassiker wie der Teddybär oder der "Mecki" wecken Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Ein besonderes Bonbon ist eine Art "Schrein" gleich rechts am Eingang. Dort sehen die Besucher die Lieblingstiere prominenter Reutlinger aus deren Kindertagen. Kein anderes Plüschtier soll übrigens so sehr zum Erfolg der Firma beigetragen - wie ausgerechnet der Bär. Das weiß Inka Brandt, die die Ausstellung zusammen mit Martina Schröder und Eva Bissinger konzipiert hat. Die Idee für den ersten puppenähnlichen Bären (1902) stammt übrigens von Richard Steiff, dem Neffen der Firmengründerin. 1907 wurden bereits fast eine Million Exemplare verkauft. Der Name "Teddy" stammt vom Spitznamen des damaligen amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt, der von 1858 bis 1919 lebte.

Auch weniger bekanntes Spielzeug der Giengener Firma wird in der Schau vorgestellt. Ab 1903 produzierte Steiff Puppen mit beweglichen Gliedern. Bald gehörten auch Holzspielzeug und "Roloplan"-Drachen jahrzehntelang zum Sortiment. Im Zuge der Militarisierung - auch der Bevölkerung - im Kaiserreich kamen ab dem Jahr 1909 Soldatenpuppen in feldgrauer Uniform als Spielzeug für die Buben auf den Markt. Dies dokumentiert die Anpassungsfähigkeit der Firma an den Markt - und natürlich ein Stück Zeitgeschichte.

Die plüschigen Spielkameraden von damals haben weiter Hochkonjunktur - bei Sammlern aus aller Welt. Zwar mag man einigen Inseraten von Auktionatoren einfach nicht glauben, wenn sie ein 40 Jahre altes Steiff-Tier als "garantiert unbespielt" im Angebot haben. Doch natürlich gibts vor allem benutzte Teddys und Bambis. Einen Tag lang tiefgefrieren - und alle eventuellen Keime sollen abgetötet sein.

Doch manch ein Liebhaber muss zunächst wohl schon mit seinem inneren Schweinehund gerungen haben, bevor er sein Tier dann doch hergab. Immerhin bezahlte ein glühender Steiff-Fan auf einer Auktion vor drei Jahren für einen Teddy aus den 20er Jahren 156 000 Euro.

Info Die Margarete Steiff Gruppe hat 1900 Mitarbeiter, davon 900 in Tunesien und 500 in Deutschland. 2011 machte das Unternehmen rund 81 Millionen Euro Umsatz. Und die Giengener sind international aufgestellt. Im Großraum Shanghai soll es bald sechs Läden geben.

Begleitprogramm mit Führungen und erlebnisreichen Spielenachmittagen für Kinder